Zum elten Mal fand am Samstag, den 18. November 2017 das Tanzt! Festival in München statt. Zum Tanz lud das Backstage Werk bereits ab 14:00 Uhr, eine Stunde später ging das volle Programm los. Das Event war zwar bis zum Veranstaltungstag noch nicht ausverkauft, doch wusste man bereits vorher, dass sich bei Saltatio Mortis als Headliner noch viele Leute kurzfristig zum Besuch entschließen würden. Den Anfang machten allerdings The Privateer aus Freiburg, die schon 2015 das Tanzt! einläuteten. Um Punkt 15 Uhr eröffneten die Badener Piraten das Festival mit schweren Metalklängen, melodisch unterstützt durch eine Geige. Die Band brachte trotz zehnjährigem Bestehen erst im Sommer dieses Jahres ihr drittes Studioalbum, „The Goldsteen Lay“, heraus. Dieses wurde präsentiert, sowie ein paar weitere Songs aus dem Repertoire wurden zum Besten gegeben. Leider konnte uns der kurze Auftritt der Folkmetal-Freibeuter nicht gänzlich überzeugen.

Nach der ersten Umbaupause bestiegen überpünktlich Fuchsteufelswild kurz nach 16 Uhr die Bühne, was sowohl einen musikalischen fuchsteufelswild_09_by_zouberi-dbucqs9als auch einen Stimmungsumbruch bedeutete. Die Regensburger setzen auf Folk-Rock mit mittelalterlichen Texten, maßgeblich für die Gruppe ist dabei aber der duale Gesang von Cordoban und Ella. Auch den „Stilbruch“ mit Chewies Tuba führte man bezeichnenderweise wieder durch, sehr zum Vergnügen des Publikums. Der Laden war nun auch ordentlich gefüllt, zumindest im Pit standen die Fans schon dicht aneinander. Nachdem auch die Füchse nur ein 40-Minuten-Set zur Verfügung hatten, kamen diese auch schon bald mit einer Ballade zum Schluss.
Nun ging es wieder mit härteren Klängen weiter. Um 17:10 Uhr fingen Nine Treasures an zu spielen. Eine lange Schlange hatte sich allerdings in die falsche Richtung gebildet, denn Saltatio Mortis gaben zeitgleich noch Autogramme im Nebenraum. Die neun Schätze aus China kämpften dagegen aber erfolgreich an und begeisterten mit ihrer Mischung aus Heavy Metal und traditioneller mongolischer Folkmusik. Da stieg die Temperatur im Backstage Werk deutlich an, nicht zuletzt durch den Circle Pit gegen Ende des Auftritts. Die freundlichen Herren aus der Inneren Mongolei wiesen zuletzt noch auf ihr kommendes Konzert nächstes Jahr in München hin.

Weiter ging es im Metal-Teil des Tages um 18:30 Uhr mit Dalriada. Diese vermischen ebenfalls Metal mit Folk, doch orientieren sie sich dabei an ungarischer Volksmusik. Das Augenmerk lag natürlich auf Frontfrau Laura Binder, die growlte und ihr blondes Haar im Kreis schwang, wobei sie so manchem eingefleischtem Metalhead Konkurrenz bereitete. Headbangen bis zum Abwinken also, vorallem da sich der Stil der Gruppe neuerdings auch an finnischem Metal zu orientieren scheint. Eine super Show, doch das war für die Metaller bereits die letzte Genre-Band des Tages. Die Wende sollten ab 19:50 Uhr die Herrschaften von Tanzwut einleiten. Die Berliner waren jedoch spät dran, wobei das bei dieser Band nichts sonderlich Außergewöhnliches ist. Entschädigt wurde das Publikum dafür mit einer ordentlichen Portion Electro-Mittelalterrock und zahlreichen „teuflischen“ Wortspielen. Der Teufel und seine Kollegen spielten eine ganze Stunde, hatten ihr Programm aber seit den Sommerfestivals kaum geändert. Langsam wird es wieder Zeit für etwas Neues aus der Hölle!

Die Nacht war gekommen und der Headliner der Herzen trat schließlich ins Rampenlicht. Um 21:20 fingen die Lokal-Piraten von Vroudenspil an, die Bühne zu zerlegen. Dabei waren die Freibeuter im Vergleich zum Vorjahr kaum wieder zu erkennen. Nachdem sich Ratz schon beim letzten Tanzt! Festival von den Bühnen verabschiedet hatte, ersetzt ihn nun erfolgreich Don Santo, der neue Kopf der Band. Ebenfalls neu ist Gitarrist Absolem und auch am Bass musste nach Zoras Abgang Aushilfe geleistet werden. Doch die Freudenspieler sind zurück und bespielten wie stets ihr Heimfestival mit ihrem gewohnten Klang; es ist vielleicht nur etwas die Gitarre in den Hintergrund gerückt. Dafür traute man sich wieder an Publikumslieblinge wie „Stürz den Becher“ heran, das seit rund zwei Jahren nicht mehr live gespielt wurde. Insgesamt mussten Kenner der Gruppierung leider feststellen, dass die Piratencrew an dem Tag nicht vroudenspil_09_by_zouberi-dbufa1bgänzlich fit war, es war ein verhältnismäßig schwaches Konzert, doch die treue Fanbase störte das nicht beim Abfeiern. Umso mehr können Fans sich nun bereits auf den 7. April 2018 freuen, wo Vroudenspil im Spectaculum Mundi wieder einmal in der bayrischen Hauptstadt zu Gast sein und womöglich gar neue Lieder vorstellen werden.

23:00 Uhr, kein Platz mehr im Saal, Saltatio Mortis marschieren umjubelt ein. Zum ersten Mal beehrten die Totentänzer das kleine Indoor-Festival, das für diese Band beinahe zu klein geraten ist. Die Veranstalter dürften sich allerdings über den großen Besucherandrang durchaus gefreut haben. Eineinhalb Stunden spielten SaMo, darunter wurde Geburtstag gefeiert und der Gastauftritt von Ella von Fuchsteufelswild. Die Karlsruher Mittelalterrocker gaben sich keine Blößen und lieferten wie eh und je eine durch und durch energiegeladene Show, forderten die Menge zum Mitmachen auf und gaben zum Ende noch eine lange Zugabe, natürlich mit dem „Spielmannsschwur“.

Halbs eins, jedes Fest geht einmal vorbei, doch das Tanzt! hat ja bereits die Pläne für das kommende Jahr angekündigt und schließlich liegt da noch der Festivalsommer dazwischen, also kein Grund jetzt mürrisch zu werden. Vorfreude ist angesagt, schließlich haben sich schon Folkstone, Ye Banished Privateers, Troll Bends Fir, Koenix, Brachmond und selbstverständlich Vroudenspil für die nächste Ausgabe des Münchener Mittelalterfestivals angekündigt! Der Headliner (neben Vroudenspil) wird noch nicht verraten, bleibt also dran! Doch eines ist gewiss, sich zeitig Karten für das Tanzt! 2018 zu sichern, lohnt sich auch schon zum jetzigen Zeitpunkt!