Feuertal-2022-the-oreillys-and-the-paddyhats-1Zwei Jahre lang war es still auf der Hardt, doch nun konnte das Feuertal Festival 2022 nach drei Jahren endlich zurückkehren und wieder einen wundervollen Tag voller Musik in Wuppertal zelebrieren. Am Samstag, den 27. August 2022 luden Szene-Größen wie Fiddler’s Green und Versengold zu Tanz und Gesang zu angenehmen Temperaturen beim ausverkauften Festival. Schon zum Einlass um dreizehn Uhr bildete sich eine lange Schlange an sehnsüchtigen Festivalgängern, die sich nach langer Durststrecke auf einen langen Tag gespickt mit musikalischen Highlights freuten. Um dreiviertel Zwei betrat zuallererst Moderator Eric Fish die neue Waldbühne – die alte mit dem dazugehörigen Zelt wurde offenbar in der festivallosen Zwischenzeit abgebaut. Eric begrüßte die Gäste traditionell mit der Feuertal-Hymne.

Kurz vor der vollen Stunde eröffneten dann Thanateros das Festival. Dieser Name ist durchaus kein unbekannter, allerdings hatte sich die ursprüngliche Folk-Metal-Band 2010 aufgelöst. Mastermind Ben Richter hatte dem Projekt im Jahr 2019 neues Leben eingehaucht und sich durch die Pandemie auch nicht wieder von seinem Weg abbringen lassen. Nach „Insomnia“ (2019) erschien dieses Jahr mit „On Fragile Wings“ bereits das zweite neue Album seit dem Revival. Unter anderem wurde die Singleauskopplung „Coven of the Drowned“ live präsentiert, welche gemeinsam mit Überraschungsgast Johanna Krins gesungen wurde. Im Vergleich zur alten Formatio fiel auf, dass nun deutlich düstere Akzente gesetzt werden und die Folk-Elemente allgemein etwas in den Hintergrund geraten.
Nachdem Eric Fish die Überleitung mit „On the Road Again“ altmeisterlich dargeboten hatte, stürmten schließlich The O’Reillys and the Paddyhats ins Rampenlicht. Die „Iren aus der Nachbarstadt“ begeisterten mit ihrem Irish-Folk-Punk die Menge, welche fleißig mitgrölte und sich auch nicht vor einer Sporteinheit zu „Old Gang’s Lullaby“ durchaus nicht scheute. Paddy Maguire, der neue Sänger der Paddyhats, zog mit seiner im Vergleich zu seinem Vorgänger Sean raueren Stimme einige Aufmerksamkeit auf sich, nichtsdestotrotz wurde das Konzert ausgiebig von den Fans gefeiert.

Aus der Gosse und von Pechvögeln

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Apropos rau: nach den gepflegten Iren ließen Knasterbart am späten Nachmittag buchstäblich die Sau raus. Dazu gab es allerlei Anlass, denn die Bande aus der Unterschicht löst sich leider auf. Der Gig auf dem Feuertal Festival markierte den letzten Open-Air-Auftritt der Kultband.

 Es soll einzig noch eine Club-Tour im späten Winter folgen, dann verabschieden sich die Knasterbärte von den Bühnen dieser Welt. Gut, dass die meisten Mitglieder in ihren Hauptbands verweilen, so gehen zumindest die Musiker der Szene nicht verloren. Zum Abschied gab es Geschenke von den Fans auf die Bühne; Filzläuse, was will man auch von den Getreuen des Pöbels erwarten. Jedenfalls wurde das letzte Freiluftkonzert ordentlich und mit vielen „Gossenhauern“ gefeiert!

Vom Pech verfolgt schien dagegen Patty Gurdy zu sein. Der damals frisch gegründete Patty Gurdy’s Circle hätte 2020 beim Feuertal auftreten sollen, Corona machte damals schon einen Strich durch die Rechnung. Offiziell wurde der erlesene Kreis inzwischen wieder aufgelöst und der Auftritt auf der Hardt 2022 sollte einer der wenigen in dieser Form überhaupt werden. Und dann streikte die Technik: Stromausfall mitten im Konzert. Erst wurde noch versucht, die Zeit mit Geschichten und Flachwitzen zu überbrücken, doch dann folgte der Totalausfall. Schließlich war klar, das Konzert musste abgebrochen werden, um die Probleme noch vor dem nächsten Festivalgig in den Griff zu bekommen. Patty konnte man später an ihrem Merch-Stand antreffen, wo sie sich dann extra viel Zeit für ihre Fangemeinde nahm.

Zum Glück konnten die technischen Turbulenzen bis zum nächsten Konzert behoben werden. Das freute nicht nur Fiddler’s Green, sondern auch die Fans, welche sich in dichten Reihen vor der Bühne versammelten. Die Fiddlers legten gleich krachend los mit „Whiskey in the Jar“, „The More the Merrier“ und „Bottoms Up“. Es folgten vor allem weitere Traditionals im von der Gruppe gewohnten Speedfolk-Stil. Damit wurde die Werbetrommel für die 2020 erschienene Compilation „3 Cheers for 30 Years“ gerührt – mittlerweile rocken Fiddler’s Green große und kleine Bühnen seit über 32 Jahren. Natürlich durften auch ein paar beliebte Eigenkompositionen wie „Yindy“ nicht fehlen. So kamen alle Folk-Fans auf ihren Genuss.
Den abschließenden Auftritt und somit den Headliner hatten Versengold inne. Mit neuem Intro wurde Spannung erzeugt, dann starteten die Bremer mit „Durch den Sturm“ in das eineinhalbstündige Nachtkonzert. Der Fokus lag auch hier auf neuen Stücken, insbesondere auf Titeln vom neuen Album „Was kost‘ die Welt“, welches im Januar erschien. Die Zeit der Online-Releases und Konzert-Streams saß den Nordlichtern noch deutlich im Nacken, so merkte man dem Sextett klar und deutlich an, dass sie wieder große Lust auf Live-Auftritte vor realem Publikum hatten. Einige ältere Songs aus dem mittlerweile breiten Repertoire wurden später ebenso eingebracht. Sänger Malte wies noch darauf hin, dass die Truppe bald ihr 20-jähriges Bestehen feiern wird. Ein Hinweis auf große Events im kommenden Jahr?

Feuertal-2022-versengold-5Fazit

Abgesehen von technischen Problemen und einem gewöhnungsbedürftigen neuen Sound konnte das Feuertal insgesamt auf alle Fälle wieder überzeugen. Der – wahrscheinlich wirtschaftlich bedingt – schwächelnde Mittelaltermarkt konnte durch die vertraute, familiäre Atmosphäre sowie fulminante Konzert-Highlights mehr als nur ausgeglichen werden. Da bleibt nur noch anzumerken, dass der Termin für das nächste Festival bereits feststeht: Samstag, der 26. August 2023! Mit dabei werden unter anderem Feuerschwanz, Letzte Instanz und Die Apokalyptischen Reiter sein!