Feuertal Festival 2018

 

Die heißeste Zeit des Jahres ist nun vorbei. Das Feuertal Festival in Wuppertal fand diesmal eine Woche früher statt und zwar vom Freitag, den 17. August, bis Samstag, den 18. August 2018. Doch nicht nur das Datum machte das fünfzehnte Feuertal zu einem ganz besonderen Erlebnis, sondern vor allem das einzigartige Programm und die grandiose Stimmung auf und vor der Waldbühne Hardt. Das Line-Up bestand ausschließlich aus Szenegrößen, die dem Folk- und Mittelalterbereich zuzuordnen sind, angeführt von Versengold am Freitag sowie Schandmaul und Saltatio Mortis am Samstagabend.

 

Tag 1 - Freitag, 17.08.2018

Freitag, dreizehn Uhr. Dunkle Gestalten zogen seit einiger Zeit quer durch Wuppertal. Einige davon hatten bereits die Hardt-Anlage erklommen und Einlass zum Festival erlangt. Langsam verbreitete sich das Gerücht, es wäre dieses Jahr wieder ausverkauft. Leider stimmte das, sodass einige spontan Angereiste Pech hatten und nicht mehr auf das Gelände kamen. Für alle anderen ertönte schon bald die bassige Stimme von Major Voice, dem diesjährigen Moderator der Veranstaltung. Keine Sorge, Eric Fish war später dennoch zu hören und sehen, nämlich mit seinem neuen Nebenprojekt Bannkreis. Nach dem obligatorischen Feuertal-Lied gab der Major noch ein Stück von Mono Inc. zum Besten und outete sich deutlich als deren Fan.

Mono Inc. waren allerdings nicht vor Ort, dafür waren Dunkelschön vollzählig anwesend und durften als erste Band das Musikprogramm eröffnen. Trotz angenehmer Temperaturen war das nicht ganz so leicht, weil der relativ spät in Betrieb genommene Pool im Pool in der Mirke harte Konkurrenz war. Auch der Sound wollte noch nicht so ganz rund laufen. Es wirkte alles noch etwas verschlafen, doch zumindest das Cello bekam man einwandfrei hin und so rockten Dunkelschön mit mittelalterlich angehauchten Texten zu rhythmischen Melodien. Das „Zauberwort“ und „Auf das Leben“ waren definitiv die Höhepunkte des knapp 40-minütigen Auftritts. Der Rest der Setlist wirkte etwas verkrampft. Der erste Slot ist eben auch nach vierzehnjähriger Bandgeschichte noch ein undankbarer, will man meinen.
Im Anschluss, ab 15:12 Uhr (welch merkwürdige Zeit) rockten Krayenzeit mit mehr Metal-Elementen und sichtlich mehr Elan. Plötzlich herrschte im Publikum eine frische Motivation vor, die zuvor nicht dagewesen war. Da könnten sich die Kollegen von Dunkelschön noch etwas von den Krähen abschauen. Abgehoben wurde mit „…flieg flieg flieg…“ und schon startete eine Reise ins „Spiegelwunderland“: eine satte Stunde lang hieß es die Flügel spannen und abtauchen in die Fluten des Bodensees. Ganz nüchtern wurde aber noch das kommende vierte Studioalbum der Band, „Seitentänzer“, angekündigt. Man darf also bereits gespannt sein, wen die Krähen noch so alles mit ihrem kommenden Silberling überflügeln werden.

