Und schon waren wir am letzten Tag des Yggdrasil Festivals angelangt. Wieder knallte die Sonne vom Himmel und sämtliche Schattenplätze in Bühnensichtweite waren schnell belegt. Als das Duo Aliada zu spielen begann, brachte das vorerst auch nicht mehr Bewegung auf das Gelände. Die beiden jungen Damen spielen klassische Harfe, man wurde also sanft zur Siesta begleitet. Klassik-Chill-Out am Sonntag, das passte an sich recht gut. Für die einen bedeutete das mehr Schlaf, für die anderen einen ruhigen Programmbeginn.

Nicht ganz so besinnlich, war danach der Auftritt von Acus Vacuum. Die Belgier, welche uns schon vom Vortag bekannt waren, stellten sozusagen die Zwischenmusik, sollten sie denn am frühen Abend noch einmal auftreten. (Dazu später mehr.) Zum Nachmittagsinterludium muss man noch dazu sagen, dass, auch wenn die Band mehr oder weniger Standard-Marktmusik spielte, die Show nicht so schnell langweilig wurde. Mit Tanz und Akrobatik wurde von Azora stets frische Abwechslung über die Bühnenbretter gebracht. Was schadet es einem da, die Band ein weiteres Mal anzusehen? Oder zumindest von der schattig gelegenen Picknickdecke aus noch einmal zu lauschen.

Am frühen Abend dann war keine Gelegenheit mehr still zu sitzen oder zu stehen. Einerseits begünstigt durch die endlich etwas sinkenden Temperaturen und andererseits angetrieben durch die flotte Musik der nächsten Band, wurde man zum Tanzen, Pogen, Moshen in den Bühnenbann gezogen. Hooligan’s Mountain spielten auf und brachten mit Folk, Punk, Ska und ein paar Balkanrhythmen frischen Wind über das Festival. Brandneu war das Debütalbum „Dalle strade, dalle valli“ erschienen, das günstig angeboten wurde. Die Musik, irgendwo zwischen Flogging Molly und Fiddler’s Green, begeisterte die Anwesenden und war überdies witzig, insbesondere, wenn man die italienischen Texte gar nicht verstand. Egal, denn der Beat ging durch die Knochen direkt in das Tanzbein, das angeregt mitschwang.

Die Beine brauchte man auch im Anschluss, um noch einmal etwas von Acus Vacuum zu sehen. Diese spielten ab sechs Uhr nämlich nicht auf der Hauptbühne, sondern hatten sich ein lauschiges Örtchen unter Bäumen ausgesucht; sehr romantisch mit verfallenen Mauerresten, um die sich der Efeu rankte. Genug Leute schienen das aber gewusst zu haben, obwohl es nicht im Programm vermerkt war. Etliche Zuseher, überwiegend Tagesgäste, hatten sich eingefunden und klatschten im Takt mit. Doch schon nach weniger als einer Stunde verabschiedete sich die sympatische Band endgültig, denn auf der Bühne sollten gleich die Headliner des Tages auftreten.

In Vino Veritas hießen die Helden des Sonntags, denn die Musikgruppe gehört zu den großen in der norditalienischen Mittelalterszene. Entsprechend würdig wurden sie empfangen; die Band konnte zwar nicht so viele Besucher zählen wie Manegarm am Donnerstag, aber das mag auch am viel zu schnell vorbeiziehenden Wochenende liegen. Die Gruppe aus Carrara (Toskana) lieferte jedenfalls unterhaltsame Mittelalter-Folkmusik mit Dudelsack und Drehleier und noch so manchem Instrumentarium. Das Septett blieb zudem seinem Namen treu, die Tiermasken wurden nur zum Trinken abgelegt. Zumindest gab man das so vor.

So endete nun auch der vierte und letzte Festivaltag und die Besucher begannen, sich wieder in aller Herren Winde zu zerstreuen. Für uns ging es auch bald zurück in den fast genauso warmen Norden, denn es standen noch einige Festivals mehr auf dem Programm. Nichtsdestotrotz werden wir das kleine Festival im sonnigen Süden weiter verfolgen und vielleicht können wir auch bei der nächsten Auflage wieder dabei sein.