Sich alten Zeiten erinnern, zu seinen Wurzeln zurückkehren oder mal etwas ganz Neues beginnen. Man kann es nennen, wie man mag, jede Beschreibung passt zu Bannkreis. Bestehend aus vier Mitgliedern der Band Subway to Sally und der Delva-Sängerin Johanna Krins, hat die neu formierte Band vor einem Monat ihr Debutalbum veröffentlicht. Folk kennen alle Bandmitglieder. Entweder, weil sie mit Leib und Seele folkige Klänge in ihre Musik einbinden oder weil es mal eine Schaffensperiode gab, die sich dahingehend orientierte. In den 1990er Jahren versuchten sich Subway to Sally darin, mehr in die Folkrichtung zu gehen und veröffentlichten damals das Album “Bannkreis“. Um daran anzuknüpfen oder der damaligen Zeit ein Denkmal zu setzen, trägt nun auch die neue Band diesen Namen. Das neue Album der neuen Truppe trägt den Namen “Sakrament” und ist am 16.03.2018 via Universal Music erschienen. Wir haben intensiv hineingehört und verraten euch nun, ob sich die CD lohnt.

Das Album beginnt mit dem Song “Lebenslinien”, der direkt folkig und beschwingt durchstartet. Nach einem langen Intro beginnt Eric Fish mit seiner Geschichte, während die Musik sanft in den Hintergrund rückt. Innerhalb der Strophe setzt Johannas Gesang als zweite Stimme mit ein. Der Refrain der beiden ist so kraftvoll gesungen und wird so sanft von Schlagzeug und Flöten (oder auch Drehleier) begleitet, dass sich ein Gefühl von ewiger Weite und Freiheit ausbreitet. Der zweite Song “Lebewohl” beginnt mit Erics Gesang und die Musik setzt erst später ein. Das gefühlvolle Duett hat nichts lebendiges mehr, sondern mutet melancholisch an. Seichtes Gitarrengezupfe begleitet die Strophen, während der Refrain sich wieder kraftvoller gestaltet.
“Hilf mir zu glauben” handelt von der Unfähigkeit zu glauben und schlägt tief in die religiöse Kerbe ein. Das Duett ist auch hier wieder schön aufeinander abgestimmt und der gemeinsam gesungene Refrain kommt wieder unglaublich kraftvoll daher. Christliche Mythologie, verbunden mit folkigen Flötentönen hat durchaus etwas für sich, auch wenn man nicht glaubt. Doch genau darum geht es. Wenn der Glaube schwindet, benötigt es jemanden, der das Schwert aus dem Stein zieht oder Wasser in Wein verwandelt. Eine gelungene und wortgewandte Umsetzung eines christlich, hoffnungsvollen Themas.
Abgewandt vom Christentum handelt “Fährmann” von der Bitte, am Ufer abgeholt zu werden. Also über den Jordan, den Styx oder welchen Fluss auch immer überqueren zu dürfen und in das Totenreich kommen zu dürfen. Erneut im Duett mit mal melancholischen, mal treibenden Klängen erzählt Bannkreis schließlich davon, wie einem die Erlösung verwehrt wird.
War es zuvor noch die Sehnsucht nach dem Tod, treibt nun die Sehnsucht nach Freiheit und Ferne das nächste Lied an. Auch die Sehnsucht nach tiefen Träumen kann in “Aus fernen Ländern” gefunden werden. Mit sanften Gitarrenklängen leiten Eric und Johanna das Lied ein. Während sie die Strophe abwechselnd singen, singen sie im Refrain wieder gemeinsam, wobei die sanfte Frauen und die raue Männerstimme wunderbar zueinander passen. Die Musik nimmt im Refrain auch wieder Tempo auf, doch insgesamt bleibt der Song ruhig und verträumt. Musikalisch passt die Klangwelt also wunderbar zum Thema und auch das irische Traditional, das von einer beschwingten Geige im Interludium begleitet wird, fügt sich zwar kontrastreich aber passend ein. Ein Song auf dem Album fällt dann vollkommen aus dem Rahmen. Zwar fügt sich “Doch ich weiß es” mit schnellem Rhythmus und fröhlichen Flötenklängen in die anderen folkigen Songs ein, doch ist es auf Grund seines schnelleren Tempos schon ganz anders. Auffällig ist auch, dass Johanna in diesem Lied zum ersten Mal keinen Gesangspart übernimmt. Stattdessen wurde das Lied gemeinsam mit Santiano aufgenommen, sodass sich sowohl in der Musik als auch im Gesang ein eher rauerer Klang abhebt. Der Song war 2017 bereits auf dem Santiano-Album “Im Auge des Sturms” erschienen und passt dort sicherlich etwas besser ins Konzept.

