Vor gut einem Monat hat ein Debut-Album das Licht der Welt erblickt, das es in sich hat. Oul, das neue Projekt von Ewigheim-Frontmann Allen B. Konstanz, stand am 13.04.2018 mit dem Album “Antipode” in den Startlöchern und präsentiert sich düster, nachdenklich und beinahe verträumt. Oul, das altirische Wort für alt oder die alte Schreibweise von owl (Eule), kommt nicht etwa aus dem Nichts, denn das Soloprojekt hat ein Ziel. Ganz nah am Bandnamen, orientiert sich Allen B. Konstanz mit seinem neuen Album an alten, musikalischen Traditionen und verwirklicht damit etwas, was er in der Szene seit längerem zu vermissen scheint. Dort wo ansonsten Chaos herrscht, will er mit seiner Musik Klarheit schaffen. Die Stücke sollen Klarheit und Kälte vermitteln. Ob ihm das gelungen ist, lest ihr nun hier in unserer Rezension.

Antipode” beginnt mit “Dark and Void”. In der dunklen Leere beginnt der Track zunächst mit einer unheimlichen Stille, die sich erst langsam verflüchtigt und einem eingängigen Signal Platz macht. Das Intro wird durch einzelne, diverse Klänge mythisch angehaucht und scheint einen im leeren Raum willkommen zu heißen, in dem nichts außer die Musik existiert. Tatsächlich erinnert der erste Track an einen melancholisch-mystischen Film. Es ist, als ginge man in Begleitung der Musik durch eine alte Kirche in Richtung Altar, wo sich ein gregorianischer Chor versammelt hat und  einen begleitet. Mit den ersten Klavieranschlägen von “The Apocalypse” verschwindet das Kirchenszenario und macht einer Endzeitstimmung Platz. Elektronische Drums und sanfter Gesang begleiten die eingängigen Klaviertöne. In beinahe friedvoller Atmosphäre wird davon berichtet, das Universum retten zu müssen. Musikalisch nimmt der Track weiter Fahrt auf, sodass man tatsächlich zum langsamen Tanzen animiert wird. Der Unterton bleibt dabei kalt, wie das Weltall selbst. “Dwell on the other side” beginnt mit sanften Synthesizern und einem eingängigen Rhythmus. Dieser bleibt erhalten und wird später durch kraftvollen Gesang unterstützt. Auch die Hintergrundmusik nimmt zu und unterstützt weiter das melancholische Weltraumszenario, obwohl der Titel auch etwas an “Stranger Things” erinnert. Auf der anderen Seite wird verharrt, bis eine Rückkehr möglich wird.
Ein ähnliches musikalisches Gesamtbild bleibt auch bei “You are all” erhalten, doch erscheint die Strophe eher einen resignierten Unterton anzunehmen. Der Refrain hingegen wirkt geradezu aufmuntert, denn ganz gleich, ob man stehen bleibt, oder weiter macht. Am Ende ist man derjenige, der einen Unterschied macht. Während die Worte noch nachhallen erklingt erneut das Klavier und mit Weltraum-Synthesizern a la Princess Chelsea türmt sich “My elegy” mit wiederkehrenden Melodien vor einem auf. Das Klagelied wird gesanglich durch Betonungen und kraftvollen Spitzen unterstrichen. Mit “With a fire” kommt man dann aber erst einmal wieder zurück zum Kirchenchor, der den Song gemeinsam mit den ersten Gitarrenriffs einleitet. Oul zeigt hiermit, dass nicht nur 80er Jahre-Synth  in ihm steckt, sondern er auch diverse Stile miteinander verbinden kann, um ein stimmiges Gesamtbild zu liefern. Auch der Beat scheint schneller und eingängiger zu sein, doch der Gesang hält den Track im Vergleich zu den anderen Songs eher zurück und erscheint unterschwellig. Dies ändert sich im Refrain, der schnell im Gehörgang hängen bleibt und mitgesungen werden kann. 

Zurück zu den elektronischen Klängen führt einen der Song “On Elephants”, der sich wieder als düster und mythisch erweist. Die Musik zieht sich dann während der Strophe beinahe vollständig zurück, um Allens bedrohlich klingender Stimme Platz zu machen. Tief, eindringlich und klar wird die kalte Stimmung des Tracks sowohl durch die Interludien als auch durch die Strophen realisiert. Das Bild ist düster, geradezu belastend und mutet melancholisch an. Etwas positiveren Schwung erfährt das Album dann durch “Let it flow again”, der durch hellere Töne tatsächlich positiver zu stimmen scheint. Auch der treibende Beat, der den Gesang begleitet, wirkt wie ein Schritt nach vorne und ein Hoffnungsschimmer. Der Titeltrack “The Antipode” spricht dann genau vom Gegenteil. Zukunft ist Fortschritt, aber ist das immer der beste Weg? Oul sagt nein und geht seinen eigenen Weg, der ihn musikalisch und thematisch häufig in der Musikgeschichte zurückführt. Mit dem Titeltrack will er es seinem Hörer schließlich vor Augen führen, dass die Zukunft nicht nur Positives bringt, sondern man auch die Vergangenheit nicht vergessen darf. Er ist der Gegensatz und das ist bei Weitem nichts Schlechtes! Musikalisch wirkt der Track geradezu bedrohlich, was durch den leicht verzerrten Gesang noch intensiviert wird.
Dem aktuellen Wetter entgegengesetzt wirkt “The Beauty of the Snow” schließlich sowohl fröhlich als auch sehnsüchtig. Die Einsamkeit und die Kälte des winterlichen Waldes wird aber keineswegs als negativ aufgefasst. Sanfte, helle Klänge versinnbildlichen den fallenden Schnee und der Ausdruck ‘Winter Wonder Land’ erhält eine ganz andere Bedeutung. In der dunklen Kälte kann man endlich sehen, die Luft flirrt nicht vor Hitze und gaukelt einem Dinge vor. Der Track hingegen versetzt den Hörer in einen persönlichen Winter, der auch durch “Glassy Bubble Shell” nicht endet. Mythische, elektronische Klänge begleiten das Intro und das Album verabschiedet sich ähnlich melancholisch, wie es begonnen hat.

Fazit: Oul bringt mit “Antipode” ein Stück Musikgeschichte zurück und erfindet sie praktisch neu. Er hält sich nicht zwangsläufig an alten Klängen fest, sondern erfindet diese scheinbar neu. Er orientiert sich an Altem und schafft damit etwas Neues, das einen ein wenig nachdenklich zurücklässt. Allen B. Konstanz setzt bei seinem Soloalbum auf minimalistisches Klangwerk und kann dadurch reine und düstere Songs erschaffen. Wer sich vorher absolut keinen Reim darauf machen kann, was der “Oul-Weg” sein soll, wird es am Ende des Albums verstehen. Der Künstler wandelt auf ausgetretenen Pfaden und entdeckt sie neu. In Verbindung mit frischem Wind, erschafft er etwas Eigenes, etwas Magisches. Wir sind gespannt, wann wir ihn weiter auf dem Oul-Weg begleiten dürfen.