Bastian Brenner, Leadsänger und erster Dudelsack von Fuchsteufelwild ist uns neulich Rede und Antwort gestanden. Sehr offen sprach er mit Vita Nigra über personelle Veränderungen, musikalische Entwicklungen, neue Alben, eine mögliche Tour und natürlich auch über Corona.

Fuchsteufelswild by Jessi Fuchs

Vita Nigra: Erstmal vielen Dank für deine Zeit und das Interview. Wie geht es dir?
Basti: Wir leben in interessanten Zeiten. Ich hatte mein 2020 definitiv anders geplant. Aber neben den Problemen, die die meisten Musiker derzeit mehr oder weniger intensiv erleben, geht es mir überraschend gut.

VN: Die vergangenen Monate waren recht turbulent bei euch. Fangen wir mit Done an: Euer Schlagzeuger hat euch per Ende November ja recht plötzlich – plötzlich zumindest aus Außensicht – verlassen. Wie war das für euch?
Basti: Das war auch aus der Innensicht recht plötzlich. Allerdings war es konsequent. Man hat in Gruppen immer wieder den Punkt, dass die Ansichten unterschiedlich sind. Dann sollte sich immer die Frage stellen, ob man einen Kompromiss schließen kann und vor allem, ob man es möchte. Wenn die Antwort bei zweiterem nein ist, ist es nur konsequent, dass man geht. Für uns war es natürlich erstmal ein Schock, aber den haben wir gar nicht richtig wahrgenommen. Wir standen ja kurz vor einem Akustik-Gig und mussten dann erstmal reagieren. Und als wir nach Satzvey zurück in Regensburg waren, kam uns das ganz so vor, als wäre es schon Monate her.

VN: Für euer Weihnachtskonzert habt ihr Jonas als Aushilfe gewinnen können. Wie kam es dazu?
Basti: Jonas und wir waren vor längerem mal Proberaumnachbarn und daher gab es da Kontakt. Jonas war zu der Zeit mehrmals die Woche zum üben da und wir schrieben damals gerade die Songs für die Weltenmeer. Und wenn er Pause macht, schaute er öfters auf ‘nen Kaffee zu uns rüber. Wir wussten also, auf welchem Niveau und mit welchem Tempo er sich Songs erarbeiten kann. Wir brauchten ja jemanden, der sich sehr schnell das Programm draufschaffen konnte und das ohne Proben mit der gesamten Besetzung. Bei den Akustik-Gigs haben wir ja immer eine große Anzahl an Gastmusikern, die tatsächlich erst zum Auftritt aufeinandertreffen. Da muss die Band sicher sein und das Schlagzeug als Fundament ist hier ganz besonders gefragt. Ich glaube, dass Jonas diese Herausforderung gereizt hat.

VN: Einen Tag vor Heilig Abend habt ihr Jonas als neues Stamm-Mitglied an den Drums bekannt gegeben. Was macht Jonas aus, warum passt er zu euch?
Basti: Das eine ist natürlich das Menschliche: Es harmoniert einfach. Zum anderen ist er auch ein hervorragender Musiker, der einen Hammer-Job an den Drums macht. Auch in allen anderen Bereichen ist sein Einfluss wertvoll. Er ist zwar aufgrund seines Studiums und seiner eigenen Band Alqemiste zeitlich eingespannt, aber wir sind froh, dass er sich die Zeit für uns nimmt.

