Omnia – 15.12.2016 – Matrix Bochum – Bericht

Spiritueller Pagan Folk, ausgelassene Choreomanie und eine aufrüttelnde „Prayer“-Fürbitte säten die Niederländer Omnia auf ihrer kurzen CD-Release-Tour Mitte Dezember 2016 aus. Die letzte Platte der naturverbundenen Freigeister „Earth Warrior“ liegt bereits 2 Jahre zurück, 2015 veröffentlichte Sängerin und Harfenistin Jenny Evans van der Harten ihr Solo-Album „Naked Harp“ – auch mit den neuen Stücken, mit denen sie ihr Publikum in Deutschland, ihrer Heimat und Tschechien auf dieser Konzertreise zu beglücken gedachten, lieferten Omnia handgefertigte Akustik-Extravaganz und wandelten die Bühnen erneut zum Hingucker. Wir waren beim Gig in der Matrix Bochum am 15. Dezember dabei.

20151215_Bochum_Prayer_Omnia_0036Ohne eine Vorband und ohne Umschweife starteten die fünf Musiker um Viertel nach 8 mit ihrem auf den ersten Blick sehr kurzen Set in den Donnerstagabend: Nach dem Titelsong-Intro der neuen Platte und dem „One Way Living“-Sprechchor taute das Publikum dann merklich auf, kam im Hier und Jetzt an und tanzte sich schon früh die Seele aus dem Leib – spätestens aber mit dem folgenden „Free Ra Huri“ und dem beliebten „I Don’t Speak Human“. Schamane Steve Sic begrüßte sein Publikum mit den Worten, man wolle gemeinsam beten für die Erde unter den Füßen, den Himmel über unseren Köpfen und beklagte sich noch lachend über den „weirdest backstage ever“ der Matrix – warum die Green Room-Bereiche der Kultstätte in Bochum aber so merkwürdig in seinen Augen sind, blieb der Herr als Erklärung schuldig.

Nach einer mitreißenden Ansage, dass jeder der Erde etwas zurückgeben könne, folgte das unter vollem Herzblut-Einsatz gespielte „Earth Warrior“ – dem Omnia-Klassiker voraus gingen ein Abgesang auf Großkonzerne wie Bayer, Monsanto und Co. und ein inbrünstiges „fuck those corporations“, ehe man die Song-gewordene Quintessenz der Omnia-Philosophie serviert bekam. Weitere Highlights folgten auf schnellem Fuße: So gab es auch noch den „Freedom Song“, das klassische Folk-Stück „Wolf An Dro“, das smoothe „Black House“, sowie „Toys in the Attic“, welches bei eingefleischten Fans der Band definitiv zu einer Gänsehaut führte, wurde der Song doch länger nicht live gespielt. Der Spanisch-sprachige „Alan Lee Tango“ führte bei Steve zu einem sehr bescheidenen Eingeständnis, dass er hoffte, die schwierige Sprache zu meistern (er tat es) – aus dem Grund, dass die Gastsängerin Maria, welche auf „Prayer“ zu hören ist, sogar den weiten Weg auf sich genommen hat, um an diesem Abend (und vermutlich während der ganzen Tour) Omnias Ehrengast zu sein.

Mit einigen Instrumentals und schweißtreibenden Hymnen wie „Saltatio Vita“ und „Etrezomp-Ni-Kelted“ ging es langsam auf das Setende zu – beeindruckend, wie die Musiker immer wieder von Instrument zu Instrument hüpfen, wie viele unterschiedliche sie mit Leichtigkeit beherrschen. Ein bisschen schade, dass offenbar das herrlich aufgedreht-selbstironische „Mutant Monkey“ keinen Weg in die Setlist gefunden hat, zu welchem erst kürzlich ein Musikvideo 20151215_Bochum_Prayer_Omnia_0045veröffentlicht wurde. Als Zugabe folgten noch (in augenscheinlich verkehrter Reihenfolge, da Steve diese nicht ganz kohärent wiedergeben konnte – machte aber nix, man ist ja flexibel, wenn Omnia auf der Fahne steht, er nannte das Phänomen liebevoll „Schrödinger’s Setlist“) „Old Man Tree“, die Kampfansage an die Beinmuskulatur „Dance Until We Die“ und das finale „Morrigan“, ehe die Band sich noch am Merch-Stand versammelte.

Fazit: Ein wunderschönes und ausgelassenes Alternativprogramm zu Glühwein und Weihnachtslitaneien lieferte Hollands buntester Folk-Reigen an diesem Abend. Hatte man zunächst den Eindruck, das gespielte Konzert wäre von verschwindend kurzer Länge gewesen, staunte man nicht schlecht bei der Song-Menge, die Steve Sic und sein Ensemble hier untergebracht hatten. Eine Vorband wurde nicht vermisst, auch wenn es immer schöne Summanden gibt, die man in den Support-Slot größerer Folk-Bands stecken könnte – Omnia heizten mit ihren ersten Songs genauso ein, wie es eine ganze andere Band getan hätte. Eine tolle Performance und ein großartiger Querschnitt des Songkorpus einer Band, die perfekt zwischen ruhigem, emotionalem Moment und derwischgleichem Tanzbein hin und her schwingen kann. Fast schon schade, dass man ankündigte, die komplette erste Jahreshälfte 2017 pausieren zu wollen. Zum Glück ist es nur ein halbes Jahr!

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