Wie jedes Jahr wurde auch 2018 das Spectaculum Nordgavia in Parsberg in der Oberpfalz mit einem rockigen Konzertabend auf der Burg eröffnet. Das Mittelalterfest fand zwar erst am 12. und 13. Mai 2018 statt, jedoch hatten Besucher der Konzertveranstaltung bereits am Freitagabend die Gelegenheit, sich das Mittelalter von seinen schönsten Seiten anzusehen. Am unerwartet schönen und warmen Freitagabend im beschaulichen Parsberg angekommen, fand man bereits kurz nach 17:00 Uhr ohne Gedränge Einlass zum Burgareal, wo das Spektakel und auch die Konzerte stattfinden sollten. Da war also noch genug Zeit, um einmal gemütlich über den kleinen Mittelaltermarkt und um die koenix_02_by_zouberi-dcbehkyLagergruppen im Burggarten zu schlendern. Ambiente? Klasse! Doch schon bahnte sich lautstarkes Getöse an. Gaukler und Freigeist Jolandolo vom Birkenschwamm hatte die Burgbühne für sich erobert und begann fröhlich seine Moderationstätigkeit mit Wortwitzen und allerlei Narretei.

Wer durch die Kugelschreibären und Hubschraubären von Jolandolo noch nicht gleich vollends aus dem Häuschen war, dem heizten dann ab 18:00 Uhr die Schweizer von Koenix ein. Diese legten mit Schlagzeug, Dudelsäcken, Trommeln und Lauten wie Irish Bouzouki, Sitar, Cajon und Davul bei ihren ersten beiden rein instrumentalen Liedern schon einmal den Grundrhythmus für die nächsten Songs sowie Bands vor. Das 10-Jährige Bühnenjubiläum der Formation musste doch ordentlich gefeiert werden, also gab es als nächstes mit dem Song „Être sur Soleure“ einen Klassiker aus Ihrem Album von 2010, ordentlich eins auf die Ohren. Was die Schweizer gesanglich und sprachlich so drauf haben, merkte man bei jedem Titel wieder. Und was durfte bei dem Auftritt natürlich nicht fehlen? Genau „Bell Diablo“, die Kuhglocke des Teufels!
Nach einer kleinen Umbaupause durfte der zauberhafte Gaukler wieder auf seine sehr eigene Art zum nächsten Programmpunkt hinführen. Die Band mit der wohl weitesten Anreise – nein, nicht aus Irland, wie der Name Paddy and the Rats vermuten lässt, sondern aus Ungarn. Mit englischsprachigem Gesang und irisch-ungarischem Akzent auf jeden Fall alles andere als normal oder gar langweilig. Sie selbst siedeln sich gern im Punk-Bereich an, aber durch das Akkordeon kommen beim geneigten Zuhörer auch maritime Gefühle auf. Nach eigener Aussage sind sie dieses Jahr zum ersten Mal in Deutschland unterwegs. Man könnte mutmaßen, dass dies wahrscheinlich der Grund für Ihre Euphorie auf der Bühne war. Laut Sänger Paddy O’Reilly sind die Texte so einfach, dass er sie sich sogar merken kann, also sollten alle lautstark mitsingen. Zudem feuerte er das Publikum zum Pogen an. Das Sextett gab so viel Gas auf der Bühne, dass sogar der Mikrofonständer samt Mikro von der Bühne kippte.

Nach erneuten Einlagen von Jolandolo und nachdem er feststellte, dass die Bands ja eigene Intros haben und nicht lautstark auf die Bühne gerufen werden müssen, kündigte er letztendlich dann doch Versengold mit Flüsterstimme an und ließ deren Intro starten. Natürlich darf bei einem Auftritt von Versengold auch nicht der zum Bandnamen passende Song fehlen. Danach mit „Samhain“ und „Verliebt in eine Insel“ durfte das Publikum dann auch gleich Lieder aus ihrem aktuellen Album „Funkenflug“ hören. „Haut’ mir kein’ Stein“ ist laut Sänger Malte in fünfzehn Jahren Versengold der Song mit der meisten Resonanz von Leuten, welche die Band bisher gar nicht kannten. Dies blieb auch das einzig traurige, aber keineswegs langweilige Lied an diesem Abend. Fans der Band können sich definitiv auf die beiden Fan- und Jubiläumskonzerte freuen, die am 26. und 27.Oktober in Hamburg in der Großen Freiheit steigen. Mit Bassist Eike und dem Song „Wem? Uns!“ durften dann auch alle ordentlich mitgrölen und alles geben. Nach einer Zugabe mit Florians Mandoline und „Ich und ein Fass voller Wein“ gaben das Publikum und die Band in den letzten zwei Minuten alles, somit wurde das Schlusslied „einzigartig mit Glockengebimmel“.

Nachdem der liebe Gaukler in seiner Überschwänglichkeit fast die Bühne abgefackelt hatte, war das Publikum thematisch quasi bestens auf den Hauptakt vorbereitet. Feuerschwanz stiegen gleich mit „Hexenjagd“ und voller Power ein. Tapfer stand auch der neue Gitarrist Jarne Hodinsson, der angeblich siebenjährige Sohn des Prinzen Richard Hodenherz, trotz verletztem Fuß und Orthese auf der Bühne zum ersten Song. Für alle weiteren Titel zog er es dann doch vor, sich auf einen Stuhl zu setzen, ließ es sich aber bei seiner Vorstellung und seinem Solo nicht nehmen, weiter nach vorne auf der Bühne zu hüpfen und auf einem Bein stehend in die Saiten zu hauen. Beim Text von „Blöde Frage, Saufgelage“ ließen es sich die Erlanger nicht nehmen diesen als Tribut an ihre Nachbarn, die Oberpfälzer, umzudichten, sodass dieser lautete „Komm, wir geh’n auf die Piste, wir geh’n wieder in die Oberpfalz! Denn zu Haus’ in Franken ist es stickig und öde und fad“. Was natürlich nicht fehlen durfte und für ausgelassene Stimmung und ordentlich Bewegung im Publikum sorgte, waren feuerschwanz_04_by_zouberi-dcbsjgr„Ringelpietz“ und „Seemannsliebe“. Wobei der liebe Hodi rührend um die Sicherheit im Publikum bedacht war, damit dieses sich trotz überschäumender Stimmung nicht verletzt, denn „Schubsetanz ist Rittersport“! Natürlich hatte die Band mit „Die Hörner hoch“ auch ein neues Stück aus ihrem bald erscheinenden Album „Methämmer“ mitgebracht. Die neue Platte werden sie am 17. August auf dem Summerbreeze Festival präsentieren und ab November geht die Band damit dann auf Clubtour.
Um zwischendurch auch einmal wieder vor lauter Tanzen und Feiern zu Puste zu kommen, gaben sie dann auch noch „Die Spielmannsträne“ zum Besten. Gegen Mitternacht und nach drei Zugaben von Feuerschwanz neigte sich der Rock-Abend schließlich seinem Ende zu. Allerdings taten einem vom vielen Schubsen und Tanzen auch schon die Gliedmaßen weh. Das mochte ein Grund zum Schlafengehen sein, war jedoch nicht der Abschluss. Am Abend selbst ging es dann im Burgsaal weiter und für all jene, die am Wochenende zum Mittelalterfest wiederkommen sollten, wurde gegen Vorlage der Konzerttickets vergünstigter Eintritt gewährt. Dies war das ein gelungener Saisonauftakt in Bayern und auch wir schauen vermutlich nächstes Jahr wieder in Parsberg vorbei.