Wenn Megaherz in eine Stadt kommen, kann man einen totalen Abriss erwarten. So ist es auch auf der Komet-Tour passiert, als die Band mit ihrem gleichnamigen neuen Album in die beliebte Ruhrpott-Stadt Oberhausen kam. Die Halle 2 der Turbinenhalle Oberhausen öffnete am 23.03.2018 pünktlich ihre Tore, um die bereits wartenden Fans einzulassen. Der Aufstieg zur Halle war durch Flatterbänder markiert, sodass die Menschen gesittet in die Halle geleitet wurden. Dort verlief sich die Masse etwas, als die Fans Richtung Merchandise, Bonstand und Bühne liefen. Bereits weit vor Beginn des Konzerts waren die ersten Reihen dicht bevölkert, obwohl der Parkplatz draußen wahrlich leer erschien. Vermutlich waren die Meisten mit Bus und Bahn angereist oder hatten anderswo einen Parkplatz ergattert.

Pünktlich um 20.00 Uhr betraten die heiß ersehnten Musiker von Schattenmann die Bühne. Die Newcomer und ihre Instrumente waren mit fluoreszierender Farbe bemalt, sodass sie abwechselnd angestrahlt und in den Fokus genommen werden konnten. Einige Fans im Publikum hatten sich diesem Auftreten angepasst. Dadurch stachen die Schattenmann-Fans deutlich hervor und bewiesen, dass diese durchaus zahlreich vertreten waren. Besonders die erste Reihe bezeugte ihre Fangemeinschaft und so verwundert es wenig, dass bereits die ersten Klänge von “Schattenmann” ordentlich bejubelt wurden.
Schattenmann-7Die junge Band, die erst Anfang März ihr Debut-Album “Licht an” veröffentlicht haben, brachte einen Kracher nach dem anderen und hätte wohl auch nch ewig so weiter machen können. Ihre Fans zeigten sich Textsicher und höchst erfreut bei Songs wie “Brennendes Eis” oder “Krieger des Lichts”. Bei letzterem trugen die Musiker Vendetta-Masken, die wieder in dem fluoreszierenden Licht erstrahlten. Im Anschluss bedankte sich die Band respektvoll bei Megaherz für die gemeinsame Tour. Sänger Frank redete im Zuge dessen auch über den Shitstorm, den es zu dem Musikvideo zu “Generation Sex” gegeben hat. Dass sich die Band davon aber nicht unterkriegen lässt, wurde dann auch gleich mit der Darbietung des Songs bewiesen und der Frage, ob Oberhausen denn wohl ein wenig Sex haben wolle – auch wenn Frank dies natürlich etwas vulgärer ausdrückte. Während des Tracks gab es dann passend dazu auch eine obszönere Performance, die aber auch etwas humoristisch wirkte. Man muss sich ja auch nicht gleich immer so ernst nehmen.
Die Halle war bis dato bereits bis hinten hin eng gefüllt und viele der Anwesenden nickten, klatschten oder wippten im Takt. Der obere Rang der Halle blieb zwar geschlossen, aber dennoch konnten sich beide Bands am Abend darüber freuen, in einer gut gefüllten Halle zu spielen. Zum Ende des Liedes “Amok” schwang Frank eindrucksvoll noch eine laufende Kettensäge und verlieh dem Song einen bedrohlichen Anstrich. Auch die Säge war fluoreszierend bemalt, sodass dieser Farbfleck noch das einzige war, das auf der Netzhaut zurückblieb, als das Licht plötzlich ausging. Nur die fluoreszierende Farbe leuchtete unheilvoll, als die ersten Klänge von “Licht an” ertönten und das Licht später passend zum Song an und aus ging. Ohne große Worte ging Schattenmann daraufhin von der Bühne, ließ es sich aber nicht nehmen, den lauten “Zugabe”-Rufen zu folgen und einen Nachschlag zu liefern. Nach “Trümmer und Staub” hieß es dann aber endgültig, Abschied nehmen. Dieser wurde mit einem Abschlussfoto zelebriert, das später auch bei Facebook zu sehen war.

