Seit 15 Jahren pflügt sich der Eisbrecher durch die musikalische Welt der Neuen Deutschen Härte und andere Genres und noch immer steht die Stammbesetzung bestehend aus Alex Wesselsky und Noel Pix an Bord und schaut in die Zukunft. Seit mittlerweile 12, 7 und 5 Jahren gehören auch Jürgen Plangger, Achim Färber und Rupert Keplinger zur Crew des Eisbrechers und begleiten die Reise in die kalten Gefilde der Welt. Nach sieben Studioalben, die teilweise Goldstatus erreichten, war es nun an der Zeit, die vergangenen 15 Jahre Revue passieren zu lassen und das Beste vom Besten auf einer Platte zu bannen. Das Best-Of trägt den Namen “Ewiges Eis“, dessen Cover ein phantastisches Bild von Holger Bücker ziert, erschien am 05.10.2018 und hält die volle Ladung Eisbrecher bereit.

Zeitreise mit dem Eisbrecher

Der erste Song des Albums ist ein Blick zurück, der aktueller nicht sein könnte. Der “Menschenfresser” stammt ursprünglich von Rio Reiser und dröhnt in Eisbrecher-Manier gnadenlos durch die Boxen. Auch jetzt, über 30 Jahre später hat der Song nichts an seiner Aktualität verloren und kommt in der rockigen Variante gleich noch ein wenig brutaler daher. Passend hierzu folgt der Track “Was ist hier los?” vom Album “Sturmfahrt“, der die gesellschaftskritische Ader fortführt. Weiter klar geradeaus und thematisch passend – von der anderen Seite betrachtet – schließt sich “Das Gesetz” an.
Auch weiterhin verweilt der Eisbrecher im vergangenen Jahr, wird mit “Wo geht der Teufel hin?” jedoch ein wenig ruhiger, nur um dann mit “1000 Narben” einen beliebten Klassiker auszupacken, der auch live nichts von seinem Charm eingebüßt hat. Von dem Schock-Album dürfen dann natürlich auch “Rot wie die Liebe” und “Zwischen uns” nicht fehlen, bevor die Reise in das Jahr 2012 zurückgeht. Auch von “Die Hölle muss warten” haben sich die Musiker drei bombastische Songs ausgesucht. Zum einen besticht der Titelsong des Albums mit seiner ruhigen und leicht melancholischen Ader und zum anderen schlagen “Prototyp” und “Verrückt” in die rockige Kerbe.

Aus der “Eiszeit” aus dem Jahr 2010 punktet Eisbrecher auch 8 Jahre später noch immer. Nicht nur auf den Bühnen dieser Welt erscheint der Titel-Track als etwas ganz Besonderes, auch auf “Ewiges Eis” wirkt er wie das Bindeglied zwischen alten und neuen Songs. Nach dem Klassiker “Amok“, das mit seinem ehrlich, gesellschaftskritischen Text und seinen mitreißenden Drums auf keinem Konzert fehlen darf, folgt “Kann denn Liebe Sünde sein” aus dem Jahr 2008. Dass das Album “Sünde” bereits 10 Jahre alt sein soll, kann man kaum glauben, ist doch auch der Publikumsliebling “This is deutsch” noch immer so brandaktuell.
Weiter geht die chronologische Reise durch die Vergangenheit in das Jahr 2006, als das zweite Album der Band erschien. Von “Antikörper” haben es die Tracks “Leider” und “Vergissmeinnicht” auf die erste CD des Best-Ofs geschafft und das zurecht. Hat man die melancholisch-sanften und dennoch harten Songs schon beinahe vergessen, leben sie nun endlich wieder auf. Ähnliches gilt für “Schwarze Witwe” vom ersten Album “Eisbrecher“, das man seit einiger Zeit auch auf Konzerten vermisst. Aus dem Jahr 2004 ist zudem auch “Willkommen im Nichts” auf dem Album vertreten und nachdem man “Himmel, Arsch und Zwirn” noch in der Live-Version (Schock Live, 2015) um die Ohren gehauen bekommen hat, wird die Zeitreise mit “Miststück” (ursprünglich Ende der 90er für Megaherz geschrieben) beendet.

