Nach zwei Jahren des Wartens ist es so weit! Feuerschwanz bringen heute, am 17.08.2018, ihr neues Album auf den Markt und so viel sei verraten: es wird hart, dreckig und der Met fließt in Strömen! Der Methämmer ist ein Symbol, das beinahe so alt ist wie die Menschheit selbst. Die Regierungen der Welt haben es vor den Menschen bisher geheim gehalten, doch die Band aus dem Raum Erlangen bringt mit dem neuen Album, das den gleichen Namen trägt wie das uralte Zeichen, die Wahrheit ans Licht. Vergesst alle Religionen dieser Welt und vergesst alles, was ihr je über Feuerschwanz wusstet. Hier wird Geschichte neu geschrieben und ein neues Kapitel der Menschheit tut sich auf. Nun aber mal im Ernst: Wenn Feuerschwanz ein neues Album herausbringt, ist Spaß und handfeste Partymusik im Stil des Mittelalter-Rocks vorprogrammiert. Der neue Silberling bietet Feierlaune und härtere Klänge, als man es von der Band bisher gewohnt war. Nach der Reaktion auf die Sexismus-Debatte vor einigen Jahren und einem erfolgreichen Sex is Muss Album folgt nun der nächste Hammer!

Partyspaß und Metgelage

Gleich der erste Song ist der Titeltrack des Albums. “Methämmer” beginnt mit harten Gitarrenriffs und scheint zunächst nicht so recht zu den gewohnten Feuerschwanz-Stücken zu passen. Der etwas düstere Touch des Gesangs und auch der Musik ist bei dem Thema aber auf alle Fälle passend. Feuerschwanz bringt die Wahrheit ans Licht. Glaubt nicht mehr an das, was die Politiker euch erzählen, sondern erhört den einzig wahren Gott: den Methämmer. Was zunächst irgendwie merkwürdig anmutet und vollkommen in die spaßige Feuerschwanz-Manier zu passen scheint, die nur etwas metal-mäßiger gekleidet daher kommt, ist durchaus auch als Kritik zu verstehen. Die ‘Helme aus Aluminium’ deuten den Seitenhieb auf Verschwörungstheoretiker mehr als nur an. Elegante Kritik in spaßiger Atmosphäre und Metalklang. Musikalisch wieder etwas sanfter, dafür aber rasant und rhythmisch beginnt “Schubsetanz”. Das Thema ‘Metal’ ist hier musikalisch und inhaltlich zwar noch immer greifbar, doch finden wieder gewohnte Instrumente wie Schalmei und Geige Platz im Song. Der Song dient praktisch als Anleitung zum Moshen und erklärt auch den Normalos dieser Welt, was der Schubsetanz ist. Die eingängigen und melodischen Interludien bleiben dabei direkt im Ohr hängen, sodass man das Lied einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt.
Ein weiterer Party-Song kommt sowohl rockig, als auch melodiös daher. Man findet zurück zum Saufen und zur Party. Mit mehrstimmigem Gesang, den sich Hauptmann und Prinz in der Strophe abwechselnd teilen fordert man die Meute auf, die Hörner zu erheben, den Met fließen zu lassen und ausgelassen zu tanzen. Der Refrain ist dabei simpel gestaltet, sodass auf Konzerten auch noch der letzte Säufer mitmachen kann. Ein typisches Sauflied eben. Ruhig und geheimnisvoll wird es dann mit dem Intro von “Lustprinzip”, das sich ganz schnell in eine rasante und rockige Nummer aufschaukelt. Inhaltlich zieht sich die große Party wie ein roter Faden durch die Songs und auch hier wird dieser nicht fallen gelassen. Gleichzeitig hört man wieder ganz klar Gesellschaftskritik heraus. Das eine zu sagen und das andere zu tun, ist nur eines der Beispiele, die man in unserer Welt gerade bei den Obrigen häufig findet. Jeder mag es, zu feiern, doch schneiden sich viele damit ins eigene Fleisch, weil sie nur nach ihrem Lustprinzip leben.

Fort von der Kritik geht es zurück an die Methörner. “Wikingerblut” beginnt ähnlich wie “Methämmer” metallastig und dreckig. Und siehe da, ein wenig Gesellschaftskritik ist auch wieder mit dabei, denn wer heute wahre Helden für einen Raubzug sucht, findet oft nur Hipster und keine echten ‘Männer mit Bärten für eine Kaperfahrt’. Hat man seine ausgewählte Mannschaft dann gefunden, die im Song durch einen Männerchor dargestellt wird, vergießt man Wikingerblut. Aber hoffentlich nur in Form der Met-Sorte, die in Strömen in Hörner und durstige Kehlen fließen soll. Fröhlich, locker und rhythmisch geht es mit “Kinder im Geiste” weiter. Stilistisch weicht der Song vollkommen vom rockigen oder mittelalterlichen Stil ab. Der Song wirkt geradezu poppig, aber inhaltlich deshalb nicht etwa langweilig, sondern weltoffen und Herz erwärmend. Wer in seinem Leben nur stur und ernst einem Weg folgt, wird niemals frei sein. Durch seine lockere Leichtigkeit vermittelt der Track aber genau das. Zu leben, frei zu sein und das beste aus seinem Leben zu machen, auch wenn der Alltag einen mal zu erdrücken scheint.
Sanfte Flötentöne leiten “Oh Fortuna” ein, das dann weiter in mittelalterlicher Manier musikalisch etwas aus dem Rahmen des Albums fällt. Am Ende der Strophe kehrt allerdings der Männerchor wieder zurück und die Musik bleibt insgesamt ruhig und rhythmisch. Die E-Gitarre kommt dieses Mal erst spät zum Einsatz, stattdessen bietet der Track ausreichend Raum zum tanzen, ganz ähnlich wie beim “Druiden” (2014). Mit “Prinzessin” wird man dann textlich wieder in die Modernität geführt, während es musikalisch locker, fröhlich und gleichzeitig rockig bleibt. Hier wird nun mal der Spieß umgedreht: Wird sonst die Geschichte der hübschen Prinzessin erzählt, die der tolle Ritter befreit, gibt es nun die Geschichte, dass der Mann für die moderne Weiberschaft niemals genug zu sein scheint. Die Prinzessin ist hier verwöhnt, fordert die ganze Welt ein und der Mann wünscht sich eigentlich eine ganz normale Frau.