Nach einer endlos scheinenden Umbaupause, begannen Megaherz etwas verspätet mit ihrer eigenen Show. Das neue Album “Komet” beginnt mit dem Track “Vorhang auf”. Was hätte also besser gepasst, als auch das Konzert der Tour genau mit diesem Song zu beginnen? Nachdem die Turbinenhalle Oberhausen damit auf der Sternenreise willkommen geheißen worden waren, gab es in der Halle kein Halten mehr. Um so überraschender war es allerdings, dass gleich der zweite Song die Reise zu den Kometen unterbrach und der Klassiker “Jordan” gespielt wurde. Zum Anheizen des Publikums war dies allerdings wohl eine gute Entscheidung, denn so wurden sowohl alte als auch neue Fans abgeholt und regelrecht in Ekstase versetzt. Dies zeigte sich auch im Verlaufe des Abends, als der Ruhrpott erneut willkommen geheißen wurde. Dieses mal allerdings im “Zombieland”.
Auch wenn die Setliste eine Mischung aus alten und neuen Song parat hielt, hatte sich die Band in einheitliche Overalls geschmissen, die den Raumfahrt-Charakter des neuen Albums unterstrichen. Nur die Megaherz-typische Gesichtsbemalung war weiterhin Trend auf der Bühne, als Songs wie “Komet” oder “5. März” gespielt wurden. Nach “Horrorclown” wendete sich Sänger Alexander an die Menge und bedankte sich für Platz 7 der deutschen Albumcharts. Die Band badete daraufhin mit wohlwollendem Applaus, der in manchen Ecken der Halle etwas frenetischer ausfiel. Auch die Leute, die bei Schattenmann noch still gestanden und gelauscht hatten, begannen nun zur Musik zu wippen oder zu tanzen. Wie schon auf der Zombieland-Tour wirkten die neuen Songs live um einiges härter, obwohl beispielsweise der poppige Unterton bei “Komet” unverkennbar geblieben ist. 
LED-Wände untermalten jeden Song mit einer passenden Lichtshow, sodass die Musiker auch von hinten zwischenzeitlich in verzerrtem Licht standen. Nach “Tiefenrausch” erzählte Alexander vom Songwriting und kündigte das emotionalste Stück des neuen Albums an. “Von Oben” rührte Megaherz-21dann auch tatsächlich viele im Publikum und vielleicht sogar auf der Bühne zu Tränen. Die Emotionen waren jedenfalls sowohl in Mimik als auch Gestik der Musiker nahezu greifbar. Um dann der Melancholie aber nicht zu verfallen, ging man nahtlos in den nächsten Song über. Tatsächlich hatte man zwischendurch immer mal wieder den Eindruck, dass die Songs gut zueinander passten, auch wenn sie aus unterschiedlichen Schaffensperioden stammten. Zwischen “Glorreiche Zeiten” und “Scherben bringen Glück” lag eine Ansage, die besagte, man müsse immer wieder aufstehen, wenn es mal nicht so gut liefe. Auch die Ansage gegen Rassismus fügte sich gut zwischen “Gott sein” und “Nicht in meinem Namen” ein.
Nach “Nicht genug” sollte Oberhausen schließlich ‘seine Liebe zeigen’, wonach sich das “Miststück anschloss. Bei dem uralten Klassiker rastete die Menge schließlich aus und es ist kaum verwunderlich, dass dann erst ein paar Augenblicke vergehen mussten, bis die Menge begriffen hatte, dass sich Megaherz soeben verabschiedet hatte. Nach und nach nahmen die “Zugabe”-Rufe aber zu und die Band kehrte für gleich 4 Tracks zurück. Man begann mit “Jagdzeit”, gab mit “Für immer” einen harten Kontrast und mit “Heldengrab” und “Himmelsstürmer” nochmal Songs zum nachdenken und tanzen. Der letzte Song kam beim Publikum allerdings sichtlich besser an als der neue Track “Heldengrab”, obwohl dieser einen sehr tanzbaren Beat zu bieten hat und auch textlich sehr zum nachdenken anregt. Schließlich verabschiedete sich die Band und stellte zu guter Letzt den neuen Drummer vor, der bis lang eine sehr gute Figur gemacht hatte.

Fazit: Der Konzertabend war gespickt mit Höhepunkten. Schattenmann konnten auf voller Linie überzeugen, was sowohl auf ihre durchdachte Show als auch auf ihr unheimliches musikalisches Potenzial zurückzuführen ist. Die vier Musiker konnten auf der Tour mit Megaherz die Luft der etwas größeren Bühnen schnuppern und konnten zeigen, dass sie genau dorthin gehören.
Megaherz selbst zeigten sich wie gewohnt rockig, aber wieder härter als auf Platte. Auch die Songs vom Vorgängeralbum wirkten nochmals eine Spur härter als auf der damaligen Tour, das mag aber auch Einbildung gewesen sein. Die Band hat live jedenfalls nichts von dem Pop-Image, das man ihnen beim Hören ihrer beiden letzten Album andichten könnte. Es ist lediglich Zeit, abzuheben und sich auf die Reise zum Kometen zu machen und dann bestreitet man schonmal andere Wege, um ans Ziel zu kommen.