Lange Zeit war es still um die alternative Kultband Mila Mar geworden. 2015 gab es dann eine Neugründung, die die Musikwelt beinahe nicht mitbekommen hat, bis die Band im gleichen Jahr beim Wave Gotik Treffen auftauchte. Auch im vergangenen Jahr begeisterten sie als Opener beim Feuertal Festival 2017. Dort gefielen sie den eingefleischten Fans mit ihrer sanften, verträumten Musik und fanden sicher auch einige neue Anhänger. Auch die 2002 bereits ausgetretene Katrin Beischer war wieder mit dabei. 2018 war es dann so weit. Die Auferstehung wurde mit neuem Songmaterial beendet und Mila Mar findet sich nun mit ihrer neuen EP Haime wieder zurück am Musikhorizont. Die EP erschien bereits am 04.05.2018 und lässt einen verträumt und in die Zukunft blickend zurück. 

Die EP beginnt mit einem mehrstimmigem Intro von “Fliedermoos”, das einer Beschwörung gleicht. Geradezu bedrohlich, wenn auch geheimnisvoll mutet die Musik an, die mit leisen Streichern und eingängiger Percussion aufwartet. Hat man bei dem Titel vielleicht einen locker, leichten Frühlingssong erwartet, wird man von dem schweren, langsamen Lied überrascht. Der Gesang steigert sich kraftvoll und das anfängliche Gefühle einer Beschwörung kehrt zwischenzeitlich zurück. Gesanglich und musikalisch mutet der Track etwas orientalisch an. Ganz ähnlich beginnt “Rose” dann mit seichtem, glockenklaren Gesang und langsamen Percussions. Auch hier fühlt man sich gleich an den Orient erinnert und es ist als könne man die Karawane vor dem inneren Auge bereits vorbei ziehen sehen. Musikalisch wird der Song durch Flöten ergänzt, bleibt allerdings düster und beschwörend. Obwohl sowohl Gesang als auch Musik eher ruhig und zurückhaltend sind, bleibt der Song entspannend und mystisch im Ohr hängen.
Mit “Asche” folgt ein Titel, der in eine andere Welt zu gehören scheint. Das Intro wirkt seicht und melancholisch und auch als Ankes Gesang einsetzt, wird man das Gefühl der Trauer nicht los. Mila Mar zeichnet eine Welt der Traurigkeit, in der alles in Asche liegt und kaum noch Hoffnung herrscht. Tatsächlich ist der Titel ein Andenken an Ankes Bruder und zeigt, wie viel Gefühl man in einen Song stecken kann, ohne viele Worte zu verwenden. Der Titeltrack “Haime” beginnt mit seichten Streichern und einer bedacht gespielten Trommel, vermutlich eine afrikanische Djembe. Man braucht die gesungenen Worte nicht zu verstehen, um zu merken, dass eine alte Sage erzählt werden soll. Stimmlich ist der Song so kräftig ausgearbeitet, dass man gebannt an jeder Zeile hängt. Der Song erzählt von Geheimnissen alter Zeit und bleibt dabei selbst geheimnisvoll.
Der letzte Track “Neptune” besticht zu Beginn mit schnellen, eingängigen Klaviertönen, während die Trommel aus “Haime” weiter ihre Dienste tun darf. Ankes Gesang befindet sich dieses Mal in ungeahnten Tiefen, aber auch das ist nicht gerade verwunderlich, schließlich umfasst ihr Gesangsspektrum ganze vier Oktaven. Zum Ende hin gibt es einen Bruch im Song und es wirkt, als würde ein nächster Track gespielt. Mit einem kleinen Klaviersolo verabschiedet sich das Lied und damit auch die neue EP.

Fazit: Mila Mar zeigt, dass sie in all den Jahren nichts von ihrem Charme verloren haben. Natürlich muss man die melancholisch, psychedelischen Töne der Band mögen, um das Album zu lieben. Teilweise würden sich die Sounds aber auch gut als Soundtracks zu Serien wie Vikings und Co. sehr gut machen, denn die Lieder erzählen von weit entfernten Zeiten, Ländern und Völkern. Musikalisch werden dabei verschiedene Einflüsse kombiniert. Zum Teil hört man Irish Folk heraus, dann wiederum klingt ein Song wieder wie dem Orient entnommen. Die Songs regen zum Träumen an, haben aber durchweg auch eine entspannende Wirkung. Fans der Band werden sich diese EP ohnehin längst besorgt haben, aber auch für neugierige Hörer und weltoffene Menschen lohnt es sich, in Haime hineinzuhören und sich auf die experimentelle Musik einzulassen.