Alle Jahre wieder zieht es den größten reisenden ‘Mittelaltermarkt’ nach Dortmund. Der Fredenbaumpark Dortmund besticht mit seiner großen Fläche und mit den gemütlichen Wegen um die Seen herum. Nicht nur im Winter zum großen Phantastischen Lichterweihnachtsmarkt verwandelt sich der Park in eine andere Welt. Auch im Frühling wird der Fredenbaumpark jährlich vom Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (kurz: MPS) vollkommen auf den Kopf gestellt. Gisbert Hiller und seine Mannschaft legte alles daran, dass auch in diesem Jahr der Tanz in den Mai gebührend gefeiert werden konnte. Daher erstreckte sich das MPS Dortmund 2018 über ganze vier Tage, die unterschiedliche Highlights zu bieten hatten.
Bei sommerlichen Temperaturen erstrahlte die ‘grüne Lunge’ Dortmunds bereits Samstag Mittags in voller Pracht, auch wenn schnell mal Staub aufgewirbelt wurde. Dieser Staub klebte, im Vergleich zum Schlamm vom letzten Jahr, später überall und verschönerte Haare und Gewandung. Die Besucher, Händler und Künstler ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Kunsthandwerk wurde feil geboten, Menschen verfielen in Shopping-Wahn und Speis und Trank wurde in Massen über Tresen gereicht. Beim Goldzelt tummelten sich Menschen, die mehr Gold benötigten oder verlorene Sachen suchten. Das MPS-Fundbüro hatte ein Sammelsurium an Schlüsseln, Brillen, Schals und anderen Gegenständen zu bieten. Ob man in diesem Wust allerdings fündig wurde, bleibt fraglich.

Wer seine Kinder verloren hatte, fand diese vermutlich an der Kinderbühne wieder. Dort gab es allerhand zum Mitmachen, lustige Vorführungen von Gauklern und Holzpferdchen zum Reiten. Andere Kinder verirrten sich auch vor die beiden Bühnen, doch wurde der Platz dort eher von Fans der bekannten MPS-Bands bevölkert. Versengold präsentierte sich beispielsweise gewohnt souverän mit guter Laune und sowohl alten als auch neuen Songs. Die Setliste wurde von Titeln beherrscht, die auch auf der vergangenen Tour zu hören waren, doch auch ältere Songs wurden dem Volk zu Dortmund dargeboten. Sehr zu Freude der Umstehenden, wurden an diesem Wochenende wohl alle Bands ordentlich gewürdigt. Mag allerdings auch daran liegen, dass sich Saltatio Mortis mit den Publikumslieblingen von Versengold und Mr. Hurley und die Pulveraffen die Bühne teilten.
Bei ihren beiden Sets, spielten Saltatio Mortis wie gewohnt die meisten Lieder instrumental oder zumindest in einer mittelalterlichen Version. Der ein oder andere mag sich Ähnliches auch bei Versengold wünschen, denn die abgewetzten Gewandungen fehlen im Gesamtbild schon irgendwie. SaMo ließen sich allerdings an diesem Tag nicht nur für ihre Musik feiern. Auch verkündeten sie ihren 18. Geburtstag, der später vom Fanclub der Totentänzer noch gebührend mit einem Geschenk zelebriert wurde. Während ihrer beiden Sets am Samstag spielten die Spielmänner mehrere neue Songs des kommenden Albums. “Brot und Spiele” wird im Sommer erscheinen und laut Aussage der Band ein Doppelalbum werden. Es sollen sowohl rockige als auch mittelalterliche Stücke auf dem Album zu finden sein und nachdem, was auf dem MPS bereits gespielt wurde, kann man nun wirklich gespannt sein, was da auf uns zukommt.

In der Zwischenzeit zerlegten Saor Patrol in gewohnter Weise die zweite Bühne, die gleich hinter dem Eingang zum MPS lag. Mit diversen Trommeln, Dudelsack und E-Gitarre erfreuten sie ihre Fans. Schön zu sehen, dass für Nachwuchs bereits gesorgt ist. Im Publikum befand sich nämlich mindestens ein Kleinkind im Kilt. Bei der Lautstärke wurde da natürlich für angemessenen Gehörschutz gesorgt, auch wenn einer der Trommler fehlte. Dieser lag mit einer Beinverletzung im Krankenhaus und wir wünschen ihm auf diesem Wege alles Gute!
Kein Grund zum Jammern gab es jedoch bei Mr. Hurley und die Pulveraffen. Während im Hintergrund das Ritterturnier von Filmpferde.com Groß und Klein amüsierte, verkündeten die Pulveraffen in ihrem Nachmittagsset die Vergrößerung ihrer Crew. Pegleg Peggy bekannt als Mercherin und Schüttlerin des Achterdecks, übernimmt ab sofort den Bass in der Band, sodass aus dem Trio nun ein Quartett wird. Sie wirkte zwar noch etwas unsicher, konnte die Aufgabe aber souverän meistern und das nach nur drei Monaten, in denen sie das Instrument spielt! Hut ab! Mit Songs wie “Schlechtes Vorbild” oder “Blau wie das Meer” im Ohr, ließ es sich in der Sonne wunderbar herumschlendern. Ob beim Fetten Fass, beim Tortuga Inn oder an einer anderen Theke: Erfrischende Getränke wurden an diesem Wochenende massenweise gefordert, sodass sich teilweise lange Schlangen bildeten. Dies war auch bei den besonders beliebten Speisen der Fall, doch niemand musste hungern oder verdursten. Auch für ausreichend Sitzplätze im Schatten war gesorgt. Unter den Sonnensegeln tummelten sich Biergarnituren statt der häufig üblichen Strohballen, sodass ganze Clans mehr oder weniger gemütlich beieinander sitzen konnten. Wer unter einem Sonnensegel nicht still sitzen konnte, den trieb es zu den Händlern, in die Heerlager oder auch zu Achim Häfner, der wieder seine wunderbaren Vögel dabei hatte und seine ‘Flugshow’ darbot, die eigentlich keine ist.Ye Banished Privateers-4

