Reliquiae-9Wie bereits in den vergangenen 15 Jahren öffneten sich auch in diesem Jahr am 19. und 20. August die Pforten des Schloss Broichs für das Burgfolk Festival, jedoch leider zum letzten Mal: Obwohl Schlossherr Michael Bohnes in den letzten Jahren mit hochkarätigen Bands (u. A.: Feuerschwanz, Eluveitie, Omnia, Versengold und Tanzwut)  Line-up bot, musste Bohnes bereits vor dem Fest schweren Herzens bekanntgeben, dass aufgrund rückläufiger Besucherzahlen das Burgfolk in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden werde. Dennoch ließ der Veranstalter sich auch an diesem Augustwochenende nicht lumpen und sorgte mit grandiosen Bands aus den Bereichen Mittelalter und Folk für eine würdige Abschlussparty im Mülheimer Schloss Broich.

Pünktlich um 17.30 Uhr eröffnete die aus Osnabrück stammende Band Reliquiae das Burgfolk mit ihrem „Medieval World Folk“ und stellten von Anfang an klar, dass an diesem Wochenende nicht getrauert, sondern noch einmal ordentlich getanzt und gefeiert werden sollte. Mit einem gut 40-minütigen Set aus ihren bisherigen Alben heizten die sieben Spielmänner dem Publikum Song für Song ordentlich ein. Auch ihr aktuelles Album „Winter“ wurde unter anderem mit den Songs „Deine Flamme“, „Eiswüste“ und „Bergmann“, zu dem Frontmann Bastus in ein Bergarbeiter Outfit schlüpfte, präsentiert. Anschließend enterten die ursprünglich aus UK stammenden, jedoch mittlerweile in den Niederlanden ansässigen Pyrates! die Bühne. Mit ihren Piraten-Outfits und ihrem „Piraten-Folk“ sorgten die 4 Musiker für ordentlich Stimmung im Schlosshof. Immer wieder wurden die Besucher mit einbezogen und so ging das Publikum vor der Bühne unter anderem bei „Chicken on the raft“ und „Full Sail Mates“ sehr gut mit. Letzteres wird mit drei weiteren neuen Songs, die gespielt wurden, auf der nächsten Scheibe der Pyrates! zu hören sein. Fans der Band sollten das keines Falls verpassen.
Wer bei den voran gegangenen Acts ausgelassen gefeiert und getanzt hat, Saltatio Mortis-10konnte ab 19.30 Uhr bei Folk Noir ein wenig ausruhen. Mit folkigen, jedoch eher ruhigeren Klängen und ihrem „darker kind of folk“ verzauberten die Musiker um die beiden Faune Oliver s.Tyr und Sebastian Groth das Publikum. Zwischendurch sorgte Sänger Oliver noch dafür, dass eine Festivalbesucherin ihr verlorenes Handy wiedererlangte. Für das Line-up waren sie eventuell zu ruhig, aber sie hatten sichtlich ihren Spaß.
Als Headliner des Freitags betraten die Spielmänner von Saltatio Mortis die Bühne und rockten mit ihrem Mittelalter-Rock sowie dem aktuellen Album „Zirkus Zeitgeist“ das Schloss Broich. Während des Sets holte Frontmann Alea Michael Bohnes auf die Bühne, um diesem im Namen der gesamten Band für die jahrelange Zusammenarbeit persönlich zu danken. Sowohl Bohnes als auch das Publikum waren gerührt und selbst der Wettergott schien um das Burgfolk zu trauern: War das Wetter bis dahin sehr angenehm, ging ein Regenschauer vom feinsten auf die Besucher hinab. Diese ließen sich davon jedoch nicht unterkriegen und feierten bis zum Schluss gemeinsam mit den Spielleuten.

