„Von Leuchtfeuern und anderen Halunken“ handelt die aktuelle Tour der Mittelalter-Giganten von Schandmaul. Da die Original-Leuchtfeuer-Tour aus gesundheitlichen Gründen von Anfang des Jahres in den Herbst verschoben werden musste, wird sie nun endlich nachgeholt. Die letzten Termine finden schließlich im Dezember in Deutschland und der Schweiz statt. Wir waren in Wien dabei, als die krayenzeit_06_by_zouberi-dbu0pkoMäuler mit den Jungs und Mädels von Krayenzeit die dortige Arena auseinandergenommen haben. Am 15. November in Graz und am darauffolgenden 16.11.2017 in Wien wurden die einzigen beiden Österreich-Termine abgehalten – leider mitten unter der Woche. Gastgeber in Wien war die Arena, die sich als gerade groß genug erwies, um dem Besucherandrang standzuhalten. Einlass war ab 19:00 Uhr und eine Dreiviertelstunde später ging es dann los.

Die erste Show lieferten pünktlich Krayenzeit. Als Support wohl ausgewählt, sind die Krähen der Hauptband vom Stil her doch gar nicht so unähnlich. Inzwischen erfreuen sich die Ludwigsburger auch in Österreich einiger Bekanntheit, das mag nicht zuletzt am Einstieg von Shir-Ran von Eluveitie in die Band liegen. Auch bei Krayenzeit konnte man sich nun an ihrem Geigenspiel erfreuen. Außerdem mit dabei war Max von Ignis Fatuu, der an der Akustikgitarre aushalf. Auch an der Leadgitarre gab es dieses Jahr eine Änderung: Chris stieg aus und wendete sich härteren Klängen bei der Metal-Band Sundead zu. Ersetzt wurde er durch Micki, der nun deutlich mehr Rock ‘n’ Roll in die Sache einbrachte. Man hat fast den Eindruck, die Truppe entwickelt sich immer mehr zur Mittelalter-Supergroup. Auch beim Publikum kamen die Krayenzeitler super an, dabei ist es in Österreich eher eine Seltenheit, dass eine Vorband schon derartig mitgefeiert wird. Präsentiert wurde das neue Album „Von Mond und Schatten“, das zu Tourbeginn am 27.10.2017 erschienen war. Davon wurden unter anderem die Video-Single „Spieglein, Spieglein“, „Wir sind die Sünde“ und natürlich das obligatorische „Krayenzeit“ zum Schluss gespielt.

Nach einer kurzen Umbauzeit, während dieser sich der Saal vollends gefüllt hatte, war es nun so weit. Schandmaul gingen ans Werk und brachten die Energie mit, die ihnen im Frühjahr gefehlt hatte. Um 21:00 Uhr stand man „Vor der Schlacht“ und darauf folgten noch viele weitere alte und neue Lieder. Gut gemischt, das aktuelle „Leuchtfeuer“-Album drängte sich in der Setlist nicht in den Vordergrund. So wurde etwa vor dem Titelsong „Leuchtfeuer“ noch der gute alte „Narrenkönig“ gespielt – immer noch ein Publikumsliebling. Zum Pogen war allerdings kein Platz mehr in der Halle, diese war nun zum Bersten voll. Nicht schlecht für einen Donnerstag. Etwas Rumgehüpfe ging sich noch aus, später wurde es doch noch mehr.
Wer die Band kennt, durfte allerdings auch bei den Schandmäulern einige personelle Änderungen feststellen. Anna Katharina Kränzlein hat die Band zum Leid zahlreicher Fans verlassen, dafür wurde nun Saskia von Ganaim an der Geige angeheuert. An der Drehleier wurde kurzerhand Jessica von Krayenzeit eingespannt, somit fehlte musikalisch nichts mehr für eine große Schandmaul-Party. Doch es gab noch etwas zu feiern: Sänger Thomas hatte zufällig genau an dem Tag Geburtstag! Was gibt es nun Schöneres als den eigenen Ehrentag mit seiner Lieblingsbeschäftigung und vielen begeisterten Fans zu feiern? Da durfte natürlich ein „Happy Birthday“-schandmaul_03_by_zouberi-dbu0qdvPublikumsintermezzo nicht fehlen.

Daraufhin folgten natürlich noch weitere Schandmaul-Hits wie „Kaspar“ und „Vogelfrei“. Etwas ruhiger wurde es wieder bei den Balladen „Euch zum Geleit“ und „Tjark Evers“. Die Party ging allerdings höllisch weiter mit „Der Teufel…“ und dem alten „Teufelsweib“. Daraufhin wurde noch die Siegfried-Trilogie zum Besten gegeben und man schloss ab mit der Walpurgisnacht. Natürlich war das noch nicht das Ende – mit der „Sturmnacht“ wurde die Zugabe eingestimmt und noch zwei weitere Lieder gespielt. Ebenfalls schon etwas älter und allseits bekannt waren „Der Spion“ und selbstverständlich „Dein Anblick“ zum Mitsingen und Ausklingen lassen. Daraufhin zogen sich die Bayern zurück und das Publikum glücklich nach Hause. Es war sogar noch „früh“ genug, um zu einer halbwegs humanen Zeit schlafen zu gehen.