Die Doom-Bastler Valborg melden sich in diesen Tagen mit ihrem neuen Werk Endstrand“ zurück. In einen richtigen Genre-Kerker kann man die Musik der Herren überhaupt nicht zwängen, das hat die bisherige Diskographie in aller Deutlichkeit klar gemacht – aber man gab seitens der Band immer schon an, von Bands wie Enslaved, Emperor und den Hardcore-Veteranen Botch beeinflusst zu sein – in all den Jahren entwuchsen der Fabrik Valborgs basslastige, psychedelische Rock-Songs, melancholisch, doomy/heavy, komplex, immer mit apokalyptischem Ambiente. Genre-Liebhaber kennen die Klassiker „I Am Space“ oder „Samantha Alive“ sehr gut.

Mit der vorvorletzten Scheibe „Nekrodepression“ baut die Combo um Christian Kolf (u.a. Owl, Scarab), Jan Buckard und Florian Toyka (u.a. Klabautamann) auch immer wieder deutsche Lyrics in ihre Songs ein, auf der neuen Platte gar ausschließlich. Das Trio aus Bonn ist dabei seit 2002 im Geschäft und blickt auf fünf Longplayer zurück, welche alle in sehr kurzen Abständen von nur einem Jahr in der Spanne von 2009-2012 und 2015 erschienen. Im April ist das neue Valborg-Album bei Prophecy erschienen. Ob dieses Werk den Status der Jungs als vielversprechende Handwerker mit großem Erfindungsreichtum im Bereich des Doom und Heavy Metal festigen kann, nehmen wir hier mal unter die Lupe.

Was zunächst ins Auge fällt, das ist die Tatsache, dass es auf „Endstrand“ ganz im Gegensatz zum trägen, doch stellenweise arg reduzierten und beinahe primitiven Vorgängerwerk Romantik von 2015 wieder weit ungestümer zugeht, ohne die einzigartige atmosphärische Facette des typischen Valborg-Sounds vermissen zu lassen, den die Anhängerschaft der Band so verehrt. Das ganze nimmt dann schnell sogar solche Ausmaße an, dass man bezweifelt, eine echte Valborg-Platte in Händen zu halten: So sind nämlich gerade die Opener „Jagen“ und „Blut am Eisen“ textlich recht banal gehaltene, rammsteineske Schwerkaliber, die recht monoton und stellenweise dissonant daherkommen. Ganz und gar nicht mehr so kalt und minimalistisch wie es noch bei Stücken wie „Vampyr“ oder „Comtesse“ zuging, eher reißerisch und auch ziemlich schnell „durchgeprügelt“ – wenn man sich dazu mal die Laufzeit der einzelnen 13 Stücke anschaut, die permanent zwischen 2 und 4 Minuten mäandert, könnte jemand, der nicht auf das gefasst ist, was die Bonner hier liefern, schon mal einfallslose Brachialität oder Lieblosigkeit unterstellen. Doch schaffen es Valborg schnell mit ihren plakativen Vorschlaghammer-Liedern einen besonders intensiven Sog aufzubauen, von dem man nicht mehr wegkommen zu scheint.

Da helfen besonders Songs wie „Orbitalwaffe“ mit seinen wiederholt bohrenden „Heil Satan“-Urschreien oder das beinahe morbid-humoristische und an skurriles, kryptisch-zynisches und befremdliches Vokabular von Bands wie Bethlehem erinnernde „Beerdigungsmaschine“ besonders. Das gesamte Album kreucht daher zwischen desillusionierender Sci-Fi, Horror-Thematik und Wahnsinns-Bildern umher. Keine Hünen-Songs, die wie ein elendig in die Länge gezogener Kaugummi daherkommen, eher eine energische Kurzkaskade nach der anderen, die vordergründig etwas platt daherkommen, aber jeder für sich einen eigenen Rauschzustand hervorrufen. Etwas merkwürdig kommen dabei immer wieder vereinzelte Textfetzen angeschwappt, die man vielleicht etwas belächeln kann – aber die besondere Weltuntergangsstimmung, die Einbuße an Valborgs bekannter Stilsignatur und der Wandel von straightforward-Doom/Death/Heavy-Metal à la Celtic Frost zu einem schwierig zu definierenden, geisteskranken Abenteuersound machen „Endstrand“ schon zu etwas ganz Besonderem. Ein Krieg von Instrumenten, weniger die die Band umgebende Mystik, mehr „Auf die Fresse“. Aber es ist schon beeindruckend, wie kohärent das Ganze geworden ist. Kein Wunder, dass sich ein ganz besonderes Label wie Prophecy Productions auf die Band gestürzt hat. Geheimtipps: „Bunkerluft“ mit seinem „Gehirne aus Kristall“-Singsang und „Plasmabrand“.

Interesse geweckt? „Endstrand“ gibt es bereits seit April 2017 zu kaufen und kann unter anderem -> hier bestellt werden.

In der Zwischenzeit seht ihr hier das Musikvideo zu „Plasmabrand“: