Fiddler's Green-26Fiddler’s Green, welche erst voriges Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum begießen durften, sind ein Phänomen ohne Vergleichsgrößen in Deutschland. Welche andere Band könnte denn auch behaupten, nach einem Vierteljahrhundert auf dem Zenit ihres Erfolgs zu sein? So kündigte man an, das Frühjahr 2016 nun mit einer erneuten Akustik-Tour zu beginnen und den Irish Folk-Sound mit Punk-Attitüde der Erlangener wieder im Unplugged-Gewand zu präsentieren. Am Freitag, 29. April, kam die Combo auch wieder nach Bochum ins Ruhrgebiet – nach einer Verlegung aus der Christuskirche fand der Abend im RuhrCongress statt. In gemütlicher Küchenatmosphäre, auf Barhockern sitzend und mit irischem, traditionellem Touch begeisterten Fiddler’s Green ihr eher Speedfolk gewohntes Publikum auf der „Acoustic pub crawl“-Tour mit nicht minderer Power als sonst. Hier betreiben wir die Nachlese des Abends, zu dem sich auch noch zwei Bands im Vorprogramm gesellten.

Als erstes standen Mainfelt aus Südtirol auf der Bühne, die ihre erste EP „Midsummer“ präsentierten. Die vierköpfigen Folker stellten unter Beweis, was handgemachte und von Herzen geschmiedete Musik alles schaffen kann: mal melancholisch wie bei „One Last Time“, mal eher ungestüm wie bei „All My Ghosts“ ging es mit Aufs und Abs durch das Kurzset. Mit Sicherheit gewannen Patti und seine Jungs hier neue Hörer, wirkten aber auf der großen und weiträumigen Stage der RuhrCongresshalle etwas verloren, was sich vor allem dadurch zeigte, dass man stellenweise das Publikumsraunen und Unterhaltungen einige Meter weiter lauter hörte als den Sound von Mainfelt – ärgerlich, denn die Band hat einiges auf dem Kasten. Gerne in passenderer Lokalität wieder auf einen Neuversuch! Die Fotos der Tiroler gibt es in unserer Galerie (-> hier).

Ganaim, Side-Projekt von Versengold-Musiker Pínto, stand als nächstes auf der Bühne. Ihr keltischer Folk gefiel extrem, man spielte einige Stücke ihres Debüts „Ceol Ón Mhuileann“ von 2015. Das Publikum konnte von Anfang bis Ende dem Trio unbändigen Spaß Ganaim-4ansehen, was durchaus ansteckte. „Johnny’s Wedding“ machte den Anfang, auch „Follow Me Up To Carlow“ und “Viva Galicia” waren ästhetische Ausflüge in die Soundwelt der Band. Geigerin Saskia wurde zwischendurch vorgestellt – Pínto und sie musizieren schon seit Ewigkeiten miteinander, weswegen es nur klar war, dass irgendwann eine Zusammenarbeit in dieser Form entstehen würde. Der Auftritt endete mit dem Traditional „I’ll Tell Me Ma“, welches man
später auch noch einmal in der Fiddler’s-Fassung hören sollte. Wirklich schön, doch auf der großen Bühne etwas dünn leider – es war so, als ob man am rechten Bühnenende gar nicht alles von Ganaim mitbekam, ähnlich wie schon bei Mainfelt. Das liegt aber durchaus an de Halle, da man dieses Phänomen schon bei den verschiedensten Konzerten erfahren konnte. Im RuhrCongress lohnt es sich also, mittig vor der Bühne zu stehen. Schade, da die Halle ja dennoch sehr weitläufig ist. Auch die Bilder von Ganaim gibt es in der Galerie (-> hier).