VN: Am Tag vor dem Todestag der Geschwister Scholl habt ihr das Video zu «Weiße Rose» veröffentlicht. Ein Thema, welches euch, wie es scheint, sehr am Herzen liegt?
Basti: Für mich hat Kunst einen gesellschaftskritischen Auftrag, auch in der Rockmusik. Das muss nicht mit jedem Song passieren, aber zu den großen Themen unserer Zeit haben wir unsere Meinung und die fliest auch in unsere Songs ein. Beim Thema Rassismus und rechte Gewalt wollten wir sehr deutlich Stellung beziehen und die Weiße Rose ist als bürgerliche Widerstandsbewegung für uns ein wichtiges Vorbild. Wir sehen den Keim dieses bürgerlichen Widerstands auch heute noch und wollen mit den Songs allen Mut machen klar Stellung zu beziehen. Der Single- und Videorelease war überschattet von dem rechten Terroranschlag in Hanau 3 Tage zuvor. Wenn wir alle früher die Grenzen aufgezeigt hätten und uns klar gegen rechte Populisten gestellt hätten, wären Gräueltaten wie Hanau vielleicht zu verhindern gewesen. Zumindest würden wir solchen Taten einen Großteil des Nährbodens entziehen. Daher sind uns diese Themen und dieser Song so wichtig.

VN: Im April kam für euch die nächste Hiobsbotschaft. Vier Jahre nach ihrem ersten Ausstieg verkündete Simone, dass sie die Band verlassen werde. Was hat das in euch ausgelöst?
Basti: Das kam aus der Innenansicht tatsächlich nicht ganz so überraschend, was es aber nicht weniger dramatisch macht. Simone hat es in ihrem Statement deutlich gesagt, dass die Entwicklung der Band und die persönliche Entwicklung manchmal in unterschiedliche Richtungen gehen. Fuchsteufelswild ist dem Image der verträumten Folk-Band längst entwachsen und unser Ziel ist ein freches und genreübergreifendes Folkrockprojekt. Die Märchenthematiken, die ja das Konzept unseres ersten Albums „Weltenmeer“ bildeten, wurden deutlich weniger. Wenn man weiß, dass die Weltenmeer als thematisches Konzeptalbum geplant und geschrieben war, überrascht das nicht. Simone hat jedoch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie gerne im Konzept der Weltenmeer geblieben wäre. Hier gab es etliche Gespräche in den letzten 1,5 Jahren. Aber bei dieser Entscheidung gibt es keinen Kompromiss. Der Weg, den die Band gehen wollte und aktuell geht stand fest. Wenn dann noch private Faktoren wie Gesundheit und Ausbildung dazu kommen, muss man eine Entscheidung treffen und das hat Simone getan. Wir fanden das zwar schade, aber die Entscheidung ist nachvollziehbar und daher kommen wir gut mit zurecht. Es ist traurig, dass durch Corona Simones Abschiedskonzert ausgefallen ist. Es wäre schön gewesen, wenn der Abschied auch auf der Bühne zelebriert hätte werden können.

VN: Wie geht es mit FTW besetzungsmäßig weiter? Bleibt ihr eine reine Männertruppe, gibt’s wieder eine weibliche Stimme oder setzt ihr gar auf eine zweite Herrenstimme?
Basti: Das wissen wir noch nicht. Aktuell experimentieren wir mit unterschiedlichen Optionen. Sollte es in diesem Jahr noch zu Livekonzerten kommen, haben wir mit Gastsängerinnen gesprochen, die uns dann unterstützen werden. Bei einigen Songs setzen wir auch auf mehr Männerstimmen. Die instrumentalen Linien haben wir auf andere Instrumente verteilt. Wie wir im nächsten Jahr und beim nächsten Album weitermachen, haben wir aber noch nicht entschieden. Wir lassen das grade recht locker auf uns zukommen. Vielleicht läuft uns die richtige Person ja über den Weg.

VN: Über allem stand dann auch noch die Corona-Zeit mit dem kompletten Lockdown. Welche Auswirkungen hatte dies auf euch?
Basti: Auch wenn uns die Probenverbote für Laienmusikgruppen in Bayern rechtlich nicht betroffen haben, haben wir trotzdem auch hier erstmal alles eingestellt. Die meisten von uns haben jemanden, der zur Risikogruppe zählt in der Familie oder im näheren Umfeld. Da wollten wir nicht russisch Roulette spielen. Aktuell sind alle Auftritte dieses Jahr bis auf einen abgesagt. Wir sind alle mit Leib und Seele Bühnenmusiker und wir brauchen die Livesituation. Emotional ist das also alles andere als geil. Für uns alle sind die Festivals und Konzerte wichtige Punkte, um Energie zu tanken. Hinzu kommt noch der finanzielle Aspekt. Wenn man als Band keine laufenden Kosten hat, trifft es einen vielleicht nicht so hart, aber wenn man Verbindlichkeiten bedienen muss, ist es Hölle. Es wird sicher ein paar Jahre brauchen, bis sich die Musiklandschaft allgemein von den Schäden erholt hat. Wir hoffen, dass wir nicht so lange brauchen.

