Yggdrasil Festival 2017, Tag 2 – Dosson di Casier, Treviso – Bericht

Freitag, der 15. Juni 2017. Ganz Italien befand sich noch bei der Arbeit. Ganz Italien? Nein! Ein kleines Dorf in der Region Treviso leistete Widerstand und feierte den Tag genau wie den zuvor und das Wochenende darauf auf dem Yggdrasil Festival! Dass man ein Festivalprogramm auch mit Ausschlafen verbinden kann, bewiesen die Anwesenden, denn zu früher Stunde passierte dort genau gar nichts. Programmbeginn war so, naja, sagen wir etwa 16 Uhr nachmittags. Plus italienische Gemächlichkeit. Also, wahrscheinlich etwas später.

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Die deutsche Pagan-Folk-Band Waldkauz ließ sich von den Verzögerungen nicht irritieren und stimmte als erster Act des Tages mit fröhlich-frischer Folkmusik auf den weiteren Tagesverlauf ein. Während die Besucher beschwingt die Seele baumeln lassen konnten, erzählten die Waldkäuze von Fabelwesen und ihrem eigenen Glück, hier ihren ersten Auftritt auf italienischem Boden hinlegen zu können. Dazu lud man auch das eher dünn gesäte Publikum zum Tanz ein, was einige Wohlausgeschlafene bereitwillig taten.

The Midnight, nicht zu verwechseln mit einigen anderen ähnlich oder gleich benannten Formationen, sind eine italienische Gruppe, die sich mehr der Renaissance als dem Mittelalter verschrieben haben. Zumindest klang das Konzert schon verdächtig nach Blackmore’s Night. Klassischer Gesang traf auf Rockmusik und dann war da noch vom Triangel bis zum Xylophon alles mit dabei. In den fülligen Spätmittelaltergewändern war den Musikern ziemlich heiß, da nutzte selbst die italienische Haut recht wenig. Dennoch lieferte man eine abwechslungsreiche Show, von langsamen Balladen bis zu schnelleren Rocksongs wurde einiges geboten.
Nicht gerade kühler wurde es trotz späterer Stunde bei The Moon and the Nightspirit. Die Ungarn traten wie stets in langer schwarzer Kleidung auf, passend zum Programm. Die vielleicht bekannteste Pagan-Folk-Gruppe aus dem Osten spielt langsamen, düsteren Mittelalter-Folk, durchaus getränkt mit Gothic-Elementen. So auch auf dem Yggdrasil Festival; da konnte man dazu tanzen oder einfach nur in Trance schwelgen, ganz wie man wollte. Wem die Musik gefiel, dem sei auch das aktuelle Album Metanoia (-> hier geht es zu unserer Rezension) der Band ans Herz gelegt. Auch die sechste Studio-CD von TMNS bleibt ihrer Linie treu, Mystik und Zauberei sind ständige Begleiter, das merkte man auch an der Konzertatmosphäre.

Ebenso magisch war schlussendlich der Auftritt von Poeta Magica, schließlich steckt der Begriff doch schon im Namen. Die deutsch-schwedische Gruppierung hatte schon im Vorjahr ein Konzert auf dem Festival gespielt, nun konnte man ein weiteres Mal das Publikum begeistern. Die Menge

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machte mit, es war fast schon erstaunlich wie eine recht traditionelle Mittelalterband exakt das gleiche Publikum wie Månegarm am Vortag für sich gewinnen konnte. Da wusste man auch nicht, ob es Tränen der Rührung oder des Amüsements waren, die vergossen wurden, als die überwiegend italienischsprachige Zuhörerschaft versuchte, die schwedischen Texte mitzusingen.

Geweint wurde natürlich nicht, auch nicht bei der anschließenden Feuershow. Das Spektakel der Gruppe Antares faszinierte Jung und Alt gleichermaßen. Mit den Bildern und der Musik dazu im Kopf, konnte man sich auf wundersame Träume einstellen, wenn man – wie wir – danach zu Bett ging.

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