Schwarzschild – Radius – CD-Rezension

Am düsteren Synthpop-Himmel ist in diesem Jahr ein neuer Stern aufgegangen. Schwarzschild, die sich erst im letzten Jahr unter diesem Namen gegründet haben, konnten bereits am 26. Mai ihr fertiges Debüt-Album auf den Markt werfen. Zwei Wochen zuvor gaben sie in Oberhausen eine Release-Party, bei der sie schon einige Fans begeistern konnten. Das Duo, das sich schon ein viertel Jahrhundert kennt, hat es nun endlich geschafft, ein gemeinsames musikalisches Projekt zu entwerfen. Die ersten Schritte konnte man beispielsweise dank eines Musikvideos (-> hier zu sehen) vor einem Jahr begutachten. Nun ist der Silberling Radius ein paar Wochen alt. Zeit also, um die elektronischen Songs einmal genau unter die Lupe zu nehmen.

Das Album beginnt mit dem zweieinhalb minütigen Intro „Gravitationswelle“, das den Hörer mit düsteren elektronischen Klängen und gesprochenen Satzfetzen willkommen heißt. Die verzerrte Stimme klingt wie eine alte Durchsage beim Starten einer neuen Maschine. Im Anschluss baut sich Musik auf, die eben zu dieser Szenerie passt: Eine weite Ebene, keine Menschenseele ist zu sehen, während ein Passagier allein in einem neuen Flugmodell sitzt und auf den Abschuss wartet. Dieser kommt dann mit dem ersten richtigen Song „Auferstehen“, allerdings nicht ganz so wie erwartet. Hatte sich die Musik vorher angespannt aufgebaut, flaut sie nun durch das sanfte Intro des Songs wieder gehörig ab. Hier muss nun also erst ein neuer Anfang gesucht werden. Passend zum Titel des Tracks, dreht sich der gesamte Song darum, dass sich das Ich nicht unterkriegen lassen wird. Die Botschaft der mehr gesprochenen denn gesungenen Worte, untermalt von einem schnellen elektronischen Rhythmus, wird sofort klar. Im Refrain erhält die Musik dann aber etwas poppiges und der Gesang etwas mythisches. Ein durchaus wandelbarer Song also.

Als zweites findet sich der Track „Bis zum Ende der Zeit“ auf dem Silberling, der ebenfalls erst mit einem ruhigen Intro beginnt. Der leicht verzerrte Gesang von Dino Serci wirkt dabei geradezu beschwörend, während im Hintergrund kalte Beats ihren Weg an die Oberfläche des Songs suchen. Auch wenn die Elektronik unterschwellig den Track beherrscht, wird er dennoch hauptsächlich von dem Gesang getragen. Ein Song, der zwar zunächst etwas eintönig wirkt, in der Summe aber eine Stimmung vermittelt, die nur dank dieses Zusammenspiels aus düsterem Gesang und kalten Beats möglich gemacht wird. Auch der „Ruf der Nacht“ beginnt eher ruhig, wiegelt sich allerdings schneller als die Tracks zuvor zu einem gewaltigen, elektronischen Klanginferno aus. Als Dinos Gesang einsetzt, wird der Hörer zumindest gesanglich eingeladen, dem Sänger in die Nacht zu folgen. Musikalisch und rhythmisch wirkt der Song zunächst einmal sehr poppig und im Refrain sogar sehr schlagerhaft. Die Kombination vom düsteren Thema und belebendem Beat rettet den Track dann allerdings.schwarzschild_press_2017_DSC4622sw.thumb

Bei „In meinem Blut“ erklingt zunächst erst eine Art alte Filmaufnahme, die den Song thematisch einleitet. Denn wie lässt es sich besser und ohne Albträume schlafen, als mit gewissen Mittelchen? Darüberhinaus geht es in dem Song aber nicht nur um Schlafmittel, sondern geradezu um eine Sucht, die das Ich des Tracks nicht mehr loslässt. Dinos Stimme passt sich dem Inhalt des Liedes perfekt an und transportiert sowohl die Sucht als auch die Sehnsucht und auch die Verzweiflung. Musikalisch wirken die treibenden Beats genau abgepasst, um die richtigen Gefühle zu vermitteln.
Mit „Der letzte Weg“ wird dann zunächst erst einmal genau der andere Weg eingeschlagen. Die Musik wirkt düster und unheimlich und die Beats, die dann auf den Hörer zurollen, wirken zwar ruhig aber auch bedrohlich. Gesanglich und auch dadurch, dass die elektronischen Sounds sanft bleiben, wirkt der Song eher wie eine Ballade. Todessehnsucht und Melancholie bestimmen den Track, der einen zum Nachdenken anregt. Der Song „Das Erwachen (Ruf der Nacht Part 2)“ setzt thematisch noch einmal bei „Ruf der Nacht“ an, besticht dieses Mal aber mit Erlösung und Hoffnung. Es gibt allerdings wieder einen ähnlich poppigen Beat. Schade!

Selbstkritisch wird es dann mit „Mein Feind“, in dem es thematisch darum geht, sich immer selbst im Weg zu stehen. Man klagt sich selber an, während man doch nicht aus dem alten Trott ausbrechen kann. Ein eingängiger Rhythmus bohrt sich dabei in den Gehörgang, während der Gesang erneut den gesamten Song musikalisch trägt. „Heute“ ist dann schließlich genau eine solch düstere Ballade, wie man sie sich von einem Projekt wie Schwarzschild erwartet hat. Es gibt Träume und Sehnsüchte und eine gesunde Portion Melancholie, während sanfte Klänge mystisch den Gesang umspielen. Um so aufrüttelnder wirkt dann im Anschluss der Track „Wir sind nicht allein“, der Zusammenhalt und Gemeinschaft fordert und fördert. Schnelle und tanzbare Beats tragen den Gesang nach vorne, um die gewünschte Botschaft zu überbringen. Auf einem Konzert sicherlich ein grandioser Song, um Liebhaber des elektronischen Genres zusammenzubringen. Denn in der Musik sind alle eins!

Zum Schluss wird es nochmal ein wenig ruhiger. „Zuviel Leben“ besticht erneut durch einprägsamen Gesang und sanfteren, aber Spannung aufbauenden elektronischen Elementen. Das Szenario komplettiert sich. Ist zu Beginn die Maschine gestartet, befindet man sich nun wieder am Ausgangspunkt. Die Sonne geht unter und der Kreis ist einmal durchlaufen, auf dass am nächsten Morgen alles von vorne losgeht.

Fazit: Das Debüt-Album von Schwarzschild zeigt auf jeden Fall das Potential des Duos. Sowohl gesanglich als auch musikalisch haben Dino Serci und Peter Daams einiges zu bieten. „Radius“ klingt schon sehr ausgereift und zeigt, dass auch Neulinge durchaus in einer musikalischen Landschaft überzeugen können, die von Künstlern geradezu überquillt. Hier klingt nichts bekannt oder zu ähnlich, doch das Rad wird hier auch nicht neu erfunden. Liebhaber des Synthpops oder des Elektropops sollten sich das Album anhören, denn es lohnt sich alle male. An einigen Stellen schwächeln die Songs zwar, besonders wenn der Beat schlagermäßig oder eintönig wirkt, doch insgesamt kann beinahe jeder Track den Hörer gefühlsmäßig abholen. Dies schafft zumindest der Gesang und die jeweiligen Thematiken der Songs. Man sollte sich auf Schwarzschild einfach mal einlassen und wer weiß, was uns in den kommenden Jahren noch erwartet. Ihr wollt das Album nun euer Eigen nennen? Bestellt es gleich hier bei Amazon.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.