Was auf Tortuga passiert, bleibt auf Tortuga. So der Leitspruch des Liedes auf dem gleichnamigen Albums von Mr. Hurley und die Pulveraffen. Bereits im letzten Sommer legte die Piratencrew vor Tortuga an und stellten die Insel vollkommen auf den Kopf. Mit humoristischen und Slapstick-artigen Songs Kapeiken-22begeisterten sie ihre Fans und boten diese auf diversen Konzerten dar. Der erste Teil der Tortuga-Tour führte im Herbst 2017 in kleinere Städte wie Wuppertal (-> wir berichteten) und meldete fast überall ausverkauft. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Piraten aus dem karibischen Osnabrück auf eine ausgedehntere Tour machen sollten. Die Tour im März und April führte durch unzählige Städte, unter anderem am 07.04.2018 nach Köln. Ursprünglich sollte auch in der Rheinstadt wieder MacCabe & Kanaka als Support mit an Bord sein, doch fiel das Duo, das kein Duo mehr ist, leider aus. Kurzfristig war ein Ersatz gefunden worden, der in Köln und Dresden das Publikum einheizen sollte.

Der Abend in Köln begann pünktlich mit dem Einlass in die Essigfabrik Köln. Hinter dem FOH war ein Vorhang aufgehangen worden, um die Halle etwas abzuteilen. Später am Abend zeigte sich, dass dies eigentlich eher problematisch war, weil sich deshalb alle versuchten nach vorne oder an die Seite zu drängen. Die Halle hätten die Pulveraffen locker komplett füllen können.
Als Kapeiken, der Ersatz für MacCabe & Kanaka, etwas verspätet die Bühne betrat, war das Publikum eher übersichtlich. Allerdings schaffte es die Band in kürzester Zeit, die Anwesenden auf ihre Seite zu ziehen. Kapeiken, die sich selbst als Bardentruppe für Larp und Fantasy-Stuff bezeichnet, trat in barocken Kostümen auf, die ihr obskures Auftreten noch unterstrichen. Mit ihrem Crowdfunding-finanzierten neuen Album „Rock O‘ Koma“ im Gepäck erstürmten sie die Bühne, verzauberten das Publikum aber auch mit älteren Songs wie „Zombie“, „Hack“ oder „Drauf“. Mit neuen Songs wie „Feuerball“ hielten sie die perfekten Mitmach-Parts parat und stachelten die Menge an, die sich sichtlich nach vorne drängten. Vermutete man zunächst noch, einen Jan Hegenberg-Abklatsch auf der Bühne zu sehen, wurde man sich schnell bewusst, dass Kapeiken völlig aus eigenem Antrieb agiert. Allerdings kamen ihre Ork-Geschichten genauso gut an, wie die älteren Tracks des Larp-Musik-Urgesteins. Völlig unerwartet war es daher auch, dass die Menge nach einer Zugabe verlangte, die ihnen gewährt wurde. Das Publikum erweckte den Eindruck von seeliger Betrunkenheit. Dies wurde in der Umbaupause dann auch bestätigt, als eine 90er Jahre Playliste aus den Boxen plärrte und die Menge vollkommen eskalierte.

Nachdem „Cotton Eye Joe“ und „What is Love“ verklungen war, hallten – wieder mit Verspätung – die ersten Töne des Tortuga-Intros durch die Essigfabrik Köln. Mr. Hurley und die Pulveraffen betraten unter tosendem Applaus die Bühne, dessen Größe sie vollständig zu nutzen wussten. Hatte man gemeint, die Menge sei vorher bereits ausgerastet, so gab es mit dem Titeltrack „Tortuga“ erst recht kein Halten mehr und man fragte sich, wo denn all die Menschen plötzlich hergekommen seien. Die Essigfabrik Köln war rappelvoll und überall tanzten und grölten Menschen freudig die Texte mit. Songs wie „Achtung, fertig, Prost“ wurden ebenso frenetisch gefeiert wir der „Plankentanz“, bei dem Pegleg Peggy ihr Bestes gab und das Publikum zum Tanzen animierte. Zwischenzeitlich gab es Gesangsstunden mit Mr. Hurley, Pöbeleinlagen von Buckteeth oder das Geständnis des nüchternen Piraten Morgan. Bei „Der Haifisch“ schob Mr. Hurley ein Statement gegen Rassismus ein und erläuterte dann auch gleich den Song. Das Kölner Publikum stieg sofort ein und sang den weißen Hai an die Wand.
Großen Jubel bekam Pegleg Peggy dann bei „Schlechtes Vorbild“ nochmal, als sie in kindlicher Manier den Refrain sang und dabei wohl allen anwesenden Kindern (ja, davon gab es ein paar) aus der Seele sprach. Dass Mr. Hurley und die Pulveraffen ein schlechtes Vorbild sind, bewiesen sie dann auch direkt mit „Schrumpfkopf“ und „Gibt dem Affen Zucker“. Doch auch das bisschen Rum konnte die Kids nicht abschrecken und so brachte dann die Ballade „Ich Kanone dich nicht leben“ eher alle zum lachen. Es wurde vielmehr noch ausgelassener getanzt, gesungen und gelacht. Sogar „Nüchtern“ wurde ordentlich mitgesungen, obwohl im Publikum die Lautesten wohl eher nicht mehr so nüchtern waren. Zwischenzeitlich kippte hinten sogar einer in der Menge um, aber ob dies dem Alkohol oder etwas anderem geschuldet war, war nicht zu erkennen. Die Fans kümmerten sich aber sofort um den Zusammengeklappten und trugen ihn Richtung Ausgang, damit er der feiernden Meute nicht zum Opfer fiel. Wir hoffen an dieser Stelle nur das Beste für alle Beteiligten!
Derweil ging das Konzert auf der Bühne mit „Ach ja“ und „Mit’n Schwert“ dem Ende zu, was mit lauten „Ach ja – Komma her“ Rufen quittiert wurde. Zu guter Letzt wurde schließlich noch das brandneue Lied „Segel hoch“ gespielt, das auf der Tortuga-Tour 2018 Prämiere feierte. Die drei Piraten verabschiedeten sich, wurden aber sofort durch „Zugabe“-Rufe wieder auf die Bühne zitiert. In Köln hatte man einfach noch nicht genug gefeiert. Allerdings wurde die Zugabe ruhig, besinnlich und nachdenklich mit „Wär ich Gouverneur“ begonnen. Ein Lied, das einem zum Schluss durchaus Tränen in die Augen treiben könnte, wenn die Pulveraffen nicht gleich in ein Medley aus diversen Songs übergegangen wären. Dieses Mal durfte der „Irish Rover“ und „Whisky in the jar“ ebenso wenig fehlen, wie „Ring of fire“ oder „Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“. Nahtlos war dann der Übergang zu „Blau wie das Meer“, das nochmal alle Feier-Reserven aus dem Kölner Publikum holte.

Fazit: Der Abend in der Essigfabrik Köln war weder gespickt mit Höhepunkten, noch gab es Enttäuschungen. Es gab Überraschungen und im Prinzip surften beide Bands und das Publikum auf einer andauernden Welle, die praktisch nur einen einzelnen Höhepunkt darstellte. Sei es Kapeiken, mit ihrem verrückten Larp-Mischmasch oder die Playlist in der Umbaupause, die den Anwesenden die volle Ladung 90er Jahre um die Ohren schlug oder Mr. Hurley und die Pulveraffen, die in Seemannsmanier alles gaben. Der Abend war durchaus gelungen und was in Köln passiert, das bleibt nicht nur in Köln, sondern auch in den Herzen und den Gedächtnissen aller Beteiligten.