Faelder_Turbinenhalle Oberhausen_Vita Nigra-6Eisbrecher begeistern ihre Fans nun schon seit über 15 Jahren mit rockigen und harten Sounds, ehrlichen Texten und einer gewaltigen Prise Gesellschaftskritik. Pünktlich zum 15-jährigen Jubiläum brachte die Band die Best-Of “Ewiges Eis” auf den Markt, die es in sich hatte. Die besten Songs der vergangenen Jahre tummeln sich nun auf einem Doppel-Album, das jede Fan-Playlist ersetzen kann. Selbstverständlich musste das Band-Jubiläum gebührend gefeiert werden. Dafür stand Anfang Mai in vier deutschen Städten alles im Zeichen der Neuen Deutschen Härte. Am 05.05.2019 wurde es in der Turbinenhalle Oberhausen eiskalt, als Eisbrecher samt Vorband die beliebte Location im Ruhrgebiet eroberte.

Der Einlass begann mehr oder weniger pünktlich und schnell hatten sich die ersten Reihen vor der Bühne gefüllt. So manch einen zog es jedoch zunächst zum Merch- oder Bonstand, um sich für den Abend mit Klamotten und Getränken einzudecken. Gegen 20 Uhr betrat Alex Wesselsky die Bühne, um seine Supportband Faelder höchstpersönlich anzumoderieren. Vorher tat er noch etwas für die Gesundheit seiner Fans und warf ein wenig Obst ins Publikum und fotografierte seine Menge. Die Vorfreude auf Eisbrecher war in der Halle geradezu greifbar, doch zunächst präsentierte Faelder Songs aus dem Debut-Album “Unheilbar”, das im November 2018 erschienen ist. Sanfte Elektro-Kläne trafen auf Gothic Rock und düster angehauchte Texte. So manches Mal verlor man den Überblick, wann ein Song begann und ein anderer endete. Andere Titel klangen wiederum als stammten sie von einem der jüngeren Unheilig-Alben. Das verwundert nur wenig, ist doch Unheilig-Keyboarder Henning Verlage mit von der Partie gewesen. Begeistern konnten Faelder nur bedingt, da sie für das Eisbrecher Publikum irgendwie zu ruhig waren. Applaus einiger Fans von ruhigeren Tönen erklang, aber dennoch war spürbar, dass man sich noch viel mehr darauf freute, dass Eisbrecher endlich die Halle abriss.

In der Umbaupause verhüllte man die Bühne mit einem riesigen Banner, das die Vorfreude noch mehr steigerte. Mit den ersten Tönen von “Zwischen uns”, das dieses Mal von einer elektronisch verzerrten Stimme begleitet wurde, fiel das Banner und die Fans rasteten vollkommen aus. Eine fulminante Show begann, der schon in den ersten Minuten dafür sorgte, dass kein Fuß stillstand und keine Stirn trocken blieb. CO2-Kanonen sorgten dafür, dass Konfetti von längst vergangenen Konzerten von der Decke rieselte. Kurz war das schwarz gekleidete Publikum in kunterbunte Papierfetzen gehüllt, doch schon gleich darauf ging es mit “Phosphor” düster weiter.
Eisbrecher packten alte Klassiker wie “Antikörper” aus, ließen aber leider die “Schwarze Witwe” erneut zu Hause. Schade! Die Trauer um den vermissten Song wurde schnell mit Songs wie “Augen unter Null” und “Amok” zunichte gemacht. Souverän und mit viel Elan droschen die Bandmitglieder auf ihre Fässer, während die Stimmung in der Halle überkochte. Zwar war das Konzert nicht ganz ausverkauft, doch bis in die letzten Reihen war die Feierlaune spürbar, obwohl das Konzert an einem Sonntag stattfand. Eisbrecher_Turbinenhalle Oberhausen_Vita Nigra-10Der übrig gebliebene Platz wurde von Tanzenden gefüllt, die auch zu “Eiszeit” ordentlich schwitzten, obwohl es auf der Bühne traditionell wieder schneite. Eisbrecher bewiesen, dass sich durch ihre Bandgeschichte ein roter Faden zieht, der sich gewaschen hat. Da durfte natürlich auch die Gesellschaftskritik nicht fehlen, die gleich mehrmals mit dem Hammer auf die Fans herabsauste. Zum Ende des Konzertes hin lieferten sich Noel Pix an der Maschine und Achim Färber an den Drums ein Duell, das dem Publikum ordentliche Beats um die Ohren schlug. Entschied man sich für ein Unentschieden? Vielleicht. Die Band entschied sich jedenfalls dann den Abend mit “This is Deutsch” zu beenden, das die gesamte Halle eifrig skandierte.

Natürlich ließ es sich die Band nach “Zugabe”-Rufen nicht nehmen, erneut auf die Bühne zurückzukehren und Oberhausen nochmal zu zeigen, wie schlecht die Welt eigentlich ist. “Verrückt” wurde dafür ebenso selbstverständlich gespielt wie “Was ist hier los?”. Ganz tief in die Songkiste griff man dann noch mit “Miststück”, das wiedereinmal mit “Rock me Amadeus” gepaart wurde. Mit “Herzdieb” verabschiedete man sich schließlich endgültig von Oberhausen und hinterließ tatsächlich ein Stückchen Leere.
Das Konzert war von der ersten bis zur letzten Minute ein knallhartes Brett. Ja, man hätte sicherlich noch mehr tolle Songs spielen können, aber einen auszutauschen, um beispielsweise die “Schwarze Witwe” in dem Set unterzukriegen, wäre auch keine Option gewesen. Eisbrecher zeigten sich wie immer souverän, mit einer großen Portion Humor und knallharten Ansagen, die für Jubel sorgten. Laut Sänger Alex könne man ruhig öfter mal freitags demonstrieren gehen. Gute Musik, tolle Statements und ein Publikum, das nach einem solchen Konzert wohl nicht besser in die neue Arbeitswoche starten konnte. Mit dieser Erinnerung fällt das Warten auf das nächste Eisbrecher-Konzert dann doch ein klein wenig leichter.