TMATN_Metanoia

The Moon and the Nightspirit – Metanoia – CD-Rezension

Wenn man an Ungarn denkt, denkt man nicht zwangsläufig an eine Pagan-Folk Band, aber die musikalischen Einflüsse aus dem osteuropäischen Land sollte man keineswegs unterschätzen. The Moon and the Nightspirit sind das beste Beispiel, dass einfühlsame Musik von überall herkommen kann. Am 17.03. erschien ihr brandneues Album Metanoia via Prophecy, das sie auf einer kleinen Tour bereits in Europa präsentierten. Wer die Ungarn Anfang April in Deutschland verpasst hat, muss allerdings nicht all zu lang auf eine neue Chance warten, denn The Moon and the Nighspirit kommen in diesem Sommer auf das Hörnerfest und erfreuen das Publikum mit ihren zauberhaften Klängen. Selbstverständlich werden sie dann auch ihr neues Album mit im Gepäck haben. Um einen Eindruck zu gewinnen, haben wir in das Album hinein gehört und sagen euch hier nun, ob sich der Silberling lohnt.

Die insgesamt sechste CD des ungarischen Duos besteht nur aus insgesamt acht Tracks. Aber gleich vom ersten Ton an merkt man, dass diese Scheibe es in sich hat. Der erste Song  „A Hajnal Köszöntése“, der frei übersetzt „Gruß der Morgendämmerung“ heißt, beginnt mit einem leisen grollen, das sich aufbaut. Wie ein Sturm, der seine Boten schickt, erscheint der Song zunächst, doch als eine Zitter einsetzt, wird man eher doch an Gras erinnert, das mit Morgentau benetzt im Sonnenschein glitzert. Die Mischung aus sanften Klängen verschiedener Instrumente und der teils zweistimmige Gesang, entführt dabei in eine fremdartige Welt. Der recht ätherisch-esoterisch wirkende Klang von Agnes Stimme und die orientalisch angehauchten Interludien harmonieren dabei einwandfrei.
Der zweite Song „Az Elsö Tündér Megidézése“ beginnt ähnlich leise wie der erste Song, baut sich aber schneller auf und wird TMATN-bandphoto2zunächst von Percussions dominiert. Eine Geige unterstreicht dann den Rhythmus, der ein wenig Tempo gewinnt, bis Agnes Gesang ähnlich wie im ersten Song beginnt. Als eine zweite weibliche Stimme wie ein Echo hinzukommt, wirkt der Rhythmus geradezu treibend. Da der Titel frei übersetzt „die Beschwörung der ersten Elfe“ heißt, erscheint es geradezu passend, dass man beim Hören die Augen schließt, sich im Klang der Musik wiegt und den Wald beinahe riechen kann. Musik und Gesang transportieren schlichtweg etwas Magisches in das heimische Wohnzimmer.

Mit dem dritten Song “ Mystérion Mega“, wird der Schwerpunkt erneut auf Percussions gesetzt. Nun gibt es allerdings von Beginn an zweistimmigen Gesang, den das Duo mit sanfter weiblicher und geheimnisvoll männlicher Stimme, mit ihren Instrumenten zart umweben zu scheint. Leicht gesprochene Worte wie eine Anbetung werden von wortlosem Gesang begleitet. Ein wahrlich mysteriöses Lied.
Der Song „Kilenc Híd“ ist mit etwas über drei Minuten der kürzeste Track des Albums. Teilweise etwas disharmonisch fügen sich Geige, Percussion und geheimnisvolle Flötenklänge zu einem musikalischen Gebilde, das ganz für sich alleine steht. Erst spät setzt ein wenig Gesang ein, das erneut wie eine Art Gebet klingt und dann gemeinsam mit der Musik verebbt. Passend zum Titel bietet dieser Track eine Brücke zur zweiten Hälfte des Albums. Diese beginnt ganz sanft mit „A Fény Diadala“, das zunächst erneut an das sanfte Morgenrot erinnert. Tatsächlich bedeutet Fény „Schein“. Die Geige, gemeinsam mit den nun tiefen Bässen der Percussions und einem Klang, das an ein Didgeridoo erinnert, wird allerdings eher eine Art Heimkehr symbolisiert. Der spät einsetzende wiederum weibliche Gesang unterstreicht dieses Gefühl, als würde von einer langen Reise erzählt werden.
Erst mit Song 6 kommt das Album zu seinem Titeltrack „Metanoia“ (griechisch für „Buße“), in dem sich sanfte Gitarrenklänge mit leichten Percussions um die Violone ranken. Der weibliche Gesang wird zum Teil erneut von sanft gesprochenen Worten eines Mannes begleitet. Die treibende Musik in den Interludien erweckt den Eindruck eines Betenden, der in seinem ganz eigenen Tempel sitzt und der Natur huldigt. Beinahe 6 Minuten verzaubert dieses ‚Gebet‘ den Hörer, ohne dabei langweilig zu werden, auch wenn sich die Töne wiederholen. Stattdessen möchte man erneut die Augen schließen und sich fort träumen.
Das vorletzte Lied „Kristálymezök“ dominiert am Anfang mit Gitarren, in das sich schnell Percussions und Gesang mischen. Im Vergleich zum vorigen Song, geht es hier nun wieder etwas schneller zu und der Rhythmus wechselt von treibend zu sanft, als bräuchte man eine Atempause. Wenn das Wörterbuch Recht hat, haben wir es hier mit einem „Kristallfeld“ zu tun und der Song lädt tatsächlich dazu ein, sich vorzustellen, man würde über eine Regennasse Wiese tanzen. Der letzte Track „Hen Panta Einai (Minden Egy)“ („Dass alles eins ist“, bei Heraklit) beginnt ähnlich wie es schon der erste Song des Albums getan hat. Er wandelt sich allerdings und wird zu einem geheimnisvollen Konstrukt, das schwer zu beschreiben ist. Tief fallende Percussions werden von einer gezupften Zitter und anderen rythmischen Konstanten begleitet, während der weibliche Gesang mystisch und ruhig bleibt. Am Schluss fällt die Musik beinahe komplett weg und hinterlässt ein TMATN-bandphotogeheimnisvolles Summen, das vor den Augen einen Nachthimmel mit rasenden Sternschnuppen erzeugt.

Fazit: Wer The Moon and the Nighspirit vorher noch nicht kannte, sich aber gerne von mystisch-rhythmischen Musik tragen lässt, der ist bei diesem ungarischen Duo auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Sie erfinden den Pagan-Folk auf ihre Art und Weise ganz neu und lassen auch ein paar orientalische Elemente einfließen, die man bei den hier bekannten Bands eher seltener findet. Zusammen entsteht dadurch eine geheimnisvolle Musik, die zwar von Gesang begleitet wird, aber dennoch den Fokus auf die musikalischen Elemente erhält. Die Songs wirken beim ersten Hören wie eine lange Geschichte mit Höhe- und Tiefpunkten und irgendwie merkt man erst gar nicht, dass es sich um einzelne Titel handelt. Die Lieder harmonieren so wundervoll mit einander, als handele es sich um eine vollkommene Geschichte. Die Kunst daran ist, dass sich kein Song gleich anhört, aber alles aufeinander zu passen scheint. Dieses Album ist auf jeden Fall wert, gehört zu werden und wer kann, sollte sich die Band auf dem diesjährigen Hörnerfest nicht entgehen lassen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Erst rechnen, dann einlogen (Menschentest). * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.