Von Drachen und Helden

“Der Geschichte Pfade” beginnt ruhig und mystisch und wirkt geradezu wie eine Zäsur im Album oder gar wie das Ende. Es geht um Helden, Schlachten und andere alten Geschichten. Hauptmann Feuerschwanz erzählt von Rittern, die ihrem Glaube folgen und für die Liebe kämpfen, während die Musik sanft in den Hintergrund rückt. Auch die Musik, die sich in der Mitte des Songs zu einem langen Interludium auftürmt, bleibt sanft, langsam und heroisch. Im Anschluss wird von Soldaten statt von Rittern erzählt, denn die Geschichte wiederholt sich, während der Mensch nur ein kleines Bauteil im Rad der Zeit ist. Im Anschluss ist das Album noch nicht vorbei, denn der Hauptmann erzählt die Geschichte des “Krieger des Mets” in einer Trilogie. Zwischen den drei Teilen der Metchronik befinden sich thematisch passende Songs.

Im ersten Teil kommen die Drachen und die “Operation Drachensturm” erzählt schließlich von der Übermacht der schuppigen Wesen. Mit Geige und E-Gitarre wird der Song untermalt, der sich rasant durch den Gehörgang bahnt. Die Drachen als Zeichen der Götter sollen die Menschen zur Vernunft bringen, doch die Lektion bewirkt die Geburt eines mächtigen Kriegers. Der Krieger des Mets, dessen Geburt im zweiten Teil der Trilogie beschrieben wird, ist bereits vom letzten Album bekannt. “Ein Held ist gebor´n” berichtet schließlich auch musikalisch von ihm und irgendwie wird man unweigerlich an Jesus erinnert. Klar, wenn man den Met als Religion bezeichnet, den Methämmer als Symbol, dann ist der Krieger natürlich der Heiland. Ein hübsches Wiedersehen mit den Tönen aus “Krieger des Mets” (2016) gibt es dann zum Ende des Songs auch noch. Der letzte Teil der Trilogie erzählt dann mit “Liga des Mets” und brachialen Gitarren-Tönen von der Bruderschaft des Kriegers. In der Liga befinden sich die tapferen Männer, die für den Met kämpfen, Jungfrauen in Nöten befreien und bis in die Ewigkeit ihre Aufgabe nicht vernachlässigen. Inhaltlich wird man bei diesem Song etwas an “Verteidiger des wahren Mets” (2007) erinnert und musikalisch bekommt man nochmal jaulende Gitarren und heroische Männerchöre auf die Ohren. Ein fulminanter Abschluss des Albums, das es in sich hat!

Fazit

Wer die eher rockigen Töne von Feuerschwanz zuvor bevorzugt hat, sollte auf jeden Fall zu Methämmer greifen. Es gibt hier die volle Ladung Mittelalter-Metal, kombiniert mit Partysongs in Metal-Manier. Da fließt einem beinahe der Met aus den Lautsprechern, so sehr wird das Getränk auf diesem Album gepriesen! Das Methorn ist der heilige Gral, den es zu verteidigen gilt, und das mit aller Macht. Wer die mittelalterlichen Klänge von Feuerschwanz eventuell vermisst, sollte sich das Album genau anhören, denn auch diese sind nicht verloren gegangen. Musikalisch sind hier Mittelalter und Metal zusammengewachsen. Ergänzt wird das Album mit sowohl sinnfreien als auch geistreichen Texten, bei denen man manchmal vielleicht auch etwas um die Ecke denken muss. Hier ist Spaß und Party garantiert, man nimmt sich selbst nicht so ernst, kann aber dennoch den erhobenen Zeigefinger erkennen. Schade nur, dass die Trilogie des Metkriegers erst so spät kommt und nicht besser im Album verteilt ist. Da wirkt es etwas so, als hätte man die Songs doch etwas anders aufteilen oder eine einzelne EP daraus machen müssen.
Der Methämmer wirkt zudem ausgereifter. Im Vergleich zu den älteren Alben hat man bei Feuerschwanz in den letzten Jahren ohnehin bemerkt, dass sich die Band weiterentwickelt, ohne von ihrem Gute-Laune-Weg abzukommen. Respekt hierfür, denn auch bei dem neuen Silberling hört man eine gute Entwicklung. Sind die Texte teilweise weiterhin als albern zu bezeichnen, finden sich auch ernste Themen in den Liedern versteckt und die Musik ist erwachsen geworden. Es gibt Songs zum Tanzen, Songs zum Feiern und Songs, die sich wie ein Ohrwurm in den Gehörgang brennen. Darauf erheben wir die Hörner und sagen danke für dieses grandiose Stück Musikgeschichte!

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Band/Autor
Feuerschwanz
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Methämmer