Impressionen-32Der zweite Tag des M’era Luna Festivals begann so wie der erste geendet hatte. Massen an Menschen strömten ab 10.00 Uhr in Richtung der beiden Bühnen und das obwohl einige Besucher bis zum Morgengrauen gefeiert hatten. Auf der Campsite war ab 6.00 Uhr ohnehin nicht mehr an Schlaf zu denken, weil ein paar Idioten meinten, sie müssten die Nachbarschaft mit Megafon und Rumgebrülle wecken. Als sie allerdings keine Reaktion bekamen, zogen sie weiter und man konnte sich im Schlafsack nochmal rumdrehen. Die Sonne kam an diesem Morgen auch etwas später raus, aber sie weckte dann die letzten müden Knochen. Noch während die ersten Bands Essence of Mind, Me the Tiger und Aeverium die beiden Bühnen in Beschlag nahmen, waren die Schlangen vor den sanitären Anlagen scheinbar endlos lang. Vor dem Feiern nochmal kurz auf ein sauberes Klo zu gehen, war nur möglich, wenn man nicht in Eile war. Trotzdem schienen fast alle Besucher bereits in der Früh bester Laune zu sein.

Der Himmel klarte vollends auf und in der nahenden Mittagshitze drängten viele in den Hangar zur zweiten Bühne, sodass bei Rabia Sorda schon kaum ein Schattenplatz mehr verfügbar war. Möglicherweise hätte die Truppe um Hocico-Frontmann Erk Aicrag besser erst später gespielt, wenn man den Massen zuschaute, die einen Blick erhaschen wollten. Ebenso wurde es auch vor der Mainstage wieder voll, als die Letzte Instanz die Bretter betrat und neben alten Klassikern auch neue Songs ihres brandneuen Albums “Liebe im Krieg” zum Besten gaben. Im Anschluss wurde das erste Super-Highlight des Tages erwartet und das merkte man deutlich an den Menschen, die von allen Seiten zur Mainstage kamen, um einen Platz zum Tanzen zu ergattern. Combichrist drehten trotz brennender Sonne so richtig auf und überzeugten mit einem abwechslungsreichen Set auf ganzer Linie, während es auch im Hangar mit Centhron und Beborn Beton zu elektronischen Beats ordentlich was zum Tanzen und Feiern gab.

Während des Schlenderns über die Händlermeile oder den Mittelaltermarkt, auf dem sogar geheiratet werden konnte, konnte man die Stimmung, die bei Faun aufkam nur erahnen. Das Line-Up mutete zunächst etwas merkwürdig an, da Faun zwischen Combichrist und dem Lord of the Lost Ensemble irgendwie fehl am Platze wirkte, aber dennoch wollten erstaunlich viele Besucher die Gruppe aus Gräfelfing sehen und genießen. Zum Entspannen war aber sowohl die mittelalterliche phantastische Musik gut als auch die besinnlichen Klänge des Lord of the Lost Ensembles, das darauf folgte. War das Orchester um Chris Harms auf dem Castle Rock Festival (-> wir berichteten) eher der gemütliche Abschluss des Abends gewesen, bot das Ensemble an diesem Tag eine wohlverdiente Pause. Musikalisch machte die Truppe auf jeden Fall ordentlich Eindruck.Impressionen-93

Im Hangar blieb es derweil mit S.P.O.C.K und Zeromancer weiterhin elektronisch, aber wer dort auf Kühle gehofft hatte, fand dort eher Enge und etwas drückende Luft. Da half es eher, sich einen schattigen Platz auf dem Infield zu suchen, sich ein wenig vom Wind durchpusten zu lassen und sich die Shows auf der großen Leinwand anzuschauen.
In der prallen Sonne war es zwar heiß, aber sobald sich eine Wolke davor schob, wurde es schlagartig kühl. Gut, dass Alex von Eisbrecher es schaffte, die Wolken fortzuschicken. Er spickte seine knallharte Show mit einer gesunden Portion Humor und sorgte für eine tolle Abwechslung. Ähnlich viele Menschen blieben nach einer viel zu kurzen Eisbrecher-Stunde dann vor der Bühne, um sich In Extremo anzuschauen, die nicht nur mit ihrer Feuershow einheizten. Die Massen vor und in dem Hangar glichen denen am Vorabend, denn auch dieser Tag war restlos ausverkauft. Im Hangar gaben sich Suicide Commando die Ehre, während draußen langsam die Sonne unterging und das Ende des Festivals eingeläutet wurde. Die Headliner am Sonntag lockten auf jeden Fall mehr Besucher an, als es am Samstag Sisters of Mercy geschafft hatten, aber das ist besonders bei IAMX wohl kein Wunder. Within Temptation waren in den letzten Jahren zwar schon des Öfteren auf dem M’era Luna zu Gast und lieferten jedes Mal eine stilsichere Show ab, aber einen Höhepunkt gab es dann dieses Jahr doch noch. Als Tarja die Bühne betrat, um ein Duett zu singen, gab es bei eingefleischten Fans kein Halten mehr. Viel zu früh ging das Festival dann aber auch schon wieder zu Ende. Zum Glück war die Campsite noch bis Montag in der Fühe geöffnet, sodass zum Abschluss auf der großen Kreuzung dutzende Menschen zum gemeinsamen Trommeln zusammen kamen.

Fazit: Das diesjährige M’era Luna Festival hatte seine Höhen und Tiefen. Das musikalische Angebot hat wieder überzeugt, obwohl es im Vorfeld Meckerei wegen des “immer gleichen” Line-Ups gegeben hatte. Die Besucherzahlen sprechen für sich. Auch die Händler, der Markt und das Essensangebot bleibt ungeschlagen, aber ein paar Abzüge muss man machen, da auf der Campsite einiges wohl im Argen lag. Zwischenzeitlich fiel beispielsweise die Wasserversorgung aus, sodass man auf den Klos nicht spülen oder sich die Hände nicht waschen konnte. Besonders ärgerlich ist so ein Ausfall natürlich, wenn man gerade in der Dusche steht, sich eingeseift hat und dann kein Wasser mehr kommt. Das war ein Abenteuer! Dafür muss man aber ein Lob aussprechen, denn in den Duschen war immer – zu jeder Tag- und Nachtzeit – warmes Wasser Impressionen-102vorhanden.
Der Minimarkt hat leider in diesem Jahr auch nachgelassen. Im Vergleich zum letzten Jahr hat das Angebot stark abgenommen und zwei Thekenkräfte einzusetzen statt des Kassensystems hat zu langen Schlangen geführt. Besonders ärgerlich war für viele Camper aber, dass es keine Pfandrückgabe mehr gab. Der Minimarkt hat nur die Produkte angenommen, die sie auch selbst verkauften – was nicht wirklich viel war – und alle anderen Pfandflaschen oder – Dosen mussten leer wieder mitgenommen oder weggeschmissen werden. Und das ist ja nun wirklich nicht der Sinn von Pfand. Schade war, dass morgens keine Menschen mit Kaffee mehr über den Platz gelaufen sind, aber das wäre dann nun Meckern auf hohem Niveau.
Insgesamt war das Festival allerdings ein schönes, gelungenes Wochenende, das seine Ecken und Kanten hatte. Wir sind schon sehr auf das nächste Jahr gespannt und freuen uns wahnsinnig. Merkt euch den 12. und 13. August 2017 am Besten schon mal vor!