Auch das Feuertanz Festival wurde 2017 wieder erfolgreich durchgeführt – diesmal sogar ohne Sturm und Evakuierung. Am Freitag, den 23. Juni standen die Abenberger Burgtore bereits ab 11:30 Uhr offen und luden zu Musik, Tanz, Unterhaltung und allerlei Köstlichkeiten auf dem Mittelaltermarkt im Burghof. Marktmusik lieferten die Dudelzwerge, auch die Gaukler Friedrich, Arne Feuerschlund und Fabio Esposito unterhielten die Besucher dort abwechselnd. Noch war nicht ans Mittagessen im Kellergewölbe zu denken, denn um 13:00 war das erste Konzert draußen an der Burgmauer angesagt. Pünktlich um 13 Uhr fingen die Mittelalterrocker Impius Mundi nach der Anmoderation durch Hauptmann Feuerschwanz auch an zu spielen. Die Niedersachsen sind trotz des Beginner-Slots längst keine Unbekannten in der Mittelalterszene mehr, man hat sich über die letzten Jahre recht gut „hochgespielt“. Somit waren auch schon ungewöhnlich viele Leute von Beginn an auf dem Areal, nicht zuletzt deshalb konnte man der Band die Spielfreude auf der Bühne ansehen. Das aktuelle Album Decem, mit dem die Band nun bei Trollzorn unter Vertrag steht, wurde vorgestellt, aber natürlich wurden auch einige der vorhergehenden Eigenproduktionen gespielt. „Verdammt sein“ durfte natürlich nicht fehlen und bei „Fahr zur Hölle“ bildete sich bereits der erste Circle Pit, was bei dem trockenen, heißen Wetter Unmengen an Staub aufwirbelte. Nach etwa 50 Minuten und einer passenden Zugabe („Am Ende“) machte man die Bühne schließlich für die nächste Band frei.

Die Nachfolger brauchten auch eine Menge Platz, denn Ye Banished Privateers traten mit 10 Mitgliedern auf. Das reicht natürlich noch weit nicht, um ein Piratenschiff kaperfähig zu machen, deshalb fingen die Schweden auch gleich nach dem neuen Einzugslied „Annabel“ an, weitere Freibeuter für ihre Crew zu rekrutieren. Die erheiternde Show, die von Fesselspielen über Ertränken bis zu spontan umkippenden Musikern so gut wie alles bot, wurde vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Eine Stimmung wie auf Tortugas Hafenfesten machte sich breit und bei den vielen mitschunkelnden Piratenhüten, mussten sich die Privateers zur Rückfahrt vermutlich ein größeres Schiff klauen, denn die Mannschaft war bis zum Ende hin bestimmt um einige hundert Freizeitpiraten angewachsen.

Etwas friedlicher ging es nach der Umbaupause dann bei dArtagnan zu. Die Piraten waren fast alle plötzlich verschwunden (vermutlich haben sie das Marktareal geentert) und zurück blieb die überwiegend weibliche Fanbase der sechs Nürnberger Musketiere. Diese spielten im Großen und Ganzen fleißig ihr erstes und bisher immer noch einziges Studioalbum live vor, zumindest kamen einem alle dargebrachten Songs bereits bekannt vor. Der Bedarf an etwas Neuem wäre durchaus da! Vielleicht lässt sich auch noch das grundsätzlich gute Musketier-Thema vertiefen und der Sound differenzierter 

(von anderen Bands) gestalten und dann kann man sich hoffentlich in Zukunft vom „Hausfrauen-Pop“-Klischee lösen. Wir bitten inständig darum.

Um 18:00 Uhr wurden wieder Folk-Töne angeschlagen und zwar von den Publikumslieblingen von Omnia. Nach einigen Unstimmigkeiten innerhalb der Band und auch von und nach außen, verließ zuletzt Gitarrist Satrya die Gruppierung und hinterließ eine Lücke, die bis zum Feuertanz Festival noch nicht wieder gefüllt werden konnte. So musste die Kultband ihren Auftritt ohne Akustikgitarre hinlegen, was den Gesamtklang deutlich archaischer gestaltete und – speziell bei den früheren Songs – etwas an alte Zeiten der Formation erinnerte. Selbst Sänger Steve Sic, der sich sonst selten zurücknimmt, verhielt sich ungewohnt wortkarg. Nach einer Stunde noch keine politische Ansage, das gab es bei Omnia schon lange nicht mehr. Zum Schluss verlor Steve dann doch noch ein paar Worte; mit Erklärungen zur Bandlage hielt er sich aber zurück.

Die Stimmung im Festivalgewusel konnte ohnedies nichts trüben, man fieberte ja bereits intensiv Fiddler‘s Green entgegen, die bekanntlich stets ein Live-Highlight für sich bilden. So auch auf der Burg Abenberg, da blieb kein Stein auf dem anderen als die Fiddlers mit ihrem Speed-Folk ein weiteres Mal abräumten. Zur Primetime lieferte man eine Riesenparty, natürlich mit Erfolgsliedern wie „Folk’s not Dead“ oder „Yindy“ sowie auch mit neuen Songs vom Devil’s Dozen-Album. Zum Abschied fiedelte Geiger Tobi dem geneigten Folk-Rock-Fan die Melodie von „Smoke on the Water“ im Alleingang und als Zugaben zum feierwütigen Programm wurde mit „Victor and his Demons“ und The Night Pat Murphy Died“ noch einer draufgesetzt.

Saltatio Mortis sorgten schließlich für den endgültigen Abriss der Burg. Die bei Fiddler’s Green freigesetzte Energie wurde bis zuletzt genutzt, um noch ordentlich in die Nacht hinein zu feiern. Gleich zu Beginn starteten die Totentänzer durch mit einer aufheizenden Feuershow und auch bis zur Geisterstunde sollte die Intensität des Auftritts kaum abnehmen. Man tourte immer noch mit dem Zirkus Zeitgeist-Album, das an politischer Aktualität (leider) auch noch nichts eingebüßt hat. Für die Festival-Saison wurde allerdings die Setlist etwas angepasst, sodass man hier auch mehr ältere Stücke wie den „Spielmannsschwur“ oder „Prometheus“ einbauen konnte, die als Publikumslieblinge gelten.

Nach SaMo spielten noch Tir Nan Og vor wesentlich kleinerer Zuhörerschaft im beengten Burgsaal das erste Mitternachtskonzert des Festivals. Den meisten war es aber zu viel abverlangt, sich noch während der Show des Headliners in der Schlange vor dem Saaleingang einzureihen und so genossen auch wir das selbstgemachte Spätabendprogramm am Lagerfeuer im eigenen Camp.

Alle Fotos des Feuertanz Festivals 2017 gibt es bereits in unserer Galerie (-> hier) oder auch bei Facebook (-> hier).