Remixe und Neuheiten

Die zweite CD von “Ewiges Eis” besticht dann durch eine bunte Mischung an Remixen von Bandkollegen und Coversongs wie beispielsweise “Eisbär” (Grauzone), das man bereits im letzten Jahr auf “Sturmfahrt” hören konnte. Darüber hinaus finden sich wahre Raritäten, die Sänger Alex Wesselsky ebenfalls als „gepflegte Ohrenzukleisterei“ seiner Band einstuft. So gibt es beispielsweise die “Schwarze Witwe“, “Adrenalin” und den “Eisbrecher” in völlig neuen Gewändern, die zwar interessant klingen, aber an die Originale einfach nicht herankommen. Man könnte sie als tanzbarere Club-Versionen bezeichnen, doch haben sich gerade die älteren Songs den Fans vermutlich so sehr ins Herz gebrannt, dass eine solche neue Version eigentlich gar nicht nötig wäre.
Im Anschluss erwarten euch noch Tracks, die vermutlich längst in Vergessenheit geraten sind und auch in privaten Playlists möglicherweise kaum auftauchen werden. Mit “Metall“, “Wenn Zeit die Wunden heilt” und “Zu leben” werden einem drei Specials geboten, die es zuletzt auf der Miststück-Edition von “Die Hölle muss warten” zu hören gab. Der “Süßwasserfisch” erklang zuletzt auf der vierten CD der “Schock” Touredition 2016 und auch “Ozean” befand sich bislang lediglich auf der Single-Auskopplung von “Rot wie die Liebe” (2015). Weitere Bonustracks, die häufig auf den Standardeditionen fehlen, tummeln sich nun auf der zweiten CD von “Ewiges Eis” und können damit auch die Fans erfreuen, die eine Limited Edition oder eine längst vergriffene Single nicht ergattern konnten. Dies gilt beispielsweise auch für den Track “Eiskalt erwischt” (Antikörper, 2006) oder auch “Kein Wunder” (Eiszeit, 2004) und “Zeit“, die das Best-Of abschließen.

Eisbrecher auf dem M’era Luna Festival 2018

Zu guter letzt folgen Remixe von [SITD]Aesthetic Perfection, Clawfinger, Neurotic Fish und Die Krupps, die jedoch alle nicht im Ansatz an die Originaltracks heran kommen. Tatsächlich skippt man an dieser Stelle teilweise lieber weiter, bis endlich wieder die Kracher im Eisbrecher-Gewand durch die Boxen dröhnen.

Fazit

Ewiges Eis” von Eisbrecher hat es in sich. Das Best-Of besticht nicht nur durch lang vergessene Songs, die es bislang nur auf Singles oder Sondereditionen zu kaufen und zu hören gab. Auch die Auswahl der übrigen Tracks hätte besser nicht sein können. Alle Klassiker, die jedes Konzert füllen könnten, sind vertreten und werden von einigen älteren Schmankerln noch unterstütz und empor gehoben. Das Cover von Rio Reiser dient hierzu als wunderbare Einleitung, die den älteren Songs in nichts nachsteht.
Auch die Anordnung der Songs gefällt sehr gut. Wenn man den “Menschenfresser” als brandneuen Track betrachtet, wandert man mit der ersten CD bis hin zum “Miststück” aus den 90er Jahren in die Zeit zurück. Zeitgleich erkennt man, dass sich Eisbrecher stets treu geblieben ist, die gesellschaftskritischen Themen sich wie ein roter Faden durch ihr musikalisches Werk ziehen und eine Konstante das Ganze zusammenhält, ohne dass Langeweile oder Eintönigkeit aufkäme. Musikalischer Fortschritt, ohne von seinem Pfad abzukommen und hörbar das zu liefern, was Eisbrecher ausmacht. All dies zeigt die Band mit diesem Best-Of und der Songauswahl. Das Album lässt in Erinnerung schwelgen, regt zum Nachdenken an und begeistert ab der ersten Minute. Vergesst alle selbst erstellten Best-Of-Playlists auf Spotify und Co. Mehr als dieses Album braucht ihr nicht mehr, denn es beinhaltet alle Highlights und noch einiges mehr.

Euch fehlen Songs auf der Platte? Schreibt uns gerne eine Nachricht und verratet uns, welches Lied ihr gern auf dem Album gehört hättet und warum. 

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Band/Autor
Eisbrecher
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Ewiges Eis