Als schließlich die Herren von Fiddler’s Green ihre Plätze auf den hohen Stühlen einnahmen und man mit dem traditionellen „This Old Man“ anfing, gerieten die Besucher langsam erst richtig aus dem Häuschen. Nicht, dass der vorangegangene Support unangenehm gewesen wäre – vielmehr ging es mit Mainfelt und Ganaim beinahe zu ruhig daher und man musste den typischen Fiddler’s-Sog vermissen. Trotzdem bedankten sich die sechs Musiker artig bei ihrem Vorprogramm und machten auch gleich bei dieser Gelegenheit noch einmal Werbung für das Haus und Hof-Festival der Band, das Shamrock Castle Festival Anfang Juli in der fränkischen Schweiz, bei dem ihre Gäste Ganaim auch am Start sein werden. Nach „Lukey“ und „Girls Along The Road“ war den Fiddler’s jedoch die Beteiligung im Publikum noch zu gering und man wies dezent darauf hin, dass Unplugged ja nicht am Mitmachen und Party Machen hindert: zu „Buccaneer“ und dem Uralt-Stück „The Mermaid“ durfte man das auch gleich unter Beweis stellen. Hier nun auch mal eine Erklärung, weswegen man sich für das zugegeben sehr einfach gehaltene Küchen-Setting entschieden hat: in den Anfangstagen der Band habe man in genau einer solchen kleinen Küche gemeinsam geprobt und gezockt, weswegen man nun, 26 Jahre nach Gründung der Fiddler’s Green-Combo, hier den frühen Tagen ein wenig Reminiszenz zollen wollte. Zu „Highland Road“ eine kleine Anekdote, man habe im „Land mit den billigsten Drogen und den willigsten Weibern“, gemeint war Indien, ein neues Instrument erlernt – man zückte ein wie eine Sitar oder Surbahar anmutendes Saiteninstrument und spielte damit gleich verschmitzt die Anfänge einiger AC/DC-Stücke, bevor es mit „A Night in Dublin“ und „Raise Your Arms“ weiterging. Bei Letzterem waren wohl auch am meisten Arme in der Luft und bildeten die Wellen der rauen See nach. Fiddler's Green-6Zum Sauflied „Bottom Of Our Glass“ holte man ein williges Pärchen aus dem Publikum auf die Stage, um ein kleines Bier-Ex-Battle zu veranstalten, welches nicht klar entschieden werden konnte – aber immerhin gab es hier nicht wie beim letzten Gig in Köln Kölsch, das betonte die Band auch mit einem Lächeln. Diese schönen Anekdoten, welche die Fiddler’s erzählen, würzen die Konzerte jedes Mal mit viel Humor: so erzählte man zu „The Jolly Beggar“ von Hillary, die im irischen Gestüt ins knisternde Feuer schaut und dann plötzlich Schäfer Donald Trump an der Türe klopft, der draußen auf der Farm seine Haarimplantate anbaut. Auch ein schönes Gimmick war wohl das Styx-Cover des Radio-frequenten „Boat on the River“,
welches Albi mit den Worten einläutete, dass sie das Stück schon immer mal live spielen wollten. Und so spielte die Band in gewohntem Enthusiasmus ihr reguläres Set mit dem Klassiker „Yindy“ und den rasanten „Strike Back“ und „Bugger Off“ (im Endeffekt eine nette Variante der „F*ck off“-Ansage) zu Ende. Zur ersten Zugabe folgten dann auch noch die Fan-gewünschten „The Night Pat Murphy Died“ und „Folk’s Not Dead“, bevor man sich noch ein weiteres Mal auf die Stage bitten ließ und mit „Irish Rover“ und „Dirty Old Town“ noch ein paar besinnlich-traditionelle Stücke am Ende vom Stapel ließ. Die Fotos zum Abend gibt es in unserer Galerie (-> hier).

Fazit: Ein gelungener Abend mit gewohnten Fiddler’s-Klassikern in abgespecktem Gewand, dafür nicht ohne den garantierten Mitreiß-Faktor, den die Band gewöhnlich hat. Das Verlegen des Events von der Christuskirche in den RuhrCongress hatte nicht nur für mehr Platz und Tanzraum gesorgt (denn mal ehrlich – brav in den Kirchenreihen bleibt wohl niemand bei der Band sitzen), sondern schenkte dem Gesamtauftritt der Jungs auch eine breitere und damit besser wirkende Bühne. Im Vorprogramm könnte man leider beinahe sagen, dass die enorme Halle im Vergleich zu den drei minimalistischen Sound-Zahnrädchen von Mainfelt und Ganaim die Bands etwas degradierte – aber klar, dass ein Akustik-Trio mit luftiger Musik auf einer fast zwanzig Meter breiten Bühne in der RuhrCongresshalle etwas untergeht. Für die beiden Combos wäre womöglich die kuschelige Kirche besser gewesen – auch wenn beide Supports für das Locale noch gar nicht geplant waren. Was seitens der Fiddler’s auf musikalischer Ebene geliefert wurde, war erneut ohne Makel – man durfte lediglich fragen, ob die Bühnenaufbauten mit den aufgestellten Küchen-Backgrounds und einzelnen Löffeln und Töpfen (die zwischendurch ja auch als Musikinstrumente genutzt wurden) nicht etwas schlicht erschienen, wo erst groß und breit vom Setting einer irischen Küche gesprochen wurde. Aber dass Fiddler’s Green ohnehin immer eine gute Show liefern, sollte bekannt sein – vollkommen egal, welche Bühnenaufbauten ihre Gigs zieren und ob man nun beim „Acoustic Pub Crawl“ ruhigere Töne anschlägt oder die übliche ungestüme Punk-Attitüde auspackt.