Mr. Hurley und die Pulveraffen-2Die Piratenbande Mr. Hurley & Die Pulveraffen aus dem karibischen Osnabrück ist derzeit auf großer „Tortuga“-Tour zu ihrem neuen Album und hielt vergangene Woche auch Einzug im bergischen Wuppertal. Gemeinsam mit ihrem Support MacCabe & Kanaka bescherten sie ihren Fans im randvollen Live Club Barmen einen ausgelassenen und schweißtreibenden Abend – nicht nur, weil man die Lüftung erst in der zweiten Konzerthälfte einschaltete, von der höchstens die weiter außen Stehenden etwas mitbekommen haben werden, sondern auch, weil Mr. Hurley und seine Band ihre Besucher ordentlich das Tanzbein haben schwingen lassen. Wie der Abend verlief, lest ihr hier.

Zunächst präsentierte sich das seit 2013 aktive Support-Duo MacCabe & Kanaka dem Publikum Wuppertals. Mit maritimen Folk-Hits und Shantys stimmten sie die Menge gut ein und stellten auch gleich ihre „shanghaiten“ Gastmusiker vor, die sie sich zur Unterstützung ins Boot geholt hatten. Die Lübecker sind zu Hause im Irish Folk, garnieren ihre Songs aber immer wieder mit Themen, die sich träumerisch mit den Weiten des Ozeans, aber auch zünftig mit dem Feiern auf hoher See auseinandersetzen. Vor allem blieben Stücke wie „Ye Jacobites By Name“ und „John Kanaka“ im Gedächtnis, mit denen sie ordentlich einzuheizen wussten. Über den temporären Ausfall des Tons halfen die Fans hinweg, die lautstark mitsangen, bis der Ton wieder verfügbar war. Lustigerweise hatten dies nicht alle Musiker auf der Bühne mitbekommen, weshalb es durchaus auch zum ein oder anderen Lacher kam. Das PublikumMacCabe und Kanaka-6 verlangte daraufhin sogar eine Zugabe, die erfreut gegeben wurde.

Mr. Hurley und seine Crew enterten dann nach kurzer Wartepause gegen kurz nach 9 die Bühne. Eröffnet wurde der Abend mit dem Titelsong der neuen Platte „Tortuga“, bei dem direkt der Tenor für die gesamte Show vorgegeben wurde: „Was auf Tortuga passiert, bleibt auf Tortuga.“ Unter dieser Losung zelebrierte die wachsende Fangemeinschaft die mal rasante, mal herrlich bekloppte, aber immer stimmungsvolle Musik der Herrschaften aus dem Osnabrücker Land, welche nicht zuletzt mit dem Bild des abgewrackten Piraten und zünftigen Sauf- und Party-Songs ordentlich bei Mittelalter-, Folk- und auch Metal-Fans punkteten. Die „Joint he Navy“-Persiflage „Komm zur Marine“ ist beinahe schon ein Hymnus der Band geworden, zu dem die Besucher von jung bis alt salutierten und mitgrölten. Überhaupt wunderte sich die Band auch immer wieder über die Altersbilanz ihrer Konzerte, bei denen selbst Eltern mit Kindern zugegen waren und sie immer – wenn auch nur kurz, so der Käpt’n – ein schlechtes Gewissen bekamen, wenn es um Alkohol, Frauen, Brandschatzen und diverse Unsittlichkeiten ging.

Natürlich gab es auf dem Konzert auch viele der neuen Stücke auf die Ohren: So gab es zum Beispiel den bitterbösen Schunkel-Song „Trau keinem Piraten“, auf den gleich das thematisch ähnliche „Schlechtes Vorbild“ folgte. Hier berichtete Mr. Hurley himself auch davon, dass das Lied über die Badass-Attitüde der Piratenhorde in Zusammenhang mit einem ausgeschlagenen Vertrag mit einem großen Label entstand, welches ihnen empfohlen hatte, doch ein bisschen weniger von übermäßigem Alkoholkonsum und Themen unter der Gürtellinie zu singen, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Die Fan-Meinung war ein einhelliges „Gut so“ – ein Blatt vor den Mund zu nehmen, das passte auch zu der Piratenbande nicht. Darüber hinaus präsentierten die Jungs viele Klassiker, darunter auch das Loblied/Schmähgedicht auf ihren Smutje „Schrumpfkopf im Rumtopf“, der Streitsucher „Ach ja!?“ (der direkt ins brandneue, schon jetzt ein Fan-Liebling gewordene „Mit’n Schwert“ überging) oder „Booty Island“ und der „Plankentanz“.

Mr. Hurley und die Pulveraffen-4Als Zugabe spendierten Mr. Hurley und seine Pulveraffen das melancholische und doch verschmitzte „Wär‘ ich Gouverneur“, bevor auch sie noch einmal ein Medley aus verschiedenen, schmissigen Irish Folk-Songs spielten – gewürzt mit diversen Liedern, die so gar nicht ins Genre gehörten, wie u.a. der Kassierer-Song „Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“. Das große Finale, mit dem sich die Piraten-Folker entgegen der selbst auferlegten Etikette dann doch artig verabschiedeten und bei der großen Publikumshorde bedankten, war selbstredend „Blau wie das Meer“, zu dem im Saal noch einmal alle ausgelassen feierten.

Fazit: Angesichts der Besuchermasse im LCB Wuppertal musste man sich für die Piraten richtig freuen, so brechend voll bekamen Mr. Hurley & Die Pulveraffen den Saal – nicht, dass man sich wundern müsste, etablierten sich die Jungs doch nach und nach als Garanten für Party und gute Stimmung, nicht bloß auf Club-Tour, auch auf diversen Festivals. Irgendwo zwischen gesellschaftskritischer Feierlaune und ästhetischem Nonsens pendelt die Band schon seit Jahren und man kann sich nur freuen, eine so witzige und gleichsam ehrliche Truppe in der Musiklandschaft zu haben, die zudem noch selbst offenbar größten Spaß an ihrem Treiben hat. Gerne wieder, mon capitain! Mit ihrem passenden und hochwertigen Support MacCabe & Kanaka hatte die Band auch sozusagen ihre eigenen Wurzeln mit an Bord, starteten auch sie ja zunächst mit atmosphärischen Cover-Stücken. Mr. Hurley & Die Pulveraffen sind noch bis zum 25. November auf Tour und allen Feierwütigen Folk-Aficionados empfohlen! Wer es in diesem Jahr zu keinem Konzert mehr schafft, sei verraten, dass es 2018 auf eine sehr ausladende Tour geht, bei der unter anderem auch Bochum und Köln angefahren werden.