Zunächst ging es zurück in die Wirklichkeit. In eine bizarre, recht eigenwillige Wirklichkeit, in welcher man Sneakers zum Gehrock trägt und damit nicht nur durchkommt, sondern auch verdammt cool wirkt. Die Rede ist natürlich von niemand geringerem als den feinen Herren von Coppelius, die sich nach einjähriger Bühnenabstinenz nun wieder in vertraute Gefilde wagten. Gänzlich einwandfrei übersteht man so eine Auszeit selbstverständlich nicht, da musste Graf Lindorfs Mittelfinger ordentlich leiden beim „Nichtstun“. Doch wer die Edelherren kennt, weiß, dass sie so etwas mit Humor nehmen. Butler Bastille zeichnete live eine etwas vergrößerte Version des neuen bandeigenen Handzeichens – der erhobene linke Mittelfinger. Doch auch der Heavy Kammer-Metal kam nicht zu kurz. Zwischen Cello und Klarinette wurde zum Gruppen-Headbangen auf die ohnehin schon kleine Bühne geladen, man übertreibt ja auch sonst kaum einmal im Hause Coppelius. Eingeladen wurde man auch zur Steampunk-Oper der Herrschaften, „Klein Zaches, genannt Zinnober“, allerdings auf eigene Kosten. Die plötzlichen Marketing-Ambitionen des konfusen Coppelianers wurden allerdings durch eine heftige Attacke gemeingefährlicher Wespen unterbrochen, die den armen Allergiker schon den ganzen Tag verfolgten. Doch nach einem kurzen verbalen Ausfallschritt fing sich der gute Bastille wieder und es wurde weitergerockt bis einschließlich zur ersten Zugabe des Tages: „Contenance“ und das beliebte Cover „Killers“ von Iron Maiden.
Ruhiger wurde es danach wieder bei Bannkreis. Der Name dieses jungen Projektes kommt nicht von irgendwo, ist die Gruppe doch eine Zusammenarbeit von Eric Fish und Johanna Krins von Delva sowie von drei weiteren Mitgliedern von Subway to Sally. Man darf sich also nicht wundern, wenn die Band stark nach Fishs Hauptprojekt klingt, allerdings mehr nach deren Anfangszeit mit starker Betonung auf die verwendeten Folk-Instrumente wie Blechflöten und Drehleier; schließlich bezeichnet die Formation ihren Stil selbst als „Epic Folk Rock“. Viele Lieder waren Duette zwischen Eric und Johanna, ansonsten übernahm die junge Dame selbst den Hauptanteil am Gesang. Im März wurde das Debutalbum „Sakrament“ veröffentlicht; die meisten gespielten Songs stammten von jenem. Obwohl es schwierig zu sein scheint, nicht wie die anderen eigenen Musikprojekte zu klingen, schafften es Bannkreis dennoch, einen neuen Sound zu erreichen und das Publikum zu überzeugen. Nur die deutsche Version von “Sweet Dreams” sollte die Band nochmal überdenken.

Überpünktlich standen Versengold bereits um 20:18 Uhr auf der Bühne, um die zur Verfügung stehende Zeit vor der Nachtruhe um 22:00 Uhr möglichst lange zu nutzen. Passenderweise wird die Bremer Formation 2018 genauso alt wie das Festival, welches sie beehrten: 15 Jahre. Und wie jeder Teenager hat sich auch die Band in den letzten Jahren stark verändert. Neuer Sound, zusätzliche Mitglieder und Instrumente, plötzlicher Charterfolg. Da machte nicht jeder eingefleischte Trunckenbold mit, doch Versengold ließen sich die Spielfreude nicht nehmen, im Gegenteil: ihr Konzert war so intensiv wie eh und je und die Fans verstanden das zu feiern, auch wenn auf der Bühne offensichtlich jemand etwas zu viel Vergnügen am Nebelwerfer fand. Viele Songs der letzten beiden Alben wurden gespielt wie das ernstere „Spaß bei Saite“, die Ballade „Haut‘ mir kein‘ Stein“ und der Albumtitel „Funkenflug“, bei welchem zahlreiche Wunderkerzen von den Feuergeistern entzündet wurden. Ein phantastischer Anblick!
Natürlich fand man auch Zeit für die Versengold-Evergreens wie „Wem? Uns!“ oder „Paules Beichtgang“. Auch Neues wurde präsentiert: „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“ ließ auf baldige neue Veröffentlichungen im gewohnten Stil hoffen. Zum Schluss bildete sich wieder ein gutes, altes Händemeer zu „Ich und ein Fass voller Wein“ und schon war die Sonne verschwunden und der erste Tag neigte sich dem Ende zu, auch wenn die Weinfässer noch lange nach Konzertschluss gefordert waren.