Am Samstag machten dann Krayenzeit den Anfang dieses angenehm warmen Tages. Pünktlich um 13 Uhr läuteten sie den zweiten Festivaltag ein und obwohl leider noch nicht allzu viele Menschen anzutreffen waren, wussten die Musiker aus Stuttgart, die Anwesenden mit ihrem deutschsprachigen Mittelalter-Rock zu erfreuen. Neben Songs aus ihren bisherigen Alben, spielten Krayenzeit zum Schluss mit „Tenebra“ und „Fegefeuer“ zwei neue Titel ihres am 26.08. erscheinenden Albums „Tenebra“. Danach ging es mit der Bielefelder Folk-Band Mythemia weiter. Diese boten „Fantasy-Folk“ mit deutschen als auch englischen Texten und fielen vor allem mit ihrem Didgeridoo auf der Bühne auf. Immer wieder animierte die Band das Publikum zum Mitmachen, welches sich nicht lange bitten ließ und zu Titeln wie „Keepers of the Sky“, „Piratenballade“ und „A kingdoms Tale“ mitging. Zwischendurch löste sich der untere Teil vom Mikro, was Sängerin Shilan Ski's Country Trash-7mit einem „Das ist mir auch noch nicht passiert“ kommentierte und für das ein oder andere Schmunzeln im Publikum sorgte. Ansonsten lieferten die Band einen soliden Auftritt ab, welchen sie mit kleineren Pyro-Effekten beendeten.
Um kurz nach 15 Uhr übernahmen dann The Aberlours die Bühne, welche nach eigener Aussage schon seit einiger Zeit auf dem Burgfolk auftreten wollte. Bei der letzten Auflage des Festivals hatte es nun geklappt. Und so unterhielt die Band das Publikum mit etwas ruhigeren Mittleralter-Rock Tönen. Auch hier hatte das Publikum Spaß und schwang bereitwillig das Tanzbein. Zwischen einigen Titeln gab es von Seiten der Band immer wieder ausführliche Hintergrundinfos zu den jeweiligen Musikstücken, welche teilweise als zu lang empfunden wurden.
Eine gehörige Portion Metal, welcher mit Dudelsack und einer Leier untermalt wurde, boten anschließend die Regensburger von Ingrimm auf der Bühne. So kamen auch Freunde der härteren Klänge beim Burgfolk auf ihre Kosten. Mit ihrem harten Sound und Stücken wie „Eisenwind“, „Skudrinka“ und „Tempus Fugit“ sorgten Ingrimm für ordentlich Stimmung im Schlosshof. Vor der Bühne wurde ordentlich getanzt, geheadbanged und gefeiert. Zum ersten Mal an diesem Tag wurde vom Publikum nach dem letzten Song „Sag Mir Nicht“ lauthals nach einer Zugabe verlangt. Diesem Wunsch kamen die Regensburger mit dem Titel „Vogelfrei“ nach. Pünktlich um 17.30 Uhr betrat ein alter Bekannter die Bühne: Ski, der einst mit Beloved Enemy und nun als Ski-King durchs Land reist, sorgte mit seinem Ski’s Country Trash für eine bunte Mischung aus Blues, Country und schnelleren Rockstücken für gute Stimmung vor der Bühne. Zwischenzeitlich wurde der E-Bass durch einen Kontrabass ersetzt und auch einige ruhigere Stücke gespielt. Hier kam es zum ersten beschwingten Circle Pit des Tages und auch hier erklangen nach dem letzten Stück „Ghost Riders In The Sky“ lautstarke Rufe nach einer Zugabe. Dies nutzte Ski zu einer kleinen Dankesrede für den Veranstalter Michael Bohnes. Unter tosendem Applaus traten dann die Band und der Veranstalter noch einmal auf die Bühne. Letzterer drückte dann ein Auge zu und somit gab es noch „Join Me“ und „Folsom Prison Blues“ als Zugabe. Mit Rapalje betrat im Anschluss die vorletzte Band des Tages die Bühne. Die niederländische Irish-Folk-Band bedankte sich für ihre mittlerweile dritte Teilnahme am Burgfolk Festival und zeigte dem Publikum einmal mehr, dass auch eine eher ruhigere Folk-Band Verwendung für Pyrotechnik hat. So setzte die Band im Verlauf des Konzertes sogar ihren Dudelsack in Brand. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus heiteren und Russkaja-4fröhlichen Songs bis hin zu melancholischen Stücken sorgten die vier Musiker für eine ausgelassene Stimmung vor und auf der Bühne. Neben typisch Irish-Folk Songs wie „Caledonia“, „Whiskey In The Jar“ und einer niederländischen Version von „Was Wollen Wir Trinken“ spielte die Band zu Ehren von Michael Bohnes unter anderem den Manowar-Klassiker „Heart Of Steel“. Auch Rapalje spielten auf Verlangen der Besucher eine Zugabe, bei der der Dudelsackspieler eine Polonaise durch das Publikum startete. Unter großem Jubel verabschiedeten sich die Niederländer von der Bühne und machten Platz für den Headliner des Abends: Russkaja.
Diese waren schon im Vorjahr ebenfalls Headliner des Burgfolks gewesen und sorgten mit ihrem Musikstil aus Rock, Ska und Ostblock-Polka auch an diesem letzten Tag des Festivals für eine grandiose Abschiedsparty. Eines der Highlights war „Psycho Traktor“, zu dem der halbe Innenhof von Schloss Broich, nach Anweisung von Sänger und Frontmann Georgij, im Kreis lief. Wie am Tag zuvor, öffnete auch hier der Himmel kurz seine Schleusen. Doch erneut ließ sich das Publikum davon nicht abbringen zu Russkajas unterhaltsamer Musik mit gelegentlichen Pyro-Effekten weiter zu feiern und das letzte Burgfolk Festival mit ordentlich Partylaune zu Songs wie „Rock’n’Roll Today“ und „Wake Me Up“ (im Original von Avicii) ausklingen zu lassen. Nach einer Zugabe, bei der Band und Publikum noch einmal alles gaben, verabschiedeten sich Russkaja unter großem Jubel und somit ging auch das letzte Burgfolk dem Ende zu.

Fazit: Viele Fans des Burgfolks werden sich gerne an die verschiedenen Auflagen des Burgfolk Festivals zurückerinnern. Da dies mein erstes und zugleich leider letztes Burgfolk war, bin ich doch ein wenig traurig, dass ich all die Jahre zuvor verpasst habe. Die zwei Tage mit einem sehr guten und sehr abwechslungsreichen Bandaufgebot, überaus genialer Stimmung und der familiären Atmosphäre gingen meiner Meinung nach viel zu schnell vorbei. Wirklich schade, dass ich diese Perle von Festival erst bei der letzten Gelegenheit entdeckt habe. Alle Fotos des Festivals gibt es in unserer Galerie (-> hier).