Eric Fish und sein Ensemble feierten am Mittwoch, 28. September, den Tour-Auftakt zum neuen Album „Mahlstrom“ des Subway to Sally-Frontmanns. Zunächst in der Bochumer Christuskirche geplant wurde das Konzert kurzerhand in den Rockpalast der Matrix verlegt, wo die Stimmung aufgrund des kleineren Saales noch gemütlicher und intimer wurde. Mit dabei hatte der Sänger und Songwriter wieder seine Kumpanen Rainer Michalek, Gerit Hecht und Sebastian Meyer (bekannt von Pothead und Knorkator) und stellte seine ehrlichen und emotionalen Akustik-Songs vor. Hier lest ihr nach, wie der gefühlvolle Abend sich gestaltete.

20160928_Bochum_Eric_Fisch_and_Friends_Falkenberg_0355Pünktlich um 20 Uhr betrat Gastgeber Fish die Bühne, hieß alle Besucher des diesmal (in Reminiszenz an die Kirche) mit Bänken versehenen Rockpalasts willkommen und stellte zunächst sein Vorprogramm vor. Damit überließ er das Podium Falkenberg, der mit seiner einzigartigen Stimme, sehr persönlichen Texten und seinem neuen Album „Menschen auf Brücken“ überzeugte. Falkenberg -gemeinhin der Herbert Grönemeyer der Schwarzen Szene genannt (eigentlich sollte man ihn besser und vor allem positiver mit Konstantin Wecker der Schwarzen Szene titulieren)- redete vielleicht für den Geschmack mancher Besucher ab und an etwas zu viel um den heißen Brei herum, erzählte Anekdoten und Geschichten aus seinem Leben, vermochte es dabei aber auch ein perfektes Setting für jeden seiner Songs zu entwerfen – auch wenn dadurch die Show des Headliners ein wenig nach hinten verrückt wurde. Melancholisch, nachdenklich und politisch ging es zu – nicht für alle etwas, heimste er doch für seine Kritik an Martin Luther ein paar Buh-Rufe ein. In der Ablehnung des immer deutlicher werdenden Rechtsrucks in Europa waren sich aber alle Besucher einig. In vielen Stücken geht es bei Falkenberg um eine verkorkste Welt und er thematisiert die Wichtigkeit von Verständnis, Freiheit und eines wachen Geistes. Bei „Tunnel unter den Brücken“ wird das weite Feld Depression aufgegriffen, bei „Brückenköpfe“ porträtiert man die Schrecken des Krieges, die nur allzu aktuell sind – so kann man bei der Musik des Musikers aus Dresden/Halle an der Saale keineswegs von Feelgood-Mucke sprechen, dafür wurde Anspruch und Hochwert geliefert. Mit dem Fan-gewünschten „Staub“ beendete der Mann seine Eröffnungs-Show bedrückend, dafür wunderschön.

20160928_Bochum_Eric_Fisch_and_Friends_Eric_Fish_and_Friends_0126Kurz darauf begannen Eric Fish & Friends ihre Performance. Mit dem ersten Song der neuen Platte, „Des Lebens Lauf“, startete die Reise durch die Gedankenwelt des Ausnahmekünstlers, dessen Refrain mit malerisch-schönem Text daherkommt und bereits den Besuchern des diesjährigen Feuertal Festivals bekannt sein dürfte, bei welchem Fish den Song bereits vorstellte. Mit musikalischer Heiterkeit wird im Folgenden ein Naturphänomen aufgegriffen, welches Eric vor der fantastische Kulisse Norwegens beobachtet haben will, ein Gedankenwirbel als Gleichnis für das Leben des Künstlers mit dem Titel-Track „Mahlstrom“. Die Tour sollte ganz unter dem Motto „Anders Sein“ (vom Debüt-Album: „Live-Auge in Auge 2004“) laufen, so gab der Potsdamer es an, welches auch als Fish-Evergreen gleich als Nächstes gespielt wurde: Nicht nur deswegen, weil einer der Freunde, Uwe Nordwig (Gitarre, Gesang), sich wohl aus dem Projekt verabschiedet hat, sondern auch, weil es diesmal sogar neues Temperament durch ein Schlagzeug gibt, das erstmalig die akustischen Klänge begleiten darf. Ein kleines Highlight markierte wohl das Cover „Es ist an der Zeit“ (Original: „The Green Fields of France“ von Eric Bogle), welches vom Liedermacher Hannes Wader 1980 Deutsch interpretiert wurde. Ein eindringlicher Text, ein wichtiger Anti-Kriegs-Song. Zwischen träumerischen Texten mit kunstvollen Gitarrensoli und nachdenklichen Zeilen aus der Seele des Spielmanns zu herzzerreißenden Mundharmonika-Motiven verläuft das ganze Konzert, leider mit nur wenigen „Klassikern“ von Eric Fishs Soloprojekt, wenn man sie denn so nennen darf. Überwältigend auch die Tatsache, dass die Musiker nach fast drei Stunden Bühnenzeit noch einmal Zeit und Lust für ein ausgiebiges After-Show-Zugaben-Konzert inklusive Falkenberg haben, wie es bei Eric Fish zwar gang und gäbe ist, aber eben doch kräftezehrend für alle Akteure sein müsste. Da machen dann auch die Pannen, die witzig überspielt wurden, rein gar nichts, Herr Fish! Ein reißender Mahlstrom, buchstäblich, vielleicht nicht im Sinne so mancher Metal-Metaphorik, sondern eben in Wort, Stimmung und Bedeutung der Songs. Ein Strom, der die Arme der Zuhörer in die Höhe zwingt, damit diese sich im Takt der Musik hin und her bewegen, zum Klatschen anregt und einfach Spaß macht. Wer sich im Anschluss ans Konzert noch im Eric Fish-Gästebuch verewigen wollte, hatte am Merch-Stand Gelegenheit dazu, bevor es nach Hause ging.

20160928_Bochum_Eric_Fisch_and_Friends_Eric_Fish_and_Friends_0008Fazit: Die intime Atmosphäre durch den kleinen Rockpalast, die Sitzgelegenheiten und die vielen Gäste, die sich auf den Treppen und den Boden gesetzt haben, dazu die gefühlsbetonte Musik mit Tiefgang und die geistreichen Texte – all das sorgte für einen unvergleichlich schönen, anspruchsvollen Konzertabend, welcher mit einem süßen Folk-Touch und einem starken politischen Anstrich zu einem tollen Erlebnis wurde. Falkenberg lieferte die perfekte Einstimmung, auch wenn es bei den Songs des Musikers etwas pessimistischer oder besser gesagt zynischer herging als bei den teils aufbauenden, beschwingenden Songs von Eric Fish. Die Schlagzeuguntermalung passte perfekt ins Bild, flackerndes Kerzenlicht ließ eine schöne, warme und „heimelig-vertraute“ Atmosphäre aufkommen. Gerne beim nächsten Mal ein paar mehr alte Stücke von Eric Fish – doch was braucht man mehr, um glücklich zu sein, wenn man diesem Abend beiwohnen durfte?