 

Tag 2 - Samstag, 18.08.2018

 

Am zweiten Festivaltag war trotz höherer Temperaturen und anhaltender Zuber-Aktivitäten in der Mirke auf dem Festivalgelände schon einiges los ab 14:00 Uhr bei Punch ‘n‘ Judy. Die Lokalmatadore feierten mit einer für die Uhrzeit bereits beachtlichen Menge einen rockigen „Reigen in der Hitze“, natürlich nicht, ohne den berüchtigten „Koboldkönig“ erneut zu beschwören. Leider waren bloß 30 Minuten Zeit für den Punch, denn an diesem Tag musste noch eine Band mehr als am vorherigen im Line-up untergebracht werden.
Die zweite Gruppe hatte ebenfalls nur eine halbe Stunde Spielzeit. Die Hamburger von Incantatem gehören zu den noch recht unbekannten Bands der Folk-Metal- respektive Mittelalterszene. Nichts desto trotz lieferten die Nordseepiraten eine hämmernde Rockshow mit tiefem Gesang, wenn auch die Lautstärke sich etwas stark von den anderen Bands abhob. Selbst die eine Ballade der jungen Band zeichnete sich vor allem durch ihre Härte aus. Das 2018 erschienene Debutalbum „Animus et Anima“ wurde kurz vorgestellt und einige Titel davon gespielt. Metalheads mussten ihre Zeit gut nutzen, denn danach wurde es erstmal etwas ruhiger.

Die Durchschnaufpause war dem Trio Ganaim zu verdanken, die Major Voice humoristisch angekündigt hatte (“Das ist wie ‘genehm’ nur mit i”). Etwas Irish Folk darf auf so einem Festival natürlich nicht fehlen und so frischten Sänger Pínto, Geigerin Saskia und Gitarrist Cornelius das verschwitzte Auditorium mit rhythmischen Folk-Interpretationen auf. Altbekannte Traditionals wie „Rocky Road to Dublin“ oder „I’ll tell me Ma“ wurden dargebracht und zwischendurch hatte Pínto so einiges zu erzählen. Die Highlights gab es zum Schluss mit „Viva Galicia“ und „Johnny jump up“. Dazu träumen oder tanzen, das blieb jedem selbst überlassen.
Von den irischen Highlands rauschte das Publikum dann tief in die pannonischen Lowlands: es wurde schließlich mit Paddy and the Rats wieder ordentlich aufgewischt. Die Ungarn hauten bei ihrem ersten Auftritt auf dem Feuertal Festival anständig in die Saiten. Bei punkigem Beat mit sanftem Reggae-Unterton blieb kein Stein auf dem anderen und selbst die Hitzeopfer konnten dank des sich langsam ausbreitenden Schattens etwas aufatmen und fröhlich mitschunkeln. Das Konzert stand ganz im Zeichen des aktuellen Albums „Riot City Outlaws“, welches den keltisch umwobenen Punk der Gruppe noch einmal unterstreichen konnte.

