Zurück an seinem gewohnten Datum, dem letzten Juni-Wochenende vom 23. bis 24. Juni 2023, konnte das Feuertanz Festival in Abenberg bei Nürnberg erneut Mittelalter-Fans von Klein bis Groß begeistern! Feuerschwanz am Freitag sowie Mr. Hurley & Die Pulveraffen und In Extremo waren die Höhepunkte für die rund 4.500 Besucher des erneut ausverkauften Festivals. 

Von Regen zu Feuer am Freitag

Dass das Feuertanz ein stürmisches Erlebnis für alle Sinne ist, wurde bereits Donnerstagnacht im Vorfeld bewiesen. Kurzfristig mussten die schon gut gefüllten Campsites aufgrund eines starken Unwetters evakuiert werden. Nach etwa einer halben Stunde zog der ungeduldige Sturm weiter und die Leute konnten zu ihren Zelten zurückkehren. Erfolgreich abgekühlt ging es dann am regnerischen Freitag zur Mittagszeit auf der Burg los. Bastille von Coppelius moderierte den Tag und ließ sich von Wind und Wetter nicht den ulkigen Spaß verderben.

Hochmotiviert legten um 13:00 Uhr Storm Seeker vor bereits zahlreichem Publikum los. Vor einigen Wochen war das neue Studio-Album „Nautic Force“ der Folkmetal-Piraten erschienen, aus diesem Anlass wurde die aktuelle Single-Auskopplung „Miles & Miles“ feierlich präsentiert. Darauf folgten die Schotten von Saor Patrol mit etlichen Songs über Alkohol, was die Band auch ohne Gesang ganz gut zu vermitteln wusste. Die mittlerweile in Deutschland und den Niederlanden ansässige Band wies auf ihr ebenfalls neues Album „2.0“ hin. Mit ein wenig Regen aber ordentlich Wumms sorgten dann Skiltron für einen großen Moshpit. Ultraepisch präsentierten die Wahl-Spanier sich und wie ihre Vorgänger eine bald erscheinende neue CD. Doch auch für eingefleischte Fans gab es ein Schmankerl: „The Beheading“ wurde exklusiv für das Feuertanz zum ersten Mal seit 2010 live gespielt.
Kurz vor 18:00 Uhr folgte dann der Paukenschlag. Wie befürchtet, konnten Irdorath aus bekannten Gründen nicht auftreten. Jedoch kamen Nadseja und Uladsimir für einen Moment auf die Bühne, um sichtlich erleichtert und den Tränen nahe ein kurzes Lebenszeichen von sich zu geben. Die gesamte Band hat es mittlerweile geschafft, zu fliehen.

Fuchsteufelswild bespielten den Sechs-Uhr-Slot als Vertretung. Das sorgte für ein unerwartetes Wiedersehen mit Linus Haering, dem Drummer von Coppelius, welcher nun auch bei FTW eifrig die Drumsticks schwingt. Der Dudelsack dagegen musste vom Band eingespielt werden, da Sänger Basti nach einer Operation diesen noch nicht wieder selbst spielen soll. Gute Genesung an dieser Stelle!
Mit neuen Outfits und vielen Masken traten danach Tanzwut ins Rampenlicht. Mit ihrer Show zu „Silberne Hochzeit“ präsentierten sich der Teufel und seine Crew auch nach über 25 Jahren Bandgeschichte immer noch frech und spielfreudig. Richtig heiß wurde es dann schließlich noch bei Feuerschwanz. Die Hitze steckt ja schon im Bandnamen, nichtsdestotrotz nahm man diesen wörtlich und lieferte eine große Feuershow, passend zum mittlerweile bereits veröffentlichten Silberling namens „Fegefeuer“. Die Feuerschwänze freuten sich riesig über ihre erste Headliner-Show auf dem Feuertanz, nachdem die 2020 geplante aufgrund der Pandemie ausgefallen war und durch einen Live-Stream ohne Publikum vor Ort ersetzt werden musste. Nach einer ausgiebigen Zugabe wurde auf das Nachtprogramm im Burgsaal verwiesen: Um Mitternacht fand dort das „Memento Mori – Theatrum Diaboli“ statt, das Puppentheater von Tanzwut. Danach folgte sanfter Folk von Brisinga mit zwei Damen, welche man bereits von Storm Seeker kennen dürfte.

