Das antike Amphitheater in Trier lädt seit Jahrhunderten zu allerlei Festspielen ein. Wo früher Gladiatoren um ihr Leben kämpften, inszenierte man von 1997 bis 2012 die Römerspiele Brot und Spiele, die Groß und Klein in das Theater lockten, um dem gestellten Gladiatorenkampf beizuwohnen. Ein vollkommen anderes Event führte im Jahr 2018 die Menschen nach Trier. Das Amphitheater Open Air 2018 fand an vier aufeinanderfolgenden Tagen im Juli statt. Während an drei Tagen weltbekannte Künstler wie Chris de Burgh, Gentleman und Amy MacDonald im Amphitheater aufgetreten waren, luden drei beliebte Bands der Mittelalter-Rock-Szene am Freitagabend, dem 27.07.2018, zur 1. Trierer Nacht der Spielleute.
An diesem heißen Sommertag hatten sich bereits frühzeitig am Nachmittag die ersten Menschen vor dem Theater versammelt. In der Sonne ersehnten sie den Einlass, um ab 19.00 Uhr mit FeuerschwanzVersengold und Saltatio Mortis ordentlich zu feiern. Pünktlich um 18.30 öffneten sich die Tore des Theaters und wie die Gladiatoren und Löwen strömten die Menschen hinein. Hier sollte es an diesem Abend zwar zu keinen Toten und schwer Verletzten kommen, doch bereits vor dem Auftritt der ersten Band mussten die Sanitäter in die Arena, um jemandem mit Kreislaufproblemen zu helfen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Sanis, die auch bei der Affenhitze schnell zur Stelle waren.

Als Feuerschwanz dann um 19.00 Uhr mit ihrer Show loslegten, gab es für die Fans kein Halten mehr. Erstaunlicherweise hatten nach Rückfrage der Band aber auch viele Anwesende die Band noch nie gesehen, was durchaus verwunderte. Von der Mieze animiert wurde bereits zum ersten Song “Hexenjagd” ordentlich getanzt und mitgesungen. In den knappen 45 Minuten Spielzeit der Band durften natürlich auch die neuen Songs nicht fehlen, die vom kommenden Album Methämmer bereits bekannt sind. Zu “Schubsetanz” wurde die beschauliche, aber feierwütige, Menge zum Moshen aufgefordert. So manch einer musste an diesem Abend augenscheinlich erst einmal lernen, was dieser Schubsetanz denn überhaupt ist. Gut, dass Feuerschwanz einen Crashkurs gegeben haben.
Nach einer kurzen Umbaupause, die viele dazu nutzten, sich an den Verkaufsständen eine Erfrischung zu holen oder die Merchstände zu plündern, betraten die Spielleute von Versengold die große Bühne des Amphitheaters. Die Band aus Bremen, die erst im letzten Jahr mit ihrem Album Funkenflug durch die Decke gingen, überzeugten das Trierer Publikum mit einer energiegeladenen Show. Songs wie “Verliebt in eine Insel” wurden gefeiert und die Textsicheren unter den Anwesenden feierten die neuen Songs lautstark mit. Ältere Titel wie “Wem? Uns!” wurden von den alteingesessenen Fans allerdings noch bei Weitem übertönt. Das Theater hatte sich zur zweiten Band des Abends weiter gefüllt, es gab allerdings noch immer genug Platz zum Tanzen.

Als hinter der malerischen Kulisse des Amphitheaters langsam die Sonne unterging, betraten Saltatio Mortis die Bühne und begannen ihre brandheiße Show. ‘Heiß’ war das Programm des Tages. Wem es zuvor in der Sonne noch nicht warm genug gewesen war, kam jetzt ordentlich ins Schwitzen. Nicht nur animierten die Spielleute die Meute zum Tanzen, auch die Pyroshow, die den Abend bei Liedern wie “Prometheus” natürlich untermalten, heizte ordentlich ein. Auch die 8 Musiker von Saltatio Mortis ließen es sich nicht nehmen, neue Songs zu spielen. Das kommende Album Brot und Spiele passte namentlich perfekt in die Location und wurde mit Songs wie “Dorn im Ohr” und “Brünhild” dem Trierer Publikum eindrucksvoll vorgestellt. Bei “Rattenfänger” begab sich Sänger Alea der Bescheidene auf die Hände des Publikums. Zwar waren mittlerweile deutlich mehr Menschen vor der Bühne und feierten, jedoch musste er beim Crowdsurfing regelmäßig Menschen heranwinken, um nicht beim Singen abzustürzen. Ob man das Crowdsurfing in Trier nicht kennt oder es einfach am Tag zu warm gewesen war: in anderen Städten und Lokalitäten klappt das deutlich besser, denn die Aktion ist bei der Band auch keine Neuheit. Der Abend fand aber dennoch glücklicherweise ohne abgestürzten Sänger statt und wurde mit dem traditionellen letzten Lied “Spielmannsschwur” würdig beendet. 

Über dem Event war derweil die Nacht hereingebrochen und der Blutmond stand am Himmel. Selbst aus dem Theater heraus konnte man die Mondfinsternis sehen. Dadurch wurde einem zu guter Letzt noch ein Schauspiel geboten, das nahezu magisch anmutete. Aufgeheizt und glücklich verließen die Menschen dann nach und nach das Theater, um wieder in die wirkliche Welt einzutauchen. Die 1. Trierer Nacht der Spielleute war wunderschön und wohl ein Erfolg, wenn auch das Amphitheater bei Weitem nicht ausverkauft war. Wir kommen gerne wieder.