VoA_2019.03.18_VitaNigra-10Aufmerksamen Besuchern von Vita Nigra wird aufgefallen sein, dass Vorbericht und Konzertbilder von Kamelot nicht so ganz zusammenpassen. Leider wurde das Konzert im Komplex in Zürich aus produktionstechnischen Gründen abgesagt. Doch für die Leser scheut Vita Nigra keine Mühe und so fuhren wir kurzerhand nach Nürnberg, um über die Show im Hirsch zu berichten.

Was die Schlange am Eingang schon Stunden vor Konzertbeginn vermuten ließ, sollte sich bewahrheiten. Schon beim Opener Visions of Atlantis war die Stimmung in der Halle grandios. Textsicher sangen die Fans mit Clémentine Delauney und Michele Guaitoli mit und feierten die Symphonic Metal Band frenetisch. Der Sängerwechsel scheint der Band gut getan zu haben. Wo das Publikum früher eher etwas zurückhaltender war, so wurden sie nun durch Micheles südländische Temperament förmlich mitgerissen. Diese Energie sprang zwischen Band und Publikum und zwischen den einzelnen Bandmitgliedern hin und her. Dabei ging die Visions of Atlantis ureigene Eleganz, verkörpert von der grandiosen Clémentine, nicht verloren, sondern gewann noch an Intensität. Gänsehaut pur!

Nach einer kurzen Umbaupause ging es dann mit Evergrey aus Schweden weiter. Das Motto der Nordländer lässt sich vermutlich mit einem Wort umschreiben: Musik. Ohne große Show oder ausgefeilten visuellen Effekten taten die Schweden, wozu sie hergekommen waren: Das Publikum mit ihrem einzigartigen Sound zu verzaubern. Vom ersten Saitenklang an bis zum Erklingen des Schlussakkords war das Publikum gebannt vom Klangteppich, in das sie von Evergrey eingewoben wurden. Da störte es dann auch kaum mehr, dass man die Musiker teilweise dank des exzessiven Einsatzes von Strobo, Gegenlicht und Nebel kaum mehr sehen konnte. Die Fans kamen dennoch voll auf ihre Kosten.

Kaum hatte man richtig durchschnaufen können, wurde es Zeit für den Headliner des Abends. Dieser Bezeichnung machte Kamelot dann auch wieder alle Ehre. Evergrey_2019.03.18_VitaNigra-9Mit viel Druck und schier grenzenloser Energie rissen die Amerikaner das Publikum förmlich in ihren Bann. Dass Kamelot sich auf visuelles Storytelling ebenso verstehen wie auf großartige Musik, ist hinlänglich bekannt. Dabei lassen sich die Amerikaner auch nicht von einer kleinen Bühne oder einem vollgestopften Klub verunsichern. Sänger Tommy Karevik zeigte einmal mehr, dass er Kamelots Texte mit vollem Körpereinsatz lebt. Seine großartige Gestik gewann im Zusammenspiel mit Gastsänger Lauren Hart nochmals an Dramatik. Eine weiteren Gänsehautmoment bescherten Oliver Palotai und Alex Landenburg den Fans. Was als freundschaftliches Zusammenspiel von Keyboard und Drums begann, steigerte sich bald zu einem wilden Duell und trieb nicht nur die beiden Musiker zu Höchstleistungen an. Kurz vor Ende des Konzerts begeisterte Clémentine von Visions of Atlantis das Publikum nochmals mit einem Gastauftritt bei “Sacrimony”. Bald jedoch verklangen die letzten Töne des Abends.

Es war brechend voll im Hirsch, heißer als nur einfach heiß und die Stimmung großartig. Auch wenn das Set von Visions of Atlantis gefühlt zu kurz war; auch wenn man Evergrey im Gegenlicht kaum gesehen hatte; auch wenn Kamelot die Zugaben gleich auf die reguläre Setlist genommen hatten: Die Reise nach Nürnberg hatte sich definitiv gelohnt.