Zusammen mit den Kriegern machten sich die Wanderer im Frühjahr 2019 auf, Europa im Sturm zu erobern. Unterstützt wurden Korpiklaani und Turisas aus Finnland dabei von norwegischen Trollen. Am 9.3. wurde der Abend im Z7 in Pratteln durch TrollfesT eröffnet. Wer bei den norwegischen Trollen aber Mystik und sphärische Klänge erwartete, wurde bitter enttäuscht. Im norwegischen Pendant zum Duden findet man unter dem Stichwort „durchgeknallte Quatschköpfe“ bestimmt ein Bild von TrollfesT.
Dass die Truppe nicht ganz bei Sinnen sein kann, ließ schon die mit zahlreichen Luftballons geschmückte Bühne vermuten. Spätestens aber, als statt der erwarteten knorrigen Gestalten Disney-Elfen und -Feen in pinken und lilafarbenen Glitzerkleidchen und mit leuchtenden Krönchen im Wallehaar die Bühne stürmten, war die Stimmung am überkochen. Doch TrollfesT verstehen sich nicht nur auf schrillbunte Kindergeburtstage im Bierrausch, sondern beherrschen auch ihr musikalisches Handwerk. Mit viel Spaß, großartigem Sound und dem Gesang vom Fronttroll Trollmannen heizten sie der Menge so richtig ein.

Nach einer kurzen Umbauphase eroberten dann die nach dem finnischen Kriegsgott Turisas benannten Viking Metaller die Bühne. Mit ihrer schwarz-roten Kriegsbemalung, die an das Blut und den Dreck ihrer zahlreich geschlagenen Schlachten und bezwungenen Feinde erinnern, sind Turisas zum Fürchten. Doch der grausige Anblick war mit den ersten Tönen schnell vergessen. Mit kraftvollen Drums, harten Riffs und energischem Geigenspiel zeigten die Finnen den Schweizern, was wahrer Battle Metal ist. Begeistert ließ sich die Menge von den Kriegern anstecken und in die musikalische Schlacht führen. Die Mischung aus Viking Metal, Humppa und Folk Metal brachte die Stimmung zum Kochen, die Halle zum Beben und die Menge zum Abfeiern. Gefangene wurden an dem Abend definitiv keine gemacht.
Manch einer war so begeistert vom Auftritt der Band aus Hämeenlinna, dass ihm/ihr der Wechsel an der Geige gar nicht auffiel. Da Stammgeiger Olli Vänskä aus familiären Gründen auf die Tour verzichten musste, wurde er von Caitlin De Ville souverän vertreten. Auch am Keyboard gab es einen Besetzungswechsel. Tour-Keyboarder Kasper Mårtenson war selber schon unterwegs und wurde daher vom ehemaligen (2011-2014) Bandmitglied Robert Engstrand ersetzt.

Nach dem großartigen Auftritt von Turisas gab es während der Umbauphase eine kurze Verschnaufpause. Manch einer nutzte diese Zeit, um den Biervorrat wieder aufzufüllen oder die vor der Halle angebotenen Snacks zu futtern. Dann war es aber Zeit für den zweiten Headliner des Abends. Korpiklaani wurden von den Fans schon sehnsüchtig erwartet. Als die Finnen dann endlich die Bühne betraten, kannten die Metalheads kein Halten mehr.Turisas_2019.03.09_VitaNigra-2
Von den ersten Tönen an hatten Korpiklaani die Menge fest im Griff. Obwohl die meisten Texte auf Finnisch waren, wurde kräftig mitgerockt und „mitgesungen“. Sänger Jonne hatte sichtlich Spaß ob der feierwütigen Meute und stand praktisch mit einem Dauergrinsen auf der Bühne. Doch auch dem Rest der Band merkte man die Spielfreude und Feierlaune an. Die Setliste umfasste ältere sowie neuere Stücke und so dürfte jeder auf seine Kosten gekommen sein. Schließlich teilte Jonne die Menge in zwei Hälften auf und forderte von den Fans eine Wall of… nein, keine Wall of Death. Er wollte eine Wall of Love. Beide Seiten sollten aufeinander zu rennen und sich liebevoll umarmen. Natürlich machte das Publikum begeistert mit.
Die Finnen hatten auch einige ihrer Balladen im Gepäck und gaben der Menge damit immer mal wieder Zeit, durchzuatmen und neue Energie für die nächste Temporunde zu schöpfen.

Dann war es leider schon Zeit, Abschied zu nehmen. Korpiklaani verließen nach „Wooden Pints“ die Bühne. Doch so einfach ließ das Z7 die Finnen nicht davonkommen. Lautstark wurden Zugaben gefordert und so kehrten Korpiklaani nochmals zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Bei den Zugaben wurden sie von TrollfesT unterstützt. Die Norweger feierten zu „Beer, Beer“, „Vodka“ und „Happy little boozer“ eine wilde Party. Für die zweite und dritte Zugabe verirrten sich dann auch noch Mitglieder von Turisas auf die Bühne. Obwohl – oder gerade weil? – es dadurch sehr eng wurde, gaben alle nochmals so richtig Vollgas und brachten das Publikum nochmals so richtig zum Abrocken.

Es war ein großartiger Abend mit viel Gelächter, dank den „hübsch“ geschminkten Ladies von TrollfesT; mit viel Power, dank den Warlords von Turisas; mit viel Party, dank den Waldmännern von Korpiklaani.
Einziger Wermutstropfen waren zwei Feierwütige, die definitiv über den Durst getrunken und deshalb aus der Menge gerettet sowie von Sanitäter versorgt werden mussten. Doch Security und Rettungspersonal händelten die kritischen Situationen souverän und verhinderten für die beiden jungen Männer Schlimmeres.