MPS Dortmund – 29.04.-01.05.2017 – Fredenbaumpark – Bericht

Als Pflichttermin für alle Mittelalter-Interessierten, Fantasy-Anhänger und Folkloristen fand am Wochenende des 29. April bis 1. Mai das diesjährige Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, kurz MPS, im Fredenbaumpark in Dortmund statt. Zahlreiche Kostümierte, sei es in mittelalterlichen Gewandungen oder in LARP-Outfits, in aufwändigen Steampunk-Kleidern oder im Goth-Look; alle reichten sich die Hand, man konnte sich gütlich tun an Wein und Met, an Holzfeuer Gebratenem und den vielen Händlerständen. Der weitläufige Freizeitpark mit seinen zahlreichen Wald- und Wiesenbereichen und mehreren Seen bildet eine wunderschöne Naturkulisse für das beliebte, jährliche Groß-Event der Mittelalter-Szene. In diesem Jahr gleich mit ziemlichem Temperatur-Bonus, zählte doch der Sonntag zu einem zumindest zeitweise richtig sommerlichen Tag. Unter den diesjährigen Attraktionen und Bühnenshows fanden sich im Wochenendprogramm unter anderem die Veteranen der Veranstaltung Saltatio Mortis oder Versengold, Auftritte von Bruder Rectus oder Versengold-39„Der Tod“, zahlreiche Workshops, Theater, Schaukämpfe und Turnier-Shows.

Sommerlich war für das Wochenende in Dortmund gar kein Ausdruck, wehten den Besuchern doch so einige Staubwehen entgegen, da das Gelände so trocken war. Die Bremer Band Versengold, oft als regelrechte Durchstarter der Szene gepriesen, bescherten den Besuchern nicht bloß einige Stücke des 2015er Albums „Zeitlos“ (-> hier geht es zu unserer Rezension) und konnten damit gleich ihre ganze Hörerschaft auf den Tag einstimmen – während der Text-Part „Es zählt nur die Sonne von heute“ thematisch gar nicht besser zum Tag passen konnte – nein, es gab auch neue Stücke zu hören, wie das kürzlich via Musikvideo veröffentlichte „Haut mir kein‘ Stein“ vom neuen Album „Funkenflug“, welches im August erscheinen soll. Dafür wurde natürlich ordentlich die Werbetrommel gerührt. Zum Tanzen, Trinken und Feiern animieren ist quasi die Berufung von Malte Hoyer und seinen Bandkollegen.

Auch die Spielleute von Saltatio Mortis konnten zunächst ein wundervolles nachmittagliches Set hinlegen, bei dem sie in dem strahlenden Sonnenschein mit einer gehörigen Portion Witz und Ehrlichkeit punkten konnten. Papst Lasterbalk und sein Jünger Alea verteilten den abgewandelten „Urbi et orbi“ für ihr Publikum und spickten ihr Set mit eigenen Stücken immer wieder mit traditionellem Liedgut, englisch-sprachigen Saufliedern oder Instrumentals, begeisterten mit ihrem Humor und stellten einmal mehr unter Beweis, dass sie zum MPS gehören wie die Faust aufs Auge. Am Abend legten sie dann nochmals mit einer ordentlichen Ration Pyrotechnik einen oben auf. Zwischendurch durften auch Mr. Hurley & die Pulveraffen die Bretter der großen Bühne zum Beben bringen. Mit neuen, aber nicht zwangsläufig frischen, Klamotten und einem wundervollen Bühnenbild mit qualmender Schatztruhe, verzauberten sie ihre Fans genau so wie mit den Songs, die sie spielten. Sie hatten es sich zumindest beim Mittagsset am Samstag auf die Fahne geschrieben, alle möglichen Songs zum Besten zu geben, die sie noch nie vorgetragen hatten. Ihre Fans feierten sie dafür ungemein, auch wenn die Klassiker zuerst vielleicht erst gefehlt haben.

Wer eine Auszeit vom Musikalischen suchte, konnte sich – so man denn nicht von einer Kindergruppe mit Holzschwertern um seinen Geldbeutel gebracht wurde – am großen Angebot an Essen und Getränken auf dem Markt laben. Neben den üblichen Verdächtigen wie der Drachenschänke und der Kuhmilch-, Kaffee- & Kakao-Spezialitäten-Kaschemme gab es auch wieder Hanffladen, allerlei Grillstände und die Beerenweinkutsche. Allerhand Flüssigkeiten, die einem gemeinhin den Kopf umdrehen, sowie zünftiges Essen, das den Magen randvoll macht, demnach. Verhungern oder verdursten musste also niemand. Ebenfalls ein Highlight: Die Kampfarena. Trotz der wenigen kurzen Regenschauer (besonders am Montag) versammelten sich dort nicht wenige, um die Fechtgruppe Fictum samt neuer Show zu erleben, sowie weitere Streiter, die um die Gunst ihrer Zuschauer buhlten. Übrigens: Wer bei den Beerenweine für 20 Euro einkauft, erhält eine Gedenkmünze. Wer davon 50 gesammelt hat, wird von Bruder Rectus zum Ritter der Beerenweine geschlagen. Bei der Markteröffnung am Samstag wurden ganze fünf Ritter geschlagen und mindestens einer nicht zum ersten Mal.

