Neben Ekstasis und Frostreich hat das Klein-Label Geisterasche Organisation aus dem rheinland-pfälzischen Pirmasens einen weiteren vielversprechenden Vertreter des Black Metal-Genres im Kader: Die Rede ist von Nemesis Sopor aus Dresden, welche in diesen Tagen nach Wurzelloser Geist (2011) und Glas (2014) ihr drittes Album MMXL veröffentlicht haben. Die neue Platte erschien bereits am 17. Februar diesen Jahres, doch auch jetzt lohnt es noch, einen Blick darauf zu werfen.

Vom starken 15-Minüter „Untertan“ gleich am Anfang noch recht überwältigt, wird man als Zuhörer der vierköpfigen Band nach der Einleitung auch vom Folgenden ordentlich mitgerissen. Ist man erst so richtig in die Sphären ihres düsteren Werks getaucht, über dessen Bedeutung und inhärentes Konzept man gleich nachgrübeln muss, wird einem die volle Bandbreite des Werkes bewusst. Über eines kann man sich schonmal sicher sein: Selten hat man tiefer gehende, lyrisch hochwertigere und gleichsam ausgeklügelte Texte gesehen, welche dem musikalischen Konstrukt der Song-Korpora ihr Fleisch geben. Es ist lediglich ein bisschen schade, dass die Vocals so abgemischt sind, dass sie etwas verfremdet wirken, fast schon in den dichten Black Metal-Background eingebettet – was dazu führt, dass es sich für diejenigen, die kein Booklet parat haben, oftmals etwas schwieriger gestalten dürfte, die Texte herauszuhören. Der Gesang sticht nur wenig prominent hervor, was aber wohl gewolltes Stilmittel ist. Erzählt der Opener hier noch auf meisterhafte Art und Weise den langen Weg des Menschen bis an die Krone der Schöpfung, geht es in „Herrscher“ und „Despot“ um Macht und dessen Missbrauch, bis gegen Ende der Platte eine kryptische, apokalyptische Atmosphäre aufkommt.

Der Sound von Nemesis Sopor lebt dabei vor allem von Wechseln zwischen melodischeren Parts, die beinahe ein bisschen an Post Metal-eske Auswüchse erinnern mögen, mit geflüsterten Vocals, begleitet von ruhigem, gedämpftem Gitarren- und Schlagzeugspiel, und den aggressiveren, mitreißenden Black Metal-Sturzfluten, die ganz Genre-eigen sind und derer die Band sich gerne bedient, um der Stimmung und dem Gesang von Frontmann R.S. eine Emphase zu geben. Besonders ist dieser Aufbau bei „Herrscher“ zu bemerken, welches durch das in falscher Einkehr wiegende Instrumental „Saat“ eingeleitet wird. Besondere Highlights sind definitiv der stetig wummernde Drum-Hintergrund bei „Despot“, welcher in seiner Geschwindigkeit selbst in den weitgehend Gitarren-freieren Passagen nicht abebbt, dabei umso eindringlicher bleibt und Text-Fragmenten wie „Flamme beugt sich dem Weg, verheert edlen Geist“, sowie „Das Licht der Sterne erlischt, was wird erschufen ist unser Verderb“ nochmal beklemmende Nähe verleiht. Während das rein instrumentale Titel-Stück „MMXL“ (bei dem man ob seines Titels und der römischen Jahreszahl für 2040 an eine dystopische Zukunftsvision denken mag, in der sich die machthungrige Menschheit schlussendlich selbst vernichtet) nochmal jegliche musikalische Bandbreite der Dresdner unterstreicht, endet die Platte mit „Atarax“ und „Zeit der Sterne“ nicht weniger stark und auf gleich hohem Niveau wie sie angefangen hat.

Die finstere, von jeglicher Hoffnung befreite Bodenständigkeit, mit der die vier Musiker an ihre Black Metal-Visionen herangehen, ist schon bemerkenswert. Textlich auf ganz hohem, dafür schwierig zugänglichen Level ist es vor allem die dichte, trostlose Atmosphäre, die „MMXL“ zu einer Empfehlung macht. Man darf gespannt auf zukünftige Releases der Band sein – denn dieses Machwerk ist ein Kaleidoskop an Stilistika, welches mit seinem progressiven Aufbau und der pontiert gestalteten, ausgeklügelten Konzeption besticht und eigentlich näherer, textlicher Analyse bedarf, denn hier hat man sich selbst übertroffen.

Interesse geweckt? „MMXL“ gibt es bereits seit dem 17. Februar zu kaufen und kann -> hier bestellt werden.

In der Zwischenzeit seht ihr hier das Musikvideo zu „Despot“: