Hoch über Neftenbach, mit Blick Richtung Töss und noch weiter fand Mitte Juni das 35. Chräen Open Air statt. Das Areal war gemütlich eingerichtet mit einigen Palettensofas, einem überdachten Sitzbereich vor der Hauptbühne und für den Abend mit vielen Lampions. Untertags war die Atmosphäre eher von Gemütlichkeit und Familienfest geprägt, doch gerade die vielen Kinder kamen so in einem guten Rahmen in den Genuss des Festivals.

Kulinarisch konnte man sich neben Hamburgern, Bratwürsten und der Chräenwurst auch mit typisch schweizerischem Raclette versorgen. Neben alkoholfreien Getränken und Bier gab es auch Wein aus der Region sowie leckere Cocktails.

Gegen Abend wurde die Stimmung dann ausgelassener und die Rock- und Metalfans kamen voll auf ihre Kosten. Eröffnet wurde der Tag von einer lokalen Schülerband, The Blackz. Auch wenn den jungen Künstlern ihre Nervosität deutlich anzumerken war, so zeigten sie dennoch einen soliden Auftritt und haben sich den Applaus des Publikums redlich verdient.

Weiter ging es auf der Startrampe mit High Five, ebenfalls eine lokale Band. Die Jungs aus Neftenbach überzeugten nicht nur stimmlich absolut, sondern bewiesen bei den instrumentalen Stücken ihr Können an Gitarre, Schlagzeug, Bass und Co. Noch fehlt High Five ein wenig die Bühnenerfahrung, doch man darf gespannt sein, wie sie sich weiterentwickeln. So richtig rockig wurde es auf der Hauptbühne. Miss Kryptonite lieferten eine energiegeladene Show der Extraklasse ab. Leider war das Publikum eher etwas verhalten, vermutlich war es vielen doch zu warm zum Mittanzen. Die Solothurner ließen sich davon aber nicht verunsichern, sondern gaben von Anfang bis Ende Vollgas. Eine absolute Empfehlung für alle, die auf female fronted Rockkracher stehen.
Auf der Startrampe übernahmen als nächstes die Dead Flowers. Das Trio macht richtig Laune und animierte das Publikum zum Mittanzen. Eine Band die über die Großartigkeit von Schokolade singt, muss man aber auch einfach mögen. Zu dritt auf der Bühne, aber mit einer gewaltigen Energie, rissen die Brüder von The Rule das Neftenbacher Publikum von den Bänken. So langsam kam auch vor der Hauptbühne richtig Stimmung auf und die Leute ließen sich vom 80er-Jahre Hardrock zum abfeiern animieren.

Rockig weiter ging es auf der Startrampe. Gorlami lockten mit handgemachtem Sound, der mehr als nur Stimmung machte. Der kleine Kiesplatz vor der Bühne war ziemlich gut mit abfeiernden Fans gefüllt und man merkte der Band den Spaß an ihrem Auftritt sichtlich an. Passend zu den sommerlichen Temperaturen ging es auf der Hauptbühne mit Reggae made in Switzerland weiter. Jar aus der Region Winterthur brachten auch beim letzten Tanzmuffel die Beine zumindest zum Zucken und irgendwie fühlte man sich plötzlich ein bisschen wie in der Karibik.
Dröhnende Flugzeugmotoren und donnernde Bombeneinschläge, so beschreiben sich Frantic Wingmen selber. Auch wenn auf dem Chräen weder Kampfflieger vorbeischossen noch Bomben einschlugen, so waren die fünf Musiker dennoch eine Wucht. Hardrock gepaart mit Heavy Metal fegte über das Gelände und der Platz vor der Bühne wurde langsam enger. Wer wissen wollte, was denn nun Reggae-Ska-Punk ist, fand die Antwort auf der Hauptbühne. Pueblo Criminal aus Zürich zeigten dem Neftenbacher Publikum, dass dieser Mix mehr als nur funktioniert. Die begeisterten Fans dankten es den fünf mit wildem Abfeiern vor der Bühne. Dabei ließ sich auch kaum jemand von den ersten Regentropfen stören.

Leider wuchsen sich die wenigen Regentropfen bald zu sintflutartigen Regenfällen aus und so quetschen sich alle Besucher unter das aufgestellte Zeltdach vor der Hauptbühne. Als dann aus dem fernen Donnergrollen ein richtiges Gewitter mit Blitzschlägen ringsum sowie heftigen Windböen wurde, entschied ich mich für den strategischen Rückzug.

Das Chräen Open Air ist ein kleines, aber feines Eintagesfestival und einen Besuch definitiv wert.