Am Samstag, den 4. März, feierten die Spielleute von Saltatio Mortis in ganz besonderer Kulisse ihren Abschied vom „Zirkus Zeitgeist“-Bühnenprogramm, mit welchem sie seit Release des Albums fleißig unterwegs waren. Unter der Losung „Der Vorhang fällt!“ luden die Herren um Alea den Bescheidenen am Mikrofon noch ein letztes Mal für eine Dernière der außergewöhnlichen Art ein: In der Historischen Stadthalle in Wuppertal wandelten SaMo mit mehreren Gästen und zirkusreifen Show-Einlagen und -Acts die klassische Location für diesen Abend in ein mittelalterlich angehauchtes Varieté-Theater, spielten eine ausgedehnte und starke Show und beeindruckten einmal mehr ihre Fans.

Saltatio Mortis-9Ganz ohne Vorband legten die Spielmänner fast pünktlich mit ihrem Programm los und präsentierten gleich zu Anfang die Classics des letzten Albums „Wo sind die Clowns?“ und das Kapitalismus-kritische „Willkommen in der Weihnachtszeit“ (welches wohl zu jeder Jahreszeit seine beißende, satirische Ader passend zum Ausdruck bringt). Die Zuhörerschaft in der prunkvollen Stadthalle in Bahnhofsnähe war sofort dabei und ließ sich mitreißen von der immer wieder beeindruckenden Art der Band, mit Leichtigkeit Begeisterungsströme auszulösen und die Masse nicht mehr zur Ruhe kommen zu lassen.

Besonders schön anzusehen war die Tatsache, dass SaMo ihre finale Album-Show mit einigen Show-Einlagen würzten, die dem ganzen tatsächlich ein Zirkus- bzw. Varieté-Feeling aufsetzten: So gab es mit Compagnia Due zwei waschechte, geschminkte Narren, die die Stimmung teils durch Situationskomik und Slapstick, teils durch ihre wortlosen Unterhaltungen auflockerten und Humor erzeugten, sowie mit dem Duo Synergy eine überragende Kraft- & Vertikaltuchakrobatik-Show, bei dem auch Frontmann Alea selbst eine Rolle bekam, für die er monatelang trainierte (das harte Training durften Fans und Facebook-Abonnenten seiner selbst auch via sozialer Netzwerke miterleben). Was auf alle Fälle schnell klar wurde, war, dass Saltatio Mortis sich mit ihrer ausgefeilten und durchchoreographierten Show hier in Wuppertal gebührend von ihrer bisherigen Bühnenshow verabschieden wollten, nicht nur daran zu bemerken, dass erneut der legendäre Aufnahme-Ort der „Wild und frei“-DVD von 2011 gewählt wurde, sondern auch am Enthusiasmus und Spaß von Band und Publikum.

Nach weiteren Klassikern wie „Wachstum über alles“ und gehörig Pyro-Effekten bei „Prometheus“ spendierten Saltatio Mortis auch für den Song „Maria“ einen Akustik-Song „ohne Strom und Stecker“, wie sie ihr Album ja auch in etwas abgeändertem Gewand ein zweites Mal veröffentlichten. Der Fan-Liebling sorgte auch zügig für Gänsehautmomente in der prunkvollen Stadthalle. Über die herrlich frivolen und leichtfüßigen „Wir sind Papst“ und „Geradeaus“ wurde es mit „Satans Fall“ und der „Abschiedsmelodie“ dann wieder etwas melancholischer – letzterer Song fand bisher noch gar keine Live-Saltatio Mortis-17Aufführung, so durfte das Publikum gleich noch einmal eine Premiere miterleben. Als Special Guest holten sich SaMo zudem auch noch Ingo Hampf mit auf die Bühne, seines Zeichens Gitarrist bei Subway to Sally – denn andernfalls hätte man das Stück mit seinen drei Gitarren-Lines gar nicht zum Besten geben können. Doch auch ein exklusiver Abend musste sich nach den Klassikern „Früher war alles besser“, „Habgier und Tod“ und „Eulenspiegel“ langsam dem Ende neigen.

Bei all den emotionalen und künstlerischen Momenten des Abends vergaß gerade Lasterbalk der Lästerliche, der seinen Namen einem echten Spielmann verdankt, nicht die wahre Bedeutung und Verantwortung der Spielleute. So stand die Zugabe ganz im Zeichen der Sozial-und Politkritik. Mit „Augen zu“, „Todesengel“ und „Nachts weinen die Soldaten“ positionierte sich die Band auf dem neuen Album ganz deutlich gegen Gewalt und warnte auch an diesem Abend vor Krieg und Zerstörung. Beim letzte Lied des Abends „Spielmannsschwur“ versprachen die Spielleute von Saltatio Mortis allen Beteiligten, die Treue zu halten und sich niemals unterkriegen zu lassen. Schon längst haben alle Fans die Worte dieser Hymne verinnerlicht und tragen diese stolz in die Welt hinaus.

Fazit: Saltatio Mortis lieferten zum Grand Finale ihrer „Zirkus Zeitgeist“-Shows ein fulminantes Exklusiv-Event, das ihre Fans so nicht mehr vergessen. Die Artisten untermalten die teils getragenen, teils überschwänglichen Songs, die Clowns lockerten die Stimmung gut auf, sodass sich die Band zwischen den Liedern etwas Energie holen konnte, die sie dann sogleich voller Euphorie und Spiellust ins Publikum warfen. „Zirkus Zeitgeist“ – das sind, d.h., das waren kritische Zeilen, melancholische Worte, erhobene Zeigefinger und viel Spaß – und das macht SaMo Anno 2017 aus. Von hier aus geht es aber nur immer weiter nach vorn: Schließlich kündigten Alea, Lasterbalk und Co. auch schon Arbeiten am Nachfolge-Album an.