Prophecy Fest 2017, Tag 2 – Balver Höhle – Bericht

Der zweite Tag des diesjährigen Prophecy Fests startete ungewöhnlich warm für diese Festivalsaison. Während manche der Mittagssonne im Sauerland schon früh mit Lotus Thief und den ungarischen Folk-Düsterbarden The Moon & The Nightspirit flohen, war der größte Teil der Festivalbesucher noch auf dem kleinen, aber feinen Campground, trank gediegen einen Wein auf dem Vorplatz der Höhle oder besuchte das preisgünstige Frühstücks- und Brunchbuffet, das bereitgestellt wurde. Über die kulinarische Auswahl konnte man sich streiten – das, was vorhanden war, war allerdings mehr als lecker: Türkische Spezialitäten, Bock- und Bratwurst vom Grill, sowie Suppen und auch etwas für die Fleischmeider – wenn auch die Portionen eher gering ausfielen. Das Wertmarken-System war auch etwas seltsam in diesem Jahr organisiert.

Spiritual Front-10Schnell an Parabelritters Silence-Stand vorbei und ein paar Autogramme geholt, stiegen mit den Italienern der Spiritual Front die ersten Publikumsmagneten auf die Bühne, welche zum 10-jährigen Jubiläum der „Armageddon Gigolo“-Scheibe (strenggenommen von 2006, aber egal) ein besonderes Set zu Ehren des Albums auf die Beine stellten. Liebhaber der Musik von Simone Salvatori und seinem Dark Cabaret zwischen düsteren Neofolk-Anleihen und Noise Punk waren auch extra aus dem Heimatland angereist, um einen der jüngst eher seltener gewordenen Live-Termine der schon seit den 90ern aktiven Band mitzuerleben – und das hat sich auch ausgezahlt: Während im Hintergrund auf einer Leinwand (anscheinend) ein italienisch untertitelter Schwarzweiß-Film über das Bild flatterte und sich die vier Herren mit Anzügen und Hüten als coole Gentlemen gaben, war die Gänsehaut bei den variantenreichen Songs garantiert. Spiritual Front pflegen ein Image der politisch unkorrekten Provokateure, heißt es, alles ist nihilistisch, sexualisiert, antichristlich – und die Menge jubelte ob dieses Highlights im Kader des diesjährigen Prophecy Fests, auch wenn man hier fernab jeglicher, zünftiger Metalklänge ablieferte.

Mit dem atmosphärischen, meditativen Einschub der ebenso im melancholischen Neofolk-Gewässer fischenden Noêta gab es dann nochmal einen weniger bekannten Vertreter des Labels, bevor Dornenreich an diesem Tag die wohl meisten Besucher vor die Stage locken konnten. Evigas Herz- und Seelenprojekt schenkte seinen getreuen Fans mal wieder eine reine Akustik-Show, was manche in der Menge wohl etwas enttäuscht haben mochte. Auf anderen Festivals in diesem Jahr gab es entweder eine Mischung aus Akustik und Metal-Show oder gleich zwei Shows an zwei Tagen. Dennoch kann man dem besonderen Sänger und seiner mal geflüsterten, mal geschrienen Vortragsart seiner hochwertigen Lyrik in der akustischen Untermalung keine negative Kritik entgegenbringen: So gab es nicht nur Stücke der letzten Alben „Freiheit“ und „Flammentriebe“, sondern auch –zur Freude der die hard-Fans in der Höhle- Lieder der ersten Demo von 1997, „Mein Flügelschlag“.

The Vision Bleak um Allen B. Konstanz (u.a. Ewigheim) und ebenfalls Markus „Schwadorf“ Stock hatten die Bühne kurz darauf in eine Dark Fantasy-Stätte verwandelt – Rabenfiguren, Ranken, Tempelbauten untermalten den H.P.Lovecraft-inspirierten Dark Metal-Sound der Band, welche hier ihr letztes Album „The Unknown“ präsentierte. Die charakteristisch ruhige, aber gleichzeitig lauernde, sich in ihrer Spannung steigernde Atmosphäre, die das textliche Konzept untermalt, wurde aber diesmal nicht nur durch die Stimmen der beiden Kernmitglieder veredelt, sondern auch durch die klassische Begleitung der Shadow Philharmonics, welche die Band schon mehrfach auf Festival-Gigs begleitet hatte. Hervorzuheben waren hier definitiv „The Kindred of the Sunset“ sowie die Songs vom beliebten „Set Sail to Mystery“-Album.

Konnten Mat McNerney und seine Kollegen von Hexvessel mit ihrem selbstbetitelten Psychedelic Forest Folk Metal nur wenige im Gewölbe verzaubern – das mag an der Technik, am fehlenden Elan oder daran gelegen haben, dass die weit bekannteren Projekte Grave Pleasures (fka Beastmilk) oder sogar seine Zeit bei den Norwegern von Dödheimsgard schlicht bekannter sind – fing der Brite mit seiner schaurigen Stimme vor allem mit den Song-Auszügen genannter Bands die Besucher, weniger mit den Liedern der letzten Veröffentlichung „When We Are Death“.
Da begeisterten eher die Newcomer-Holländer von Dool um Ryanne van Dors

The Vision Bleak-19

t, welche den Kennern aus dem Dunstkreis von The Devil’s Blood bekannt sein dürfte. Mit ihrem Album „Here Now, There Then“ punkteten sie direkt und fuhren allerhand Lob ein, bei Prophecy stiegen sie erst 2016 mit ihrer kryptischen Single „Oweynagat“ ein. Live bekam man hier eine intensive Show geboten, die Frauen-Power wurde mit zwei Background-Sängerinnen nochmal gestärkt und so entfaltete die Band für viele zum Abschluss ein fulminantes Finale. Da zu diesem Zeitpunkt bereits ein fast einstündiger Zeitverschub herrschte, übersprangen manche den eigentlichen End-Gig von Hypnopazuzu, den die Veranstalter in petto hatten – Balve liegt nun einmal nicht zentral und nicht jeder war zum Campen hier, oder musste wenigstens noch einige Orte weiter zu ihren Hostels und Hotels. Etwas ermüdend anfangs, doch immer hypnotisierender und später richtig catchy legte Killing Joke-Musiker Youth hier gemeinsam mit David Tibet eine flotte Sohle aufs Parkett. Schade, dass sich viele das Ende haben entgehen lassen!

Fazit: Auch das 2017er Prophecy Fest hatte wahre Perlen im Angebot, auch wenn viele den zweiten Tag als „zu undergroundig“ kritisiert hatten. Schade, dass wieder kein ausverkauftes Haus zu verzeichnen war – und traurig, dass als Konsequenz wohl das nächste Prophecy Fest erst 2019, wenn überhaupt, auf die Beine gestellt wird. Wir halten euch auf dem Laufenden – für uns war das 2017er Event ein ganz besonderes Festival – nicht zuletzt aufgrund der schönen Location, dem Destillat dunkelromantischer, hochwertiger Musik von Black Metal bis Folk und Post Rock und dem Ambiente.

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