Der Titeltrack “Sakrament” beginnt mit ruhiger, melancholisch gezupfter Gitarre und Erics ruhigem Gesang. Auch erhält Johanna hier wieder Raum für ihre glasklare Stimme, wenn auch zunächst nur im Refrain. Die zweite Strophe gehört ihr dann ganz allein, wobei sich die Musik weiterhin überwiegend im Hintergrund hält. Beschwingter wird es dann mit “Nimmermehr”, das zunächst tatsächlich recht abenteuerlich klingt. Treibende Musik und Erics kräftiger Gesang erwecken ein Bild von Aufbruch, wenn auch nicht ganz freiwillig. Johanna übernimmt nur in Zwischenzeilen und im Refrain den Gesang, wobei Erics Stimme stets im Vordergrund steht.
Auch die Band selbst hat einen Titeltrack erhalten. “Bannkreis” heißt die Hörer im Bann der Band willkommen. Textlich finden sich zunächst merkwürdig anmutende Metaphern, die nach mehrmaligem Hören Sinn ergeben. Das Duett ist erneut schön aufeinander abgestimmt. Im Refrain nimmt dann auch das Tempo der Musik zu, die zum Tanzen einlädt. Fortan klingt das Lied beschwingter und gab es zuvor noch einen gefährlichen Aufbruch, gibt es nun einen Aufbruch in die Phantasie, in ein Land, in dem einem nichts passieren kann, in die Welt der Musik. Bisher wurden verschiedene Themen behandelt, doch besonders das Sehnsuchtsthema sticht hervor. Das Liebeslied “Erdbeermond” spricht von einer anderen Sehnsucht. Es spricht von einem ‘für immer’ und einer Sicherheit und einer Geborgenheit, die es nur unter Liebenden unter dem ‘Erdbeermond’ geben kann. Sanfte Flöten und die Akkustikgitarre begleiten Strophen und Refrain, wobei der Refrain erneut kraftvoller wird.
Mit “Rabenflug” geht es auf das Ende des Albums zu. Gesanglich gehört das Lied Johanna allein, die im Intro vollkommen im Vordergrund steht. Streicher, Schlagzeug und Gitarre kleiden das Lied im Interludium in ein leicht dramatisches Gewand, das den Text der Strophen unterstreicht. Wobei der Gesang zum großen Teil hervorsticht und die Musik in den Hintergrund drängt. Dann wiederum gibt es Parts, in denen die Musik alleine spricht und in denen Gesang und Musik miteinander agieren. Zurück von den dramatisch-abenteuerlichen Klängen, kehrt der Hörer mit “Kein zurück” in eine melancholische und balladeske Umgebung zurück. Johanna und Eric singen zeitgleich im Duett und erinnern daran, dass Dinge nicht rückgängig gemacht werden können. Das Lied trägt einen tiefen Schmerz und Trauer mit sich, was besonders im Refrain geradezu greifbar wird. Der letzte Song des Albums bleibt dann auch gleich beim düsteren Thema. “Ins Dunkel” lädt in die Dunkelheit und in die zerstörte Liebeswelt des lyrischen Ichs ein. Doch ist dort immer noch ein Fünkchen Hoffnung. Dennoch haftet dem Lied auch musikalisch durch seichte Percussions und Gitarrentöne etwas Melancholisches an.

Fazit: Das Debutalbum von Bannkreis kann sich durchaus sehen lassen. Natürlich darf man nicht vergessen, dass hinter dem Projekt fünf erfahrene Musiker stehen, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. “Sakrament” hält praktisch die gesamte, verträumte Emotionswelt bereit. Liebe, Sehnsucht, Schmerz, Trauer und wohl noch viele weitere Empfindungen lassen sich in Texten und in der Musik finden. Mal darf die Musik für sich selbst sprechen und nimmt einen gefangen oder aber man lässt sich von dem Gesang verzaubern. Das raue Stück mit Santiano scheint da eher aus der Reihe zu fallen, weshalb das auch nicht so recht gefallen will.
Was allerdings sehr ansprechend ist, ist die Kombination aus Erics und Johannas Gesang. Das Raue auf der einen Seite und das Glasklare auf der anderen Seite verbindet sich zu wundervollen Duetten, denen man ewig lauschen könnte. Die folkigen, balladesken und manchmal auch beschwingten Untermalungen mit akustischen Instrumenten vieler Art tut ihr übriges, um dem Album seine ganz persönliche Note zu geben. Bannkreis schließt sich mit “Sakrament” der großen Folk-Riege an und kann sicherlich noch viele Menschen verzaubern. Was man beim Hören allerdings aktiv ausklammern muss ist, dass man Bannkreis nicht aus Versehen mit Subway to Sally verwechselt. Die Songs hätten nämlich durchaus auch als Zusammenschluss aus Subway to Sally und Delva enstehen können. So allerdings trägt das Projekt einen eigenen Namen und wird sich in Zukunft bewähren können.