moorings_04_by_zouberi-dd76g5tNürnberg glühte im Folk-Fieber und auch die Löwen sahen dabei zu. Im Löwensaal Nürnberg beim Zoo der fränkischen Hauptstadt gaben Fiddler’s Green am Donnerstag, den 16. April 2019, ihr „Heimspiel“. Gemeinsam mit einer aufstrebenden Band auf Frankreich, The Moorings, beehrte man die lokalen Fans im Hexagon des großen Tierparks. Ursprünglich hatte man dieses spezielle Konzert für Freitag, den 26. April geplant gehabt, jedoch konnte es an jenem Tag aus gesundheitlichen Gründen nicht durchgeführt werden. Zum Trost wurde kurzfristig für diesen Ersatztermin gesorgt.
Einlass in den Löwensaal war um 19:00 Uhr; kurz darauf standen Leute in einer überschaubaren Schlange. Da der Termin ja nun auf einen Donnerstag fiel, war der Saal nicht ausverkauft. Auch später gab es noch genug freien Platz zu Stehen, Pogen oder Bierchen trinken.

Pünktlich um 20:00 Uhr fingen The Moorings an zu spielen. Die fünf Herren aus Frankreich durften die Tour begleiten und machten mit starken Songs und Punk-Attitüden den Anfang. Folk-Punk mit Akkordeon und Banjo, das ist genau der aktuelle Überschneidungspunkt mit Fiddler’s Green, das passte einfach zusammen. Das Publikum ging auch sofort mit und blieb dabei – inklusive Gesangschor. Der Tanzaufforderung kam man aber nur sehr zögerlich nach. Beim letzten Song packte Sänger DPhil Jelly all seine Deutschkenntnisse zusammen und brachte diesen mitsamt der Ansage davor in der Landessprache dar. Applaus, Abgang, die perfekte Stimmung für Fiddlers war geschaffen.

Oft riecht es in Konzerthallen auf den Gängen nach Bier oder gar Urin. Im Löwensaal hingegen roch es nach verbranntem Toastbrot. Sehr irisch. Außerdem wurde es langsam ganz schön voll. Auch recht irisch, um noch mehr Klischees zu bedienen. Ein paar Minuten nach 21:00 Uhr begann schließlich das Konzert von Fiddler’s Green. Die hatten es halt nicht so mit deutscher Pünktlichkeit. Ob das jetzt auch irisch anmutete, darüber lässt sich in Fachkreisen oder am besten im Pub debattieren.fiddlers_06_by_zouberi-dd76gtr
2019 feiert die Band ihr 30-jähriges Bestehen. Nichtsdestotrotz geben sich die Franken jünger, punkiger und lebhafter denn je. Erstmal wurden nur die lauten und schnellen Nummern gespielt, wie „Night in Dublin“, „Born to be a rover“ und „No Anthem“, dazu auch mal Mitsingsongs wie „Sláinte“ oder „Raise your arms“. Zum Pogen gab’s außerdem „The night Pat Murphy died“, unterbrochen mit Schabernack. Dazwischen konnte man noch ein Instrumental mit Eimerklopfen schieben, fortgefahren wurde dann aber mit „Together as one“. „John Kanaka“ ohne Tresen und Becherschupfen war irgendwie anders, aber man kann schließlich nicht auf jeder Tour das gleiche machen, sonst wäre eine Band nach drei Jahrzehnten wohl recht langweilig anzusehen. „Winners and boozers“ feierten danach „One fine day“, bis man „Bella ciao“ sagte und Trommler Frank mit Geiger Tobi zum instrumentalem Interludium ansetzten. Nach dem Zwischenspiel war es an der Zeit für die obligatorische Wall of Folk zu „The rocky road to Dublin“, anschließend hagelte es weitere Dauerbrenner der Band wie „Yindy“, „Victor and his demons“, „Old dun cow“ und zuletzt noch „Cheer up“.
Für die Zugabe wurden dann noch Freunde von den Moorings auf die Bühne geholt. Gemeinsam wurden „Leaving of Liverpool“ und „Folk’s not dead“ gespielt. Dazu setzte es noch einen Schuss Konfetti. Für die zweite Zugabe wurde der Fiddlers-Freundeskreis noch erweitert: Man bat einige Fans aus dem Auditorium auf die Bühne und feierte mit ihnen bei „Blarney roses“ noch die letzten Minuten des Konzerts.

Von Löwen war trotz der Nähe zum Tierpark die ganze Zeit nichts zu sehen, trotzdem war es ein entspannter und gelungener Abend im Löwensall Nürnberg. Das schreit förmlich nach einer Wiederholung und eines ist sowieso gewiss: trotz beachtlichen Erfolgen der Band, wird diese ihrer Heimat stets treu bleiben.