FEJD-Trolldom-cover-artw-2400Fejd ist in der Folk-Metal-Szene durchaus ein Begriff. Die Schweden unter diesem Bandnamen, der übersetzt ‚Fehde‘ bedeutet, überraschen alle paar Jahre mal mit einem neuen Album und mit vereinzelten Auftritten, auch in Deutschland. Ihr letztes Album „Nagelfar “ erschien 2013 und wurde dann unter anderem auch auf das Burgfolk Festival (-> wir berichteten) mitgebracht. Seitdem sind die Brüder Patrik und Niklas Rimmerfors, die Fejd schon im Jahr 2001 gegründet haben, nicht so tatenlos gewesen, wie man es meinen könnte. In diesem Jahr, in dem gleichzeitig ihr 15-jähriges Bestehen gefeiert werden kann, erschien das neue Album „Trolldom„. Am vergangenen Freitag (27.05.2016) ist der Silberling via Dead End Exit Records erschienen. Kenner der Band werden an dieser Stelle eventuell ins Stocken geraten, waren die letzten drei Alben doch bei Napalm Records erschienen. Der Labelwechsel bedeutet vor allem, dass Fejd näher an ihre Heimat gerückt ist, da Dead End Exit in Schweden sitzt und Bands wie The Grim oder Captain Black Beard (beide ebenfalls aus Schweden) unter Vertrag hat. 

„Trolldom“ ist bereits das vierte Longplayer-Album der schwedischen Brüder, die traditionelle mit modernen Instrumenten vermischen. Wer bei dem Titel der CD gleich an Trolle denkt, ist ein wenig auf dem Holzweg, da das Wort tatsächlich eher Hexerei oder Zauberei bedeutet. Passend dazu klingt der erste Track „Härjaren“ stellenweise wie eine Beschwörungsformel. Musikalisch wechseln sich rythmische Trommeln, harte Gitarren und seichtere Instrumente miteinander ab. Der Titeltrack „Trolldom“ folgt dann gleich als Zweites. Musikalisch und gesanglich wird gleich der Eindruck einer Hexenversammlung erweckt, die sich beispielsweise auf dem bekannten Blocksberg oder an anderen magischen Orten abspielt. Bei „Ingjald Illråde“ fühlt man sich in einem rein instrumentalen Intro gefangen, das einen auf eine Reise zu unerforschten Orten mitnimmt. Der Gesang setzt erst nach fast einer Minute ein und lässt die Musik dabei in den Hintergrund treten, obwohl er von härteren Gitarrenriffs begleitet wird. Durch den teilweise mehrstimmigen Gesang, erhält man auch hier wieder das Feeling einer Beschwörung. Instrumentale Interludien, in denen man auch nicht-elektronische Instrumente hören kann, an dieser Stelle möglicherweise ein Bouzouki, verleihen dem Song eine erfrischende Abwechslung.

Der vierte Song „Bed för Din Sjal“ überrascht mit einem Duett zwischen Mann und Frau, das man auf diese Weise in keinem Song hören kann. Ruhige Bouzouki-Klänge begleiten zunächst den weiblichen Gesang, bis der männliche Part mit Hilfe von etwas härteren Klängen einsetzt. Ohne Schwedisch-Kenntnisse ist es wahrlich schwer, der Thematik zu folgen, aber zumindest der Titel wird mit Hilfe eines Wörterbuches klarer. Wer um seine Seele beten soll, kann nur vor einem emotionalen, geistigen oder leiblichen Scheideweg stehen. Musikalisch und durch das Wechselspiel von Mann und Frau wird dieser Zwist auf jeden Fall deutlich. „Hednaland“ (Heidenland) wirkt dann im Anschluss fast schon wie ein Neubeginn. Durch den heroisch anmutenden mehrstimmigen männlichen Gesang, klingt der Song dann aber doch eher wie der Aufbruch zur Schlacht oder ein Siegeszug. Die instrumentale Gestaltung des Tracks beschwört dabei das Klangbild längst vergangener, aber traditioneller Zeiten. „Glöd“ beginnt, wie schon das erste Lied, mit dem Spiel einer Sackpfeife. Dabei klingen die beiden Intros leider sehr ähnlich. Ganz simpel geht es von der düster glimmenden Glut zu „Svart“ (schwarz) über. Musikalisch scheint der Song tatsächlich düsterer und gefährlicher zu werden. Die rockigen, aber melodiösen Klänge bleiben dabei aber durchaus im Ohr hängen. Das Album schließt mit dem Track „Vindernatt“, das passend zum Schwarz des siebten Songs, die Winternacht thematisiert. Geheimnisvoll und beinahe balladesk beginnt das Stück daher und wiegelt sich auch nicht großartig auf. Vergleichsweise ruhig und besinnlich schließt Fejd das Album über Hexerei also ab und unterstreicht damit aber die obskure Materie.

Fazit: Insgesamt haben alle acht Songs ihren ganz eigenen Charme. Zwar ähneln sich die Intros von „Glöd“ und „Härjaren“, aber alles in allem gesehen ist das Album eine runde Angelegenheit, die dank ein paar Ecken und Kanten vollständig wird. Besonders das Duett in „Bed för Din Sjal“ bleibt im Ohr und erfreut beim Hören immer wieder. Für mich persönlich ist „Trolldom“ eines der ansprechendsten Alben der ersten Jahreshälfte 2016. Fejd verbindet auf wundervoll gekonnte Weise Tradition mit Moderne, woraus rockige, aber auch mysteriöse Tracks entstehen. Sie bedienen sich dabei Themen, die der Geschichte und Mythologie ihrer Heimat entsprechen. Ohne Aggressivität, was zu den neopaganen Einflüssen der Band ohnehin nicht passen würde, erschaffen sie harte und sanfte Melodien zur gleichen Zeit. Das Album ist Folk-Metal par excellence und für jeden Fan dieses Genre eine Empfehlung wert. Sofern man ein wenig schwedisch beherrscht und an Hexerei ohnehin interessiert ist, symbolisiert dieses Album ein Tor in die Anderswelt aus der Sicht zweier Brüder, die in Schweden beheimatet sind. Die Verbindung von Geschichte, Sage und Musik ist Fejd erneut perfekt gelungen.

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