Bestes Festivalwetter am Samstag

Bei klarem Wetter läuteten am Samstagmittag die Gossenpoeten den zweiten Festivaltag ein. Munter wurden dem mitschunkelnden Publikum zwei neue Singles präsentiert. Dazu wurde live ein Musikvideo aufgenommen, was die Begeisterung nicht gerade schmälerte. Zum Mitgrölen luden kurz darauf die Kollegen von Rauhbein ein. Die Newcomer präsentierten ihr bereits zweites Album und wurden vom Feuertanz wärmstens empfangen. Von der sommerlichen Nachmittagshitze ließen sich später die fünf Musiker von Koenix nicht beeindrucken. Das Quintett erzählte gelassen von Gletscherfeen, Berggeistern und Schneedrachen. Dies sorgte für Abkühlung, sodass man trotz Hitze das Tanzbein schwang.

Ob es an der Hitze oder den koenixlichen Fabelgeschichten lag, ist nicht überliefert, doch kurz vor 18 Uhr versteigerte Bastille in einer scheinbar spontanen Live-Auktion seine selbst mitgebrachte Stehlampe für den guten Zweck. Die Versteigerung erhöhte die Spannung, die sich bei Paddy and the Rats entlud. Die Rats hatten vom Cover von „Moonlight Shadow“ bis zur Wall of Death zu eigenen Klängen alles im Gepäck. Mit harten und punkigen Titeln überzeugten die Ungarn das Publikum.
Erneut gab es auch an diesem Tag einen emotionalen Höhepunkt, nämlich die Hochzeit. Oder zumindest die Ankündigung dazu. Der langjährige Security-Chef Tom machte seiner Liebsten gleich direkt auf der Bühne den Antrag. Spoiler: Sie hat ja gesagt! Ob nun auch alle Anwesenden zur Hochzeit geladen werden, ist nicht bekannt. Dennoch, herzliche Gratulation!

Das große Finale zum Schluss

Um 20:00 Uhr legten schließlich Mr. Hurley und die Pulveraffen los besangen feierlich ihre lange Kaperfahrt von der Startkapelle zum Co-Headliner. Am Vortag erschien obendrein die neue Video-Single „Leuchtturm“, welche nun zum allerersten Mal live gespielt wurde. Das perfekte Piratenfest fand sein Ende in einem großen Medley und zum Abschluss den obligatorischen „Blau wie das Meer“-Chor, gesungen gemeinsam mit Mitgliedern von Vera Lux, Reikas Tanz, den Gossenpoeten und weiteren.
Headliner des Tages waren niemand geringerer als In Extremo. Die Berliner hatten wie üblich einiges an Pyrotechnik dabei. Dass es damit kurzfristig zu Problemen kam, ließ sich die Band kaum anmerken, es wurde reibungslos weitergespielt. Dargeboten wurde ein buntes Programm, quer durch die langjährige Bandgeschichte. Für Fans jeden Alters auf alle Fälle ein Genuss! Ebenso rockig, doch gedämpft durch die Mauern des Burgsaals vollführten später noch Vera Lux das Abschlusskonzert um Mitternacht. Leider passten nicht alle Interessierten in den Saal, doch durch die geöffneten Türen und Fenster konnte man dem Konzert auch entspannt von draußen lauschen.

Fazit und Aussicht auf nächstes Jahr

Das Feuertanz Festival blieb wie stets seinen Wurzeln treu und bot ein rundes Erlebnis für Groß und Klein. Man merkte sichtlich, dass der Altersdurchschnitt der Besucher:innen in den letzten Jahren gestiegen ist: Es geht deutlich gelassener und entspannter zu als in den Jahren vor Corona. Für das kommende Jahr sieht es ebenfalls schon gut aus. Das Concertbüro Franken hat das Datum mit 21. und 22. Juni 2024 bereits bestätigt. Man sieht sich also nächstes Jahr wieder auf Burg Abenberg!