mcgowan_06_by_zouberi-dcrkmh7Mittwochs ist normalerweise nicht viel los in der österreichischen Hauptstadt. Doch am 7. November 2018 teilte eine ganz besondere Band die Woche! Die Levellers kehrten nicht nur aufs Festland zurück, sondern auch nach Wien. Eine Seltenheit, für die man durchaus schon einmal ein paar hundert Kilometer zurücklegen kann, um die wesentlich weiter angereiste Band zu erleben. Außerdem brachten die Engländer einen jungen Mann namens Séan McGowan mit in die Szene Wien, der fröhlich den Konzertabend einleiten sollte.

Pünktlich um 20: 00 Uhr stand also ein junger Mann alleine mit seiner Gitarre der Bühne, die Halle vor ihm war bis dahin etwa zur Hälfte gefüllt. Séan McGowan, 25 Jahre alt, wie er gerne erwähnte, freute sich immens über die Gelegenheit, die Levellers auf ihrer Tour zu begleiten und diese unbändige Freude sowie Lust an der Musik brachte er auch mit und verstand sie zu vermitteln. „McGoo“ –so wird der auf dem Festland unbekannte Jungmusiker von seinen Fans genannt – hatte einige Eigenkompositionen im Gepäck, die er energiegeladen vortrug. Die Musik und Lieder lassen sich wohl als Akustik-Punk beschreiben, quasi der aufmüpfige Auftritt eines Rebells, der von Oma zum Fünf-Uhr-Tee geladen wird und dazu vorsingen soll. Stolz erzählte der Brite dann noch dem Publikum (und vielleicht auch seiner Großmutter), dass er zum ersten Mal in Wien war. Es schien ihm gefallen zu haben, auch das Publikum fand den entspannten Beginn gut, doch nach 33 Minuten war schon Schluss. Zeit für einen kleinen Umbau, Zeit für die Levellers.

Eine Seltenheit auf dem europäischen Festland und eine wahre Rarität in Österreich stellen die Levellers dar. Das letzte Wien-Konzert der Brightoner Folk-Punk-Formation fand am 10. Oktober 2012 in der Arena Wien statt, das ist inzwischen schon ein Weilchen her. Andere Konzerte im deutschsprachigen Raum sind ebenso spärlich gesät, im Rahmen von Club-Touren wird ab und zu eine deutsche Stadt angesteuert, ansonsten muss man schon zumindest in die Niederlande fahren, wo die Band etwas häufiger zu sehen ist. Da war das Lovely Days Festival 2017 in Österreich schon eine Ausnahme, allerdings nahm die Gruppe dort auch eine Außenseiter-Position ein. Doch zurück in die Hauptstadt: Szene Wien, 21:00 Uhr schlug es, der gut gelaunte Wiener teilte die Woche mit dem zweiten Bier und die Levellers schwangen sich endlich auf die Bühne. Die Energie der erfolgreichen 90er-Jahre brachten die Briten direkt mit, das war von Beginn an zu spüren. Gitarrist Simon Friend konnte für die gesamte Europa-Tour leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mitreisen, doch die Band fand exzellenten Ersatz für die Position in Form von Daniel Donnelly. Dieser spielte nicht nur grandios an der E-Gitarre, sondern übernahm auch gleich den Mundharmonika-Part bei „Carry me“.

Apropos bester Song, den sie jemals geschrieben haben (zumindest nach bandeigener Aussage), man befand sich immerhin auf dem „30 years anniversary“-Konzert, es wurden levellers_10_by_zouberi-dcrkmvvalso nur die Publikumslieblinge gespielt, sehr zum Wohlwollen des Publikums, dessen Durchschnittsalter ebenso weit über 30 Jahren lag. Mit Titeln wie „Fifteen years“, „Dirty Davey“ oder „World freak show“ konnten die meisten durchaus etwas anfangen, die vor rund zwanzig Jahren schon in der Folk-Rock-Sektion musikalisch unterwegs waren. „One way of life“ hieß nicht nur der elektrisch gespielte Teil der diesjährigen Tour, sondern auch die „Very best of The Levellers“ von 1998, die damals noch bei China Records produziert wurde.
Die Levellers warfen also mit ihren größten Nummern um sich, dass es nur so krachte. Für Begeisterung sorgte auch der Auftritt des Performance-Künstlers Stephen Boakes für leider nur etwa zehn Minuten circa zur Hälfte des Konzertabends. Zu den alten Liedern gesellten sich im Laufe des Konzerts auch jüngere, wie zum Beispiel „The recruiting sergeant“ aus dem Jahr 2012 oder „Cholera well“ (2008), der bereits den letzten Song vor der Zugabe darstellte. Zum Abschluss wurden schließlich noch ein Muss mit „Beautiful day“, ein Oldtimer mit „Riverflow“ und eine Seltenheit mit „What you know“ dargebracht, bevor sich die Band verabschiedete.

Ein Abschied für nicht allzu lange dieses Mal, bleibt für die Fans der Band zu hoffen. Ansonsten muss man wohl in Zukunft so einiges an Kilometern zurücklegen für ein Konzert der sechs Männer aus Südengland. Es bleibt also das Bangen um ein kurzfristigeres Wiederkehren der Levellers nach Österreich als sonst üblich!