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Xandria – Theater of Dimensions – CD-Rezension

Xandria, eine Symphonic-Metal-Band aus Bielefeld, die es schon seit einigen Jahren gibt und in der ständig Bewegung gibt. Seit Dianne van Giersbergen am Mikrophon steht, sind zwar erst zwei Alben erschienen, aber dank einer Tour mit Sonata Arctica konnte sie ihr Talent beweisen. Nun ist am 27.1. das zweite Album mit Dianne am Gesang erschienen und versucht auf den Vorgänger „Sacrificium“ (2014) noch einen aufzusetzen. Mit „Theater Of Dimensions“ liegt nun eine CD vor, die allein schon vom Titel her einiges zu bieten scheint. Das Cover zeugt gleichermaßen von Tiefgang und Mysterien. Und auch musikalisch scheint dieses Bild gelungen gemalt worden zu sein.

Das Album beginnt mit dem sechs minütigen Stück „Where the Heart is Home“, das die Platte eindrucksvoll und episch erst ruhig und schließlich gewaltiger einleitet. Ein Chor, begleitet von Drums, mysteriöser Musik und jaulenden Gitarren begrüßt den Hörer in den Tiefen der Dimensionen. Man fühlt sich in eine Rockoper versetzt, was besonders durch den Einsatz von Chor und Sologesang unterstützt wird. Das Stück ist so lang und klanggewaltig, dass man beinahe vergessen könnte, dass es sich hierbei eigentlich um ein Metal-Album handelt. Der zweite Titel „Death to the Holy“ holt einen aus diesem Gefühl dann aber heraus, obwohl dieser Song zunächst eher wie eine Hymne klingt und nicht so recht zum ersten ersten Song passen möchte. Auch hier wird Diannes Gesang erneut durch einen Chor unterstützt, während die Gitarren nun aber aktiver zur Geltung kommen und sich die Drums ordentlich in den Gehörgang hämmern. In eine wieder ganz andere Welt wird man Xandria_band_01_midresdann mit „Forsaken Love“ entführt. Der Beginn klingt wie ein Irish Traditional und wird daraufhin auch eher ruhig fortgesetzt. Die erste Ballade des Albums könnte so auch auf die grünen Hügel der irischen Insel passen. Es schwebt einem geradezu vor dem inneren Auge, wie Dianne mit Band in der Abendsonne die irische Landschaft ansingt.

Wer sich eben noch auf die grüne Insel träumte, wird durch „Call of Destiny“ aus seinem Schlaf gerissen, da es vergleichsweise brutal beginnt. Nichtsdestotrotz haftet auch diesem Track etwas episches, wenn auch düsteres an. Der Song „We are Murderers (we all)“ versetzt den musikalisch Hörer in eine Endzeitwelt, in der die Dunkelheit regiert. Die immer wiederkehrenden Gitarrenriffs, die sich gemeinsam mit den schnellen Drums in den Gehörgang bohren, werden erst recht spät im Song durch kräftigen Gesang untermalt. Durchbrochen von einem skandierten „we are murderers“ zeichnet sich ein Bild einer Armee von Überlebenden. „Dark Night of the Soul“ führt schließlich noch ein wenig tiefer in die Dunkelheit und mit sanftem Gesang und Klavier wird es nun so richtig melancholisch.

Eine Verschnaufspause gibt es dann scheinbar mit „When the Walls come down“, der im Vergleich zu den anderen bildgewaltigen Songs eher schlicht wirkt. Der folgende Track „Ship of Doom“ hingegen holt den Hörer dann von seinem Ruhepol wieder ab und führt tief in eine Geschichte der Fantasy. Interludien erinnern wieder an irische Folklore, gepaart mit einem Singsang, der auch in einen Tim Burton Film passen würde. Der Song würde auch in eine Symbiose aus Herr der Ringe, Nightmare before Christmas und phantastische Endzeit passen. „Céilí“ wirkt dagegen wie ein Marschlied, das Patrioten zum Kampfe ruft, später wandelt sich das rein instrumentale Stück aber in eine rockig-fröhliche Party. Nichts anderes bedeutet Céilí nämlich: Party. Das Wort kommt aus dem schottisch-gälischen und da ist es kaum verwunderlich, dass auch einige musikalische Elemente aus dem keltischen Raum Eingang in den Song gefunden haben. Schade, dass dieser Track mit Abstand der Kürzeste auf dem Album ist. Auf der Zielgeraden der Scheibe werden die Songs nämlich wieder länger.

Der zehnte Song beispielsweise läuft über 5 Minuten durch den Player und geleitet einen währenddessen durch verschiedene Szenarien. Wie der Titel „Song for Sorrow and Woe“ schon sagt, ist der Track für Kummer und Leid gedacht und diese Gefühle werden durch Diannes Gesang, der teilweise stark an Tarja Turunen erinnert, ausdrucksstark transportiert. Das Ende wird allerdings so weinerlich, dass man sich beinahe in die Tragik von Phantom der Oper versetzt fühlt. Das Xandria_band_05_midresRockopergefühl kehrt dann bei „Burn me“ auch wieder vollständig zurück, allerdings nicht so überzeugend wie noch im Intro. In die weiten einsamen Steppen der Welt geht es mit dem ruhigen Intro von „Queen of Hearts reborn“ hinaus, während es mit dem Titeltrack „A theater of Dimensions“ zurück in den Keller des Phantoms geht. Ganze 14 Minuten geht das Ende des Albums, das alle Dimensionen nochmals zu vereinen scheint, um es dann mit einem letzten, sanften Ton abzuschließen.

Insgesamt ist „Theater of Dimensions“ von Xandria ein unheimlich abwechslungsreiches Album. Musikalisch werden hier wohl beinahe alle Facetten gezeigt, die irgendwie in das Konzept passen, doch hätte man sich eher nicht eine solch gewaltige mannigfaltige Bilderflut gewünscht. Die Eindrücke, die durch die Musik transportiert werden, können einen beim Hören schon ein wenig erschlagen, aber trotzdem oder gerade deshalb kann auch jeder Track gut für sich alleine stehen. Hut ab davor, dass so viele Dimensionen der Musik und der Themenwelt aufgefasst wurden. Diannes Stimme hingegen ist nicht in jedem Song unbedingt passend. Manchmal wünscht man sich, die Musik ohne Gesang genießen zu können und manchmal ist er geradezu notwendig, da Diannes Stimme die Gefühle lenkt. Ein Wechselbad der Gefühle also und für alle Fans von Symphonic-Metal mit Frontfrau auf jeden Fall eine Empfehlung wert. 

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