Russkaja – Kosmopoliturbo – CD-Rezension

Russkaja stehen seit ihrer Gründung 2005 für gepflegten Ska-Rock-Polka-Folk. Oder wie auch immer man das Genre der Österreicher nun bezeichnen mag. Nun haben sie nach einer zweijährigen Schaffenspause seit ihrem letzten Album „Peace, Love & Russian Roll“ (-> hier geht es zu unserer Rezension) einen neuen Silberling auf den Markt geworfen und sprengen damit wieder einmal alle Regeln der Musik, der Kunst und des menschlichen Verstandes. Wie kann sich eine Band so wandelbar zeigen und sich gleichzeitig selber treu bleiben? Eine Antwort auf diese Frage wird wohl nur die Truppe um Sänger Georgij Alexandrowitsch Makazaria beantworten können. Als Hörer ihrer CDs jedenfalls wird dies ein Rätsel, wenn nicht gar ein Wunder, bleiben.
Das neue Album erschien bereits am 04. August via Napalm Records und trägt den ausdrucksstarken Titel „Kosmopoliturbo“ und genau das hält die Platte auch, was sie verspricht. Es vereint den ganzen Kosmos, ist Multikulti und unheimlich turbulent.

Die CD beginnt mit dem Track „Hey Road“, das musikalisch sehr an ältere Russkaja-Songs erinnert und man sich gleich in gediegenen Klangwelten wiederfindet. Eine leichte Hiphop-Pop Attitüde wird dabei zwar an den Tag gelegt, doch gewinnt der Track durch den englischen Gesang mit russischem Akzent und die Trompeten einen folkigen Akzent. Das folgende „Alive“ mutet dann allerdings schon ganz anders an. Es wird rasant und erinnert zumindest vom Tempo her eher an den „Traktor“. Hierauf kann man tanzen! Russian Polka vereint mit englischem Gesang und einer rhythmischen Liebeserklärung hat einen wundervollen Charme, bis im Interlude plötzlich elektronische Klänge auftauchen. Diese würden eher in einen House- oder Hiphop-Club passen und reißen den Song irgendwie auseinander. Nach mehrmaligem Hören ist das aber irgendwie gar nicht mehr so schlecht. Russkaja haben es also wieder einmal geschafft, Genre komplett zu vermischen und ein Stück Sahnetorte daraus zu machen.

Mit „Still in Love“ geht es dann in die poppige Welt, in der elektronisch verzerrter Gesang und sanfte, aber rhythmische Gitarren die Oberhand haben. Ein Song, der einen nach den ersten rasanten Songs zurück auf den Boden der Tatsachen bringt und dennoch zum Mitträumen einlädt. Das vollkommene Gegenteil wird dann mit „Hello Japan“ aufgefahren, denn hier dröhnen einem plötzlich harte E-Gitarren entgegen. Gepaart mit Geige und Trompeten, erhält man einen Song, auf den man teilweise wunderbar tanzen und teilweise einfach nur abrocken kann. Der Text scheint tatsächlich japanisch zu sein, doch lassen hier unsere Sprachkenntnisse nach, sodass wir uns nicht sicher sein können.
Ganz eindeutig in deutscher Sprache ist dann aber „Volle Kraft Voraus“ gesungen. Musikalisch und szenarisch befinden wir uns auf einem Boot und auch textlich lässt sich dieser Song wohl auf maritimer Ebene finden. Rasant und rhythmisch kommt der Track daher, gewinnt durch den Text aber einen Touch an Seemannsgarn. Der Leileilei-Part wird sich live beim nächsten Konzert auf jeden Fall gut machen.

Über englisch, japanisch und deutsch gelangt man schließlich bei „Mare Mare“ zum Italienischen. Auch musikalisch befindet man sich nun eher in der südlicheren Folklore. Der Song könnte tatsächlich auch in einer italienischen Fußgängerzone genau so dargeboten werden. Und auch wenn gerade der Refrain eher wie ein Schlager klingt, hat das Lied doch irgendwie seinen ganz eigenen Charme. Rasanter wird es dann glücklicherweise mit „Cheburaschka“, das wieder auf englisch gesungen wird. Der Cheburaschka ist übrigens eine Film- und Romanfigur aus der ehemaligen Sowjetunion, die mit diesem Song ihren eigenen rasanten und tanzbaren Track erhalten hat. Später im Lied wird es sogar richtig rockig und wirkt geradezu wie eine Hymne.
Vollkommen sanft wird es dann mit „La Musica“ und man befindet sich im malerischen Spanien. Ein Track, der die Musik als Lebensgefühl, als Religion preist hätte wohl anders nicht besser geklungen. Feuriges Spanisch kombiniert mit sanften, aber treibenden Klängen von Schlagzeug, Trompeten und Geigen, muss einfach im Ohr hängen bleiben. Und wieder ändert sich das Tempo. Und erneut schallen harte Gitarren aus den Boxen, als es mit „Chef De Cuisine“ und damit dem französischen Küchenchef auf große Fahrt geht. Musikalisch klingt das allerdings alles andere als französisch. Der Song ist eher einer ganz nach Russkaja-Art und ähnelt älteren Tracks wieder mehr. Eine erfreuliche Abwechslung, bevor es mit „Send you an angel“ eine romantisch-verträumte Ballade gibt.

Fazit: „Kosmopoliturbo“ ist wahrlich ein Meisterwerk an Silwechseln und dem Spiel mit dem musikalischen Feuer. Es gibt Balladen, rockige Stücke, ordentliche Polka, Hiphop-Elemente und Elektronik. Bei der Aufzählung hat man dann mit Sicherheit auch noch das ein oder andere vergessen, aber das Album bietet wirklich mehr, als man jemals nennen könnte. Mit jedem Hören entdeckt man noch eine neue Nuance eines Songs und lernt jeden Track neu einzuschätzen. Auch wenn Russkaja hauptsächlich für Party-Polka stehen mochten, so bietet dieses Album doch viel viel mehr. Hier gibt es Facetten, die man bislang nicht kannte und die einiges hermachen. Auch wenn manche Lieder gewöhnungsbedürftig klingen und so gar nicht ins Genre passen zu scheinen, machen Russkaja doch irgendwie wieder ‚ihr Ding‘ draus. Dafür gibt es an dieser Stelle alle Daumen nach oben, die man nur haben kann. Das Album sollte man sich wirklich einmal angehört haben.

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