Später am Tag, als die Sonne sich langsam endgültig verabschiedete, wurden überall auf dem Gelände Feuer und Fackeln angezündet, an denen man sich wärmen konnte. Am Abend merkte man dann unter der Wolkendecke, dass es eben doch noch nicht Sommer war und der ein oder andere zog sich schnell eine Jacke über. Wer allerdings beispielsweise bei Fiddler’s Green ausgelassen tanzte, wird die aufziehende Kälte kaum gespürt haben. Auch die Feuershow beim Nachtkonzert von Saltatio Mortis sorgte für ordentlich Hitze auf dem Plan, der den gesamten Tag über von Bruder Rectus, dem Tod und Hans den Hässlichen kontrolliert wurde. Sie moderierten auch das Bruchenballturnier und die Gewandungsprämierung, eröffneten und beschlossen jeden Tag das MPS und trieben allerlei Schabernack.
Als es dunkel wurde, wurde nicht nur die Bühne ordentlich befeuert. Auch die Feuershow des Ritterturniers und das große Feuerspektakel lockte die Besucher an. Um den Abend dann aber MPS-würdig ausklingen zu lassen, legten Knasterbart ordentlich los, begrüßten alle Anwesenden bei ihrem Konzert und nahmen die Fans mit in die Gosse. Fidolin ritt während des Konzerts zwischenzeitlich auf der pinken Kuh, die Gisi Knasterbart freundlicherweise vor/auf die Bühne gestellt hatte. Wenn einem das Leben einen Knüppel zwischen die Beine wirft, geht man eben aufs MPS und trinkt sich in die Gosse!

Am nächsten Morgen war auf dem MPS von Müdigkeit keine Spur, obwohl viele Besucher wohl sehr lange gefeiert haben werden. Allerdings zeigte sich an dem Sonntag die Sonne auch beinahe durchgehend, sodass die müden Knochen schnell aufgewärmt waren.
Auf der Bühne, auf der am Vortag noch Saltatio Mortis und Versengold alles gegeben hatten, reichten sich nun Piraten die Klinke in die Hand. Zu Mr. Hurley und die Pulveraffen hatte sich nun auch noch die ausladende Crew der Ye Banished Privateers gesellt. Daher verwundert es wenig, dass auch viel mehr Piraten im Publikum und auf dem Gelände zu finden waren. Das MPS wurde aber keineswegs von Piraten geentert. An anderen Stellen traf man wie gewohnt, Falkner, Händler, Gaukler und Ritterturnier an. Bei Saor Patrol auf der kleineren Bühne hatten sich ebenfalls andere Musiker eingefunden. Harmony Glen aus den Niederlanden ergänzten die Schotten mit ihrem Celtic Folk und konnten mit ihrer frischen und belebten Art sicherlich den ein oder anderen neuen Fan dazu gewinnen. Es war jedenfalls sehr angenehm, den Traditionals zu lauschen, während man sich ein Odin oder etwas leckeres zu essen genehmigte. Keltische Sounds gab es derweil allerdings auch auf der ‘Piratenbühne’. Cuelebre aus Spanien versuchten dort mit den Pulveraffen und den Privateers mitzuhalten. Zwar lockten sie mit ihrer Musik, die an einen Mix aus Omnia und The Dolmen erinnert, einige Tänzer vor die Bühne, aber die eigentliche Eskalation gab es wohl nur bei den Piraten, als beispielsweise die Privateers im Set der Pulveraffen die Bühne erstürmten.

Trotz Unwetterwarnung blieb es an diesem Sonntag in Dortmund weitestgehend trocken und auch das angekündigte Gewitter blieb zunächst aus. Dem Fredenbaumpark hätten sicherlich ein paar Regentropfen nicht geschadet, weil die Wege wirklich sehr trocken und staubig waren, doch für die Besucher war es das perfekte Wetter. Das Wochenende erinnerte an Sommer, aber auch der Frühling meldete sich abends kühl zurück. Am Montag und Dienstag lud das MPS schließlich erneut ein, den Plan zu erobern. So ließ sich zu den Ye Banished Privateers auf der Festival Bühne in den Mai tanzen. Aber auch andere Künstler wie Faey oder Cultus Ferox gaben alles, um den Besuchern ein wunderbares langes Wochenende zu bescheren. Der Fredenbaumpark erstrahlte in sommerlichen Farben und das MPS hinterließ einen bleibenden Eindruck der diesjährigen Festival-Saison.