Donnerstagabend, 18. Oktober 2018. Ein ganz normaler Abend in Wien? Nein, denn im Süden der Stadt rockten die vielleicht besten Folk-Punk-Bands der Welt die Nägel aus den Bühnenbrettern. Die Rede ist natürlich von den Konzerten der Rumjacks in der Arena und Fiddler’s Green in der Szene Wien. Schade, dass man sich nicht zweiteilen kann. Der Besuch der Fiddlers in der Szene hat sich allerdings mächtig gelohnt!

Gnackwatschn unterstützten die grünen Fiedler bei ihren Österreich-Terminen zum Tour-Auftakt in Wien und in Graz. Die Steirer gesellten sich somit bereits zum zweiten Mal zu ihren Freunden und heizten der ausverkauften Szene ab etwa 20:20 Uhr schon einmal vorsorglich ein. Rhythmischer Ska bis Reggae mit Texten im Dialekt, das gibt es relativ selten. Nicht immer gelingt diese Mischung, doch bei den sympathischen Burschen aus der Steiermark ließ es sich schon ganz gemütlich zur Melodie vom Pippi-Langstrumpf-Theme mitschunkeln.

Etwas gehapert hat es bei der „St. Patrick’s Day Tour“ von Fiddler’s Green dieses Jahr. Der heilige Patrick von Irland wird ebendort und in quasi jedem Irish Pub am 17. März jedes Jahres in grüner Farbenpracht gefeiert. Die Erlanger hatten ihre exklusive Frühjahrstournee passenderweise rund um jenes Datum gelegt, doch dann hat die Grippe zugeschlagen. Die Mini-Tour wurde abgeblasen, Termine verschoben und das bis in den Herbst hinein, denn im Festival-Sommer war wenig Zeit für Club-Konzerte. Den Wien-Termin haben die Fiddlers gleich in ihre nächste Tour gepackt, zu Beginn von „Live & Loud 2018“ stand also erst einmal die „Late St. Patrick’s Day Tour“ an. Der Heilige wurde zwar am 18. Oktober nicht einmal mehr erwähnt, doch gefeiert wurde recht fleißig in der ausverkauften Szene Wien!
Überpünktlich um circa 21:25 Uhr legten die Bayern schließlich los und hauten dabei sogleich ordentlich in die Saiten. Etwa fünf flotte, rockige Songs wurden dem randvollen Saal schwungvoll entgegengeschleudert und vom Publikum begeistert aufgenommen. Dann gab es zunächst ein akustisches Interludium. Geiger Tobi Heindl und Drummer Frank Jooss lieferten sich ein instrumentales Stelldichein mit Fiedel und Trommel, dazu kam dann noch Stefan Klug an der Bodhrán. Das klang recht traditionell, getrommelt wurde allerdings auf alles, was da gerade auf der Bühne herumstand und sich nicht erwehren konnte.

Wenn man nun schon das Bühnenbild zerlegt, kann man auch gleich umbauen. Während für das aufkommende Pub-Feeling schnell ein ganzer Tresen hereingetragen wurde unterhielt Pat Prziwara die Menge mit etwas Werbung für eine ganz bestimmte Whiskey-Marke von der heiligen grünen Insel. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Nun wurden die Handys gezückt, denn die Band hatte sich wieder einmal etwas Neues einfallen lassen, um ihre genialen Live-Shows noch um einen lustigen Aspekt zu erweitern: Becherschupfen über den Tisch und zwar im Takt zum Shanty „John Kanaka“.
Danach wurde das Pub wieder entfernt, denn die enge Szene-Bühne war ohnehin knapp bemessen für eine Band wie Fiddler’s Green. Platz schaffen wollte Sänger Albi auch in den Zuschauerreihen für die obligatorische Wall of Folk bei „The rocky road to Dublin“, allerdings funktionierte das nicht ganz so gut wie gedacht. Sicherheitsbedenken? Nein! Dennoch scheiterte das Unterfangen am Platzmangel, dank ausverkauftem Konzert und dem exzessiven Alkoholkonsum einiger Beteiligten. In der leicht übertitelten „breiten Gasse“ wurde dennoch feuchtfröhlich gefolkt und gerangelt, sofern dies halt möglich war. Der Wiener Partytiger erwies sich für den maßregelnden Musiker allerdings als sehr schwierig zu zähmen. Der grandiosen Stimmung beim Konzert tat das aber keinerlei Abbruch, allerdings war man ganz froh, wenn man beim einsetzenden Schweiß-Shirt-Schwingen relativ weit hinten stand, denn man hatte auch ohne aktive Beteiligung im vollen Saal schon gefühlt ein paar Kilo weggeschwitzt, da brauchte man sich nicht auch noch den Schweiß der Schwingenden aufladen.

Um wieder herunterzukommen, wurde dann mit der Ballade „Long gone“ wieder ein ruhigeres Stück gespielt. Doch bei Fiddler’s Green geht die Energie nicht verloren, daher wurde im Anschluss mit „Fields of green“ gleich wieder eingeheizt. Darin brachte man ein weiteres Zwischenspiel unter, diesmal allerdings in rockiger Manier. „Yindy“ lud dann zum Springen und zur kompletten Eskalation ein. Mit „We won’t die tonight“ brachte man auch noch einen neueren Song ein, um dann zurück zum irischen Traditional zu wechseln. Von der rot-weiß-grünen Idylle schweifte man wiederum zu „Victor and his demons“ ab, quasi der Vorbereitung für Halloween.
Während die Wiener eifrig damit beschäftigt waren, ihren Durst zu löschen, brannte das Szene-Pub ab, also beinahe. McIntyre wurde bei „Old dun cow“ etwas spät alarmiert, da das Publikum lieber nach einer hier nicht näher genannten Whiskey-Sorte rief. Da hatten sich die Bayern mit der unbezahlten Werbung doch glatt selbst ein Ei gelegt!
Paddy Murphy starb also in jener Nacht, aber das machte nichts, denn „Folk’s not dead“! Zum Schluss wurde mit „Leaving of Liverpool“, „Bugger off“, „A bottle a day“ und den „Blarney Roses“ noch eine ordentliche Zugabe geliefert. Die Rosen selbstverständlich mit fünfzehn reizenden Damen aus dem Auditorium auf der Bühne, man gönnt sich ja schließlich sonst nichts im Leben.