Venues_Carlswerk-Koeln_2022-12Am Samstag stand im Carlswerk Victoria in Köln alles im Zeichen der 25-jährigen Jubiläumstour von Emil Bulls. Nachdem das Konzert zwei Mal verschoben werden musste und es sogar einen Termin in einer anderen Location geben sollte, konnten die Fans mit der Band nun endlich feiern. Schon vor Einlass standen einige Ungeduldige vor den Türen des Carlswerk in der Kälte. Relativ pünktlich wurden sie eingelassen und verteilten sich auf die Bars, den Merchandise-Stand und die ersten Reihen der Halle. Sowohl auf der Website des Carlswerk als auch auf Facebook oder den verschiedenen Karten standen unterschiedliche Uhrzeiten. Zwar war der Einlass mit den Infos auf der Location-Website korrekt, jedoch begann die erste Band zu einer völlig seltsamen Zeit. Einige dürften The Disaster Area somit verpasst haben – schade!

Das Beste aus der Situation machen

Während die Anwesenden vom Auftritt der ersten Band praktisch überrascht wurden, traten The Disaster Area ohne ihren Sänger auf. Als Ersatz hatten sie Freund Fynn dabei, der die Show spontan und souverän meisterte. Auch wenn er nicht unbedingt jeden Ton traf, wurde die erste Vorband durchaus würdig gefeiert. Zunächst hatte Bassist Markus erfragt, wer die Band denn kenne. Kurzes Durchzählen ergab, dass „genau 5 Leute“ die Band schonmal gesehen hätten. Die rockigen Riffs kombiniert mit teils elektronischen Interludien und Intros begeisterten aber wohl noch so einige andere. Ehrlich und nahbar gab sich die Band aus Bayern auch als sie nach dem Konzert auf einen Plausch an den Merchandise-Stand einluden. Der Kontakt zu den Menschen war genau das, was in der Pandemie gefehlt hat – an dem Abend in Köln hatte man die Chance, das Verpasste nachzuholen. Schade, dass die Band mit Gastbesetzung reisen musste, doch sie haben das Beste aus ihrer Situation gemacht und gut für die folgenden Bands eingestimmt.
Da schon The Disaster Area zu einer seltsamen Uhrzeit begonnen hatten, war es wenig überraschend, dass auch Venues zu einer eher ungewöhnlichen Uhrzeit die Bühne betraten. Kurz vor halb 9 begannen sie ihr energiegeladenes Set. Das männliche Shouting mit dem weiblichem, kraftvollen Cleangesang, der sich gewaschen hat, passte perfekt zusammen. Kein Wunder, dass sich die Halle vorne zusehends füllte und immer mehr Menschen ausgelassen feierten. Mit im Gepäck hatten Venues aus Stuttgart ihre Single „Reflections“, kurz darauf stellten sie jedoch auch eine neuere Single vor, den Sängerin Lela als den „härtesten und lautesten Venus-Song“ vorstellte. Natürlich durfte dabei auch kein Circle Pit fehlen. Bei ihrem vorletzten Song begab sich Sängerin Lela in die Menge, sang aus dem Pit heraus und ließ sich dann über die Hände zurück über die Bühne tragen. Ein Highlight sowohl für das Publikum als auch für die Band.

Vorhang auf!

In der Umbaupause wurde ein großer Vorhang vor die Bühne des Carlswerk gezogen. Die Spannung in der Halle stieg, während sich die Emil Bulls auf ihr Jubiläumskonzert in Köln vorbereitete. Nach dem Fall des Vorhangs und der Aufforderung, sich an dem Abend mal so richtig daneben zu benehmen – wobei das Konzert insgesamt sehr friedlich verlief – ließen sich die ersten Fans über die Hände nach vorne tragen. Ein „Ich will ein Bier von dir“-Schild in den ersten Reihen wurde schon bald der Running-Gag des Abends und so wurde schon nach dem dritten Song das erste Bier von der Bühne ins Publikum gereicht.
Beim fünften Song nahm Sänger Christ selbst die Gitarre in die Hand, suchte immer wieder die Nähe der Fans und saß schließlich mit der Gitarre in der Hand auf der Absperrung und sang gemeinsam mit dem Publikum. Die Stimmung hätte kaum ausgelassener sein können und wurde von der Band immer wieder angeheizt. Es herrschte eine immense Energie und Freude, die nahezu greifbar war – obwohl die Halle nicht komplett voll war. Ernste Worte durften an diesem Abend auch nicht fehlen, denn Sänger Christ machte darauf aufmerksam, dass so ein Konzert nicht allen Kollegen der Branche vergönnt sei, weil die Vorverkäufe so schlecht liefen. Man bedankte sich dafür, die „geilsten Fans der Welt“ zu haben und diese bewiesen das dann auch gleich bei „Nothing in this world“, bei dem sich fast die gesamte Halle ohne Aufforderung hinkniete.

Ein Wechselbad der GefühleEmil-Bulls_Carlswerk-Koeln_2022-2

Der letzte reguläre Song war schon fast eine Zäsur, so ruhig und melancholisch wirkte „Winterblood“ mit der stimmungsvollen Lichtshow. Dass das nicht das Ende sein konnte, war eigentlich allen klar und so kam die Band unter lauten „Emil Bulls“-Rufen zurück auf die Bühne, um so schwungvoll weiterzumachen als hätte es den kurzen melancholischen Zwischenstopp nicht gegeben. Es flogen Herzchensonnenbrillen und ein BH auf die Bühne, doch nichts brachte Gitarrist Brocko aus dem Konzept.
Für das Destiny’s Child Cover von „Survivor“ kam Lela von Venues auf die Bühne und stellte unter Beweis, dass sie auch eine Größe wie Christ locker in die Tasche stecken kann. Nach „Pants down“ folgte dann ein zweiter Abgang. Dieses Mal wurden „Zugabe“-Rufe laut und der Band wurde für „I don’t belong here‘ ein Lichtermeer geschenkt. Außerplanmäßig folgte wohl ganz spontan ein Medley von „Take on me“ und „No woman no cry“, das die Menge schier zum Ausrasten brachte. Auch nach über zwei Stunden hatte das Publikum in Köln einfach noch nicht genug von Emil Bulls! Mit „Worlds Apart“ musste es dann aber doch zu Ende gehen – aber nicht ohne eine letzte Wall of death!

Dieser Abend hatte es in sich und die fast drei Jahre des Wartens hatte sich gelohnt – hoffen wir nun, dass es bis zum nächsten Emil Bulls Konzert in der Gegend nicht wieder so lange dauern wird.