VN: In der Musik- und Veranstaltungsbranche wird Corona voraussichtlich noch monatelang Thema sein. Was bedeutet das für eure Pläne in der nächsten Zeit?
Basti: Schwer zu sagen. Bisher sind Konzerte der Unterhaltungsmusik nur unter Auflagen zu machen, die für uns einfach nicht erreichbar sind. Wir können z.B. kein Autokino anmieten und auch die Umsetzung eines Streaming Konzerts stellt sich für eine Band unserer Größe als schwierig da, wenn man gewisse Ansprüche an die Qualität stellt. Klar, mit Abstrichen wäre das umsetzbar, aber wir wollen den Fans wenn dann ein richtiges Konzert bieten. Wir werden auf alle Fälle die Augen offen halten und versuchen, uns den Gegebenheiten anzupassen.

VN: Mit König Zeiger habt ihr im Vergleich zu Weltenmeer einen deutlichen Entwicklungssprung hingelegt. Wohin führt euch eure weitere musikalische Richtung und wann darf man ein neues Album erwarten?
Basti: Wir arbeiten grade an einem neuen Album, was im Sommer/Herbst nächsten Jahres erscheinen soll. Wir haben vor, dabei die Melodienvielfalt der Weltenmeer mit der Gitarrenarbeit der König Zeiger zu kombinieren: Also kompromissloser Rock mit Geige und Dudelsack im Fokus. Die Platte soll grundsätzlich auch eine punkige Attitüde bekommen. Auch Anleihen aus dem Deutschrock wird man hören können. Die Textarbeit ist momentan mehr im Fokus als bei den bisherigen Alben. Thematisch bewegen wir uns in verschiedenen Feldern. Mythen aus der Antike sind dabei und bekommen von uns einen aktuellen Bezug verpasst. Die Bibel musste auch für einen Song herhalten. Und natürlich gibt es auch Aktuelles, Alltagsthemen und ein paar Songs, die Stellung beziehen. Wir hoffen, die Platte wird sowohl Folkfans als auch Metalheads ansprechen.

VN: Wie sieht es mit euren längerfristigen Plänen aus, wann sehen wir euch (hoffentlich) wieder auf der Bühne?
Basti: Eventuell kann das Mittelalterfestival zu Feuchtwangen stattfinden. Dann wäre da eine Chance. Auch an einigen Streamingmöglichkeiten sind wir dran. Aber aktuell ist es schwierig da was konkretes zu sagen.

VN: Und wie sieht es mit einer Tour aus?
Basti: Wir überlegen gerade, ob wir das mit dem nächsten Album versuchen…

VN: Zum Abschluss – Was möchtest du euren Fans, insbesondere den zukünftigen, mitteilen?
Basti: Vielen Dank für die große Unterstützung, die ihr uns Musikern und der gesamten Kreativwelt derzeit zukommen lasst. Egal ob bei Crowdfundings, wie von den Kollegen von Feuerschwanz, bei der Rettung von Clubs oder Festivals oder durch Eure Streams und CD Käufe von „kleinen“ Acts. Ohne Euch wäre nach der Krise nichts mehr übrig von unserer bunten Welt außer dem Einheitsbrei der großen Industrie. Macht bitte so weiter und bleibt gesund und vor allem bleibt: FuchsTeufelsWild

VN: Vielen Dank für das Interview und euch alles Gute für die Zukunft.
Basti:  Wir sagen Danke.