Dagegen war bei Schandmaul alles anders. Schon wieder Schandmaul auf dem Feuertal? Ja, aber diesmal eben etwas spezieller. Die Bayern gaben eines ihrer raren Akustikkonzerte zum Jubiläum. Außerdem feiert die Band selbst ihr 20-jähriges Bestehen, worauf man entweder gleich anstoßen konnte oder zum großen Geburtstagskonzertabend am 16. November nach Köln kommen kann. Dort soll nämlich mit den Kollegen von Fiddler’s Green und Ganaim recht zünftig gefeiert werden. Doch zurück nach Wuppertal. Die Schandmäuler hatten zugunsten von Saltatio Mortis auf ihre Rockshow verzichtet und lieferten dafür einen seltenen Anblick. Vier im Vorhinein ausgeloste Fans durften das Konzert von einer eigens dafür aufgebauten Bar direkt auf der Bühne mitverfolgen. Saskia spielte statt der Geige die Barkeeperin, Ally von Subway to Sally vertrat sie erfolgreich an der Fiddle und Sänger Thomas hatte währenddessen leichte Schwierigkeiten mit den eigenen Liedtexten. Besonders war auch die Songauswahl: spielte man erst etwas Schwungvolles, kam danach noch eine Ballade wie „Euch zum Geleit“, wovon wiederum mit Trinkliedern, Publikumsspielen und dem „Narrenkönig“ abgeschwenkt wurde. Kein Wunder, dass Thomas am Anfang leicht verwirrt wirkte, musste er sich doch an teilweise kaum geprobte Texte aus den vergangenen zwei Jahrzehnten erinnern. Die treuen Fans nahmen das jedoch nicht übel, sondern als Grund zur Erheiterung und zum lautstarken Mitsingen auf.
Kaum war die Tageshitze verklungen, kamen Saltatio Mortis und entfachten die Höllenglut mit einer ordentlichen Feuershow. Gerade erst am Vortag hatte man das langerwartete neue Album „Brot und Spiele“ veröffentlicht und nun wurde es live dargebracht, aber nicht nur das. Die Band hatte noch einige Stücke mehr in petto und überraschten nach Liedern wie „Große Träume“, „Brunhild“ oder „Prometheus“ mit einem Akustikset mitten in der Show. Für „Heimdall“, „Totus Floreo“ und den „Drunken Sailor“ wurden die E-Gitarren versteckt und das Schlagzeug gegen Trommeln getauscht. Dieses unerwartete Intermezzo inklusive Dudelsacksolo von Luzi war definitiv der beste Teil des Konzerts. Danach wurden zu „Eulenspiegel“ die mittlerweile schon leicht angeschlagenen Gesangstimmen des Publikums trainiert, mit „Tritt ein“ wurde ein richtiger SaMo-Oldie von 2005 eingebaut und zum „Rattenfänger“ ließ sich Alea wieder von der Menge beim Crowdsurfing auffangen und quer durch die begeisterten Fans tragen. Zum Abschluss folgte wie immer der „Spielmannsschwur“ so wie die Zugabe mit „Spiel mit dem Feuer“, was recht gut zu den Männern über 40 passte, deren Pyrotechniker sich eineinhalb Stunden lang ordentlich ins Zeug gelegt hatte. Doch weil es nie genug sein kann, versprach man nach dem Konzert noch ein paar Lieder auf dem Mittelaltermarkt darzubringen, etwas leiser und heimeliger, während es für die meisten zurück zum Camping oder hin zur Aftershowparty ging. Gesagt, getan. Die Spielleute nahmen wie die Rattenfänger ihre Fans mit auf den kleinen Mittelaltermarkt und spielten dort im Bierstand, der gehörig wackelte! So eine Aktion hat Saltatio Mortis schon länger nicht mehr gebracht.

Fazit

Was für ein Fest! Regen, Hitze, Zuber und Musik, also alles, was den Festivalsommer ausmacht, war dabei und nichts davon im Übermaß. So viele Bands wie noch nie gaben sich während dem Feuertal Festival die Klinke in die Hand, die meisten von ihnen legten fantastische Auftritte hin und erquickten die dunkle bis mittelalterliche Seele. Da bleibt nun nur noch die Erholung von Tanz, Musik und Met – leider im heimischen Hafen ohne Pool im Pool. Währenddessen macht es der Veranstalter Marcus Grebe spannend, dem wir an dieser Stelle herzlich für dieses tolle Feuertal danken,. Im nächsten Jahr wird es wohl wieder ein Feuertal Festival geben und nun kann man gespannt auf das Datum und das Line-up warten, um sich den Termin fest im Kalender für 2019 einzutragen!