Alle Jahre wieder ruft Subway to Sally zur Eisheiligen Nacht zusammen. Wie in jedem Jahr stand auf dieser eisheiligen Tour auch Bochum wieder auf dem Plan. Der RuhrCongress lud daher am zweiten Weihnachtstag zu Musik und Tanz, Met und Miezen und anderen lustigen Dingen ein. Pünktlich um 18.00 Uhr öffneten sich die Tore, um die Wartenden einzulassen. Einige Fans, bekannte Gesichter möchte man fast schon sagen, standen bereits früh am Nachmittag vor der Halle und wurden schließlich mit einem Platz in der ersten Reihe belohnt. Andere Besucher strömten erst kurz vor Beginn der ersten Band vom Parkhaus in Richtung RuhrCongress, sodass es beim Einlass kaum zu Engpässen gab. Bei den herbstlichen Temperaturen machte es allerdings ohnehin nichts, wenn man draußen etwas warten musste. Die Kälte hatte sich um Weihnachten herum aus dem Mr. Hurley und die Pulveraffen-10Ruhrgebiet verabschiedet, sodass zumindest das Wetter bei der Eisheiligen Nacht nicht wirklich mitspielte.

Auch als Mr. Hurley und die Pulveraffen gegen 19.00 Uhr auf der Bühne loslegten, war von Kälte rein gar nichts zu spüren. Zunächst hatte Eric Fish himself das Bochumer Publikum mit einleitenden Worten begrüßt. Die Pulveraffen mit der Kelly Family zu vergleichen war irgendwie schräg, dennoch wurde das Publikum nicht vom Feiern abgehalten. Denn was auf Tortuga passiert, bleibt bekanntlich nun mal auf Tortuga. War es kurz vor Beginn vor der Bühne für die Größe der Halle noch recht übersichtlich gewesen, drängten sich die Menschen bei den ersten piratigen Klängen nach vorne. Songs vom neuen Silberling “Tortuga” wurden ebenso zum Besten gegeben wie alt bewährte Stücke. “Planktanz” wurde wie gewohnt von der fröhlichen Pegleg Peggy begleitet, die das Publikum zu Bochum zum Tanzen animierte. Einen weiteren Auftritt erhielt sie dann als ‘Kinderchor’ bei dem neuen Stück “Schlechtes Vorbild”. Wie bereits auf der Tortuga-Tour im Herbst (-> wir berichteten) durfte auch ein Medley alter Irish Folk Stücke nicht fehlen, das schließlich in “Blau wie das Meer” mündete und den leider kurzen Auftritt abschloss.
Im Anschluss kamen Mr. Hurley und die Pulveraffen recht schnell in den Vorraum der Halle, um Autogramme zu geben. In der Umbaupause wurde es daher auch tatsächlich sichtlich leerer in der Halle. Man hätte fast denken können, dass die heimlichen Headliner des Abends ihren Auftritt bereits beendet hatten. Als dann aber wenig später die Spielleute von Feuerschwanz die Bühne mit einem längeren und humoristischen Intro eroberten, kehrten die Meisten Leute wieder in die Haupthalle zurück. Eric Fish ließ es sich zuvor allerdings nicht nehmen, die Band persönlich anzukündigen. Als Moderator hat er dank des Feuertal Festivals reichlich Erfahrung, allerdings wirkte er in Bochum bei weitem nicht so gut vorbereitet. So betonte er mindestens drei Mal, dass Feuerschwanz nicht sexistisch sondern lustig seien. Dies war wohl eine Anspielung auf den Ausschluss von Feuerschwanz-5einem Studentenfestival vor einigen Jahren, doch keiner der Anwesenden dürfte in der Diskussion damals Partei der Sexismus-Vorwürfe gewesen sein. Dies zeigte sich auch darin, dass Songs wie “Sex is muss” und “Ketzerei” geradezu frenetisch gefeiert wurden. Das Set hielt vor allem Tracks des aktuellen Albums bereit. Neben “Hexenjagd” und “Krieger des Mets”, bei dem Simon Michael von Subway to Sally zur Verstärkung an der Keytar auf die Bühne kam, wurde dem Bassisten zu Ehren auch der Song “Taugenix” gespielt. Da Felix Taugenix im Januar die Band verlässt, wurde er nun vom Bochumer Publikum noch einmal ordentlich gefeiert und machte dann humoristisch seinem Namen alle Ehre, als er einfach ein Bass-Solo an den Song anhängte. Vom Silberling “Aufs Leben” gab es schließlich noch “Zuckerbrot und Peitsche” und “Seemannsliebe” auf die Ohren. Bei letzterem gab es sogar ein riesengroßes Ruderboot im RuhrCongress, das zum Schluss nur noch aus 6 tapferen Ruderern bestand, da das restliche Publikum doch lieber tanzen statt auf dem Boden sitzen wollte. Zwar war das Set von Feuerschwanz etwas länger als das der Pulveraffen, doch hatte man zum Ende hin wieder das Gefühl, es ginge viel zu früh vorbei. Viele nutzten daher auch die Umbaupause, um die Toiletten aufzusuchen, die Merch-Stände oder die Bar zu plündern. Auffällig war dieses Mal, dass sich die Halle nicht mehr so sehr füllte wie zuvor.