Natürlich gab es auch etwas weniger bekannte Bands an den Marktwochenende, die ihren Zuhörern mit Trommeln, Dudelsack und allerhand weiterem Instrumentarium den Folk, das Mittelalter und die ausgelassene Musik näher brachten: Auf mehreren Bühnen sorgten unterschiedliche Acts für Unterhaltung, darunter Saor Patrol, die ihre Mittelalter-Sounds mit E-Gitarre und moderneren Themen verschmelzen, sowie Duivelspack (hochdeutsch: „Teufelspack“), ein Spaß-Folk-Trio aus Detmold. Von ihnen gab es unter anderem die Lieder „Igor“ über den Sicherheitschef des MPS und Organisator des Heerlageraufbaus und „Du hörst ja gar nicht zu“ über Verständigungsprobleme zwischen Mann und Frau. Auch Cuélebre und das Versengold-und-Mr.Hurley-Alter Ego Knasterbart konnten viele Fans um sich scharen – Erstere spanische Combo konnte hierbei viele neue Anhänger gewinnen und spielte viele Stücke von ihrem Erstlingswerk „Oinos“ von 2011, während Letztere sich mehr dem Alkohol, den üblen Aromen und der Selbstironie hingaben und ihr aktuelles Werk „Superknasterbart“ mit dabei hatten. Am Sonntag und auch am Montag begeisterten auch Ye Banished Privateers wieder die piratösen Mengen im Volk zu Dortmund. Gut gelegen zur Bühne war da auch die Tortuga Bar, die den Piraten allerlei sommerliche und piratige Cocktails ausschenkte und den ein oder anderen nicht nur mit Rum versorgten.

Für die späten Abendstunden, als die Fackeln und Lagerfeuer entzündet wurden, war an diesem langen Wochenende sogar für Samstag und Sonntag eine groImpressionen-17ße Feuershow geplant. Da der 1. Mai ja bekanntlich frei war und man in der Nacht zuvor Walpurgisnacht zelebrieren konnte, wurden auch am Sonntagabend die Künstler von Spiral Fire und Danse Infernale angeheuert, um in fremde und heiße Welten zu entführen.

Fazit: Klar ist das MPS kein durchweg authentischer Markt – dafür umso phantastischer mit seiner Größe, seiner Gastlichkeit, seines Programms und des Gesamt-Feelings, das den Besucher des Fredenbaumparks Jahr für Jahr überkommt. Fest eingetragen im Kalender der Anhängerschaft des Mediävalen, des Phantastischen und der Folk-Musik ist das Event. Ritter, Söldner, Bogenschützen, Knappen, Fürsten, Edelfrauen, Knechte, Mägde, Handwerker, Händler, Musikanten, Narren, Gaukler, Artisten, Scholaren und viele weitere Darsteller in phantasievollen und hochmittelalterlichen Gewandungen und Rüstungen entführten die Gäste aber erfolgreich in das 13. Jahrhundert oder auch in ganz andere und fremde Welten – auf alle Fälle weit weg vom hektischen Alltag der Moderne, und vor allem auch weit weg von den kalten Wintertemperaturen. Selbstredend darf man nämlich auch nicht unterschlagen, dass der Besuch von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr ins Geld geht – dafür bekommt man aber auch gehörig etwas geboten: Neben den vielen Bands, die sich auf den verschiedenen Bühnen die Klinke in die Hand gaben, erfreute sich das Volk zu Dortmund auch wieder des Ritterturniers von Filmpferde.com oder der Schaukampfgruppe Fictum, die mehrmals am Tag mit ihrer Show Groß und Klein in ihren Bann zogen. Für die kleinsten Besucher  gab es es auch wieder Puppentheater und ein Kinderturnier. Mehr als eine Empfehlung für das stimmungsvolle und überaus ästhetische, mit tollen Programmpunkten vollgepfropfte Event kann man gar nicht geben! Wir freuen uns bereits auf jetzt auf die MPS-Lager in anderen Städten und – ohne den warmen Sommer überspringen zu wollen – auch schon auf den Weihnachtsmarkt des MPS, ebenfalls im Freizeitpark Fredenbaum im Dezember.
Impressionsfotos des Wochenendes findet ihr -> hier. Die Bands, die wir vor die Linse kriegen konnten, haben jeweils eigene Galerien. Diese findet ihr einzeln in der Foto-Kategorie (-> hier).

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