In_Strife_06Kurz vor Halloween versammelten sich dunkle Gestalten undefinierbaren Alters vor dem F-Haus in Jena. Was beginnt, wie ein Horrorfilm, war aber mehr ein Schmaus für Augen und Ohren. New Model Army spielten am Samstag, den 29. Oktober, im F-Haus auf, dazu noch mit „Special Guests“. Einlass war um 19:00 Uhr, daraufhin bildete sich vor der Location in der Innenstadt eine kleine Schlange. Diese löste sich allerdings schnell wieder auf und los ging der Konzertabend somit pünktlich um 20:00 Uhr.

Die erste Überraschung des Abends gab es sogleich zu Beginn: Unangekündigt und somit wohl von den meisten unerwartet gab es doch eine Vorband. In Strife, eine junge Band direkt aus Jena, hatte die Ehre, den Samstagabend im F-Haus zu eröffnen. Die Newcomer taten dies gebührlich und wärmten mit hartem Rock sowie starker weiblicher Stimme das Publikum auf. Mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug wurden lange Songs mit kurzen Titeln gespielt, welche die anfangs verhaltene Stimmung etwas auflockerten. Eine Dreiviertelstunde durften die Jenaer einheizen und bedankten sich danach recht herzlich für die Gelegenheit.

Back to the 80s and 90s

Während der Umbaupause füllte sich der Saal langsam immer mehr. Um circa 21:15 Uhr war es dann so weit: die Raumbeleuchtung wurde reduziert, Kunstnebel zog auf und schließlich betraten New Model Army die kleine Bühne. Mit „Christian Militia“ und „Lust for Power“ wurden sogleich zwei Klassiker angestimmt, die dem Publikum wohlbekannt zu sein schienen. Immerhin war das Durchschnittsalter im Haus deutlich über dem der Lieder, welche 1984 beziehungsweise 1990 zuerst veröffentlicht wurden. Nahtlos wurde danach zu „Never Arriving“ umgeschwenkt, welches sich auf dem aktuellen Album von 2019 namens „From Here“ wiederfindet.

Doch die Zeit stand still bei New Model Army. Die 42 Jahre an Bühnenerfahrung merkte man Justin Sullivan zwar deutlich an, doch teilte der Sänger mehrfach mit, er fühle sich wieder wie mit 18 Jahren. Entsprechend kam auch zusehends gute Stimmung im Publikum auf, das sich sichtlich von der zeitlosen Musik mitreißen ließ. Soeben ging es zurück in die 90-er Jahre mit „Here Comes The War“ und „Believe It“, dann noch weiter bis in die tiefsten Achtziger hinein mit dem Thatcher-Song „1984“ und „The Charge“. Die musikalisch eher trockene Zeit zwischen 1995 und 2013 wurde getrost ignoriert und man knüpfte geschickt mit den Erfolgen aus dem letzten Jahrzehnt an die „gute alte“ Zeit an.NMA_03

Zu „Devil’s Bargain“ wurde die Akustikgitarre ausgepackt und die zusätzlichen Trommeln am rechten Rand der Bühne wurden zudem endlich benutzt. Mit „Maps“ und „Where I Am“ folgten noch zwei weitere Songs vom neuesten Album. Dabei wurde mit charaktervoller Show und unerwartet gutem Sound das Maximum aus der vorhandenen Technik herausgeholt. Sullivans selbst ging an die Grenzen seiner Stimme und wirkte kurzfristig tatsächlich etwa 40 Jahre jünger als der grauhaarige Mann, der in der Mitte der Bühne stand. Passenderweise wurde nach ein paar jüngeren Stücken dazu noch „Before I Get Old“ angestimmt.

Durch einen äußerst sanften Übergang wurde danach zu „Vagabonds“ übergeleitet. Das Publikum war merklich erleichtert. Nach den ganzen tiefgründigen Texten, endlich ein Song, den man getrost mitgrölen konnte! Abgerundet wurde das Konzert noch mit „The Hunt“, ebenfalls ein Erzeugnis der Achtziger.

Zum Abschluss gab man mit „Fate“ und „The Ballad of Bodmin Pill“ noch eine kleine Zugabe an wohlbekannten sowie nostalgischen NMA-Songs. Der Abschied wurde kurz und schmerzlos vollzogen: mit einem fast wortkargen „Thank you, goodbye!“ verschwanden Sullivan und seine Bandkollegen von der Bühne und die Menge brauchte erst ein Weilchen, um wie aus einem angenehmen Traum wieder aufzuwachen.