Als Mono Inc. schließlich die Bühne betrat, hatte sich die Haller erstaunlicher Weise etwas geleert. Ein harter Kern von Fans feierte die Band aber dennoch und hatte sichtlichen Spaß an der Gothic-Rock-Musik, die möglicherweise nicht so recht zu den anderen Bands des Abends passen wollte. Dennoch war die Stimmung ununterbrochen gut und Tracks wie “Get some sleep” oder “Gothic Queen” wurden ebenso gefeiert wie “Voices of Doom” oder “After the War”, bei dem Michael Simon von Subway to Sally mit seinem Bass unterstützend über die Bühne fegte. Ein Highlight des Abends bot Mono Inc. auf alle Fälle damit, dass sie erneut Major Voice einen Gastauftritt verschafften. Gemeinsam mit der Band interpretierte der Opernsänger beispielsweise den Song “Wonderful Live” und jagte einem mit seiner eindrucksvollen Stimme Gänsehaut über den Rücken. Den gesamten Auftritt rundete Katha Mia mit einem Drum-Battle noch ab, bei dem sie endlich auch mal in den Vordergrund rücken durfte. Zwar fällt sie bei jedem Auftritt durch ihre klare Stimme auf, während sie am Schlagzeug sitzt, doch sieht man sie selten in Interaktion mit dem Publikum. Seit der Einführung des Drum-Battles ist dies allerdings Geschichte. In der Setliste war dann aber auch noch der Song “Children of the Dark” enthalten, der live zwar ebenfalls beeindruckend klingt, aber ohne die anderen Stimmen (Lord of the Lost, Mono Inc-5Lacrimosa und Joachim Witt) fehlte leider das Besondere des Songs.
Nach einer weiteren Umbaupause, in der sich die Halle wieder etwas mehr gefüllt hatte, betrat Subway to Sally nun endlich die Bühne. Als jährliche Gastgeber sind die Besucher längst nicht mehr nur wegen des Headliners bei der Eisheiligen Nacht, doch noch immer ziehen sie einen Großteil des Publikums an. Mit “Sarabande de Noir” begannen sie ihr Konzert und gingen direkt zum Kracher “Schneekönigin” über. Zur Abwechslung gab es in diesem Jahr keine heiße Pyroshow, die die Kälte vertreiben sollte. Gemeinsam mit dem Intro wurde es daher also tatsächlich eine stille und eisheilige Nacht. Die Stille wurde aber von Songs wie “Kleid aus Rosen” oder “Eisblumen” ebenso vertrieben wie die Kälte durch das Tanzen verscheucht wurde. Auch Songs wie “Henkersbraut” und “Tanz auf dem Vulkan” wurden vom Publikum ordentlich gefeiert. Die vorherige Ankündigung, es gäbe 2019 ein neues Subway to Sally-Album ließ wohl einige Herzen schneller schlagen. An diesem Abend in Bochum musste man sich aber noch mit älteren Krachern zufrieden geben. Dass das Publikum dies tat, merkte man schon im Laufe des Abends, als immer mal wieder “Julia und die Räuber” in der Menge angestimmt wurde. Leider war Eric Fish nicht ganz bei Stimme, doch dies Tat der Stimmung im Allgemeinen keinen Abbruch. Auch als sich die Band verabschiedete, wurde erneut “Julia und die Räuber” traditionell angestimmt, um die Gruppe wieder auf die Bühne zu locken. Subway to Sally ließ sich das nicht zweimal sagen und kam für den “Veitstanz” und “Julia und die Räuber” wieder zurück.
Ordentlich aufgeheizt entließen die vier Bands das Publikum in den Weihnachtsabend und in die nicht ganz so kalte Nacht. Man hätte wohl noch viel länger tanzen und singen können, doch man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist. Außerdem wurden bereits die Bands für die Eisheilige Nacht 2018 verkündet, sodass man sich jetzt ein Jahr lang auf den Jahresausklang 2018 freuen kann. Mit dabei im nächsten Jahr wieder am 26.12. in Bochum sind: Versengold, Russkaja und Paddy and the Rats!