masp_04_by_zouberi-dasxqxzEs war der 23.12.2016. Am nächsten Tag war Weihnachten, in Gedanken steckte man bei der Weihnachtsdekoration, den Familienbesuchen; die Frage: „Hat man für alle Geschenke und werden sie auch gefallen?“ hetzte einem durch die Sinneslandschaft und trieb so manchem Zeitgenossen den Schweiß auf die Stirn. Doch für viele dreht sich der Abend vor Weihnachten nicht um das Fest, Familie und Christbäume. Sondern um nette Menschen, leckeres Essen, Met, zum Beispiel von der Schenke zum wilden Wikinger, und vor allem um gute Musik. Diese Dinge und alles andere, was das Herz begehrt, gab es am 23.12.2016 in St. Pölten am Mittelalterspektakel im Veranstaltungszentrum (VAZ) zu finden.

Einige ausgewählte Händler waren vertreten, welche ihre ungewöhnlichen und außergewöhnlich schönen Waren zum Kauf darboten. Viele der erwerbbaren Gegenstände waren handgefertigt und bei Interesse wurde einem auch gerne das Prozedere genauer erläutert. Gegen den Durst und den Hunger wurde man beim Mittelalterspektakel gut vorgesorgt und man ließ keine Wünsche offen. Vor den Acts auf der Bühne und zwischen den Konzerten wurde auf dem kleinen und beschaulichen Markt die Zeit nicht lang, da man die beste Unterhaltung von den Feigen Knechten und Narrengold erwarten durfte. Insgesamt ergab das Zusammenspiel aller Komponenten einen runden und liebevollen Eindruck.

Weniger beschaulich, aber dafür umso härter und vor allem lauter, startete der Konzertabend mit Drescher. Die masp_21_by_zouberi-daszip5Niederösterreicher beschreiben sich selbst als weit entfernt von der „Humtata- Romantik“ und dies ist für Drescher noch gar kein Ausdruck. Metal-Riffs und Trash-Metal-Klänge auf einem Niveau mit dem sie auch mit den Größten der Szene mithalten können, welche von einer „Quetschn“, besser bekannt als Akkordeon, unterstützt werden. Auch die Texte im österreichischen Dialekt, welche ausschließlich gegrölt werden, erfordern manchmal etwas mehr Aufmerksamkeit, um sie zu verstehen, bieten dafür aber einiges an Unterhaltung. Der Metal in Lederhosen machte beim MASP ordentlich Stimmung, unter anderem mit ihrer Version des „Amadeus“ von Falco.

Nach Drescher vollzog sich auch ein Wechsel der Bewegungsabläufe des Publikums. Vom Pogen und Moshen hin zum Springen und Tanzen. Denn nun war Tanzwut an der Reihe, dem Publikum einzuheizen. Die Tanzwütigen boten eine Mischung von modernen und rockigen Klängen gepaart mit mittelalterlichen Melodien nahezu perfekt dar und bezogen ihr Publikum fleißig mit ein. So hatte man selten eine freie Minute, denn wenn man nicht gerade Klatschen oder mitsingen sollte, war man damit beschäftigt, die eindrucksvolle Bühnenshow zu genießen. Man merkte, dass unter den Anwesenden Tanzwut schon einiges an Bekanntheit genoss, da das Publikum laut und masp_42_by_zouberi-dat3j3abegeistert mitsang. Für einen der witzigsten Momente des Abends war Tanzwut verantwortlich: Der Frontmann, genannt „Teufel“, unterstellte den Österreichern und Österreicherinnen etwas abergläubisch zu sein und bat alle ihre Hände in die Höhe zu strecken. Als die Musik begann kam etwa ein Drittel der Anwesenden der Aufforderung nach; anschließend bekam die Musik etwas mehr Druck und kurz bevor es so richtig losgeht, rief Teufel: „Wer jetzt nicht mitklatscht, hat 2017 Pech!“ Bloß einen kleinen Moment später hatte die Musik so richtig an Fahrt gewonnen und alle in der Halle ihre Hände in der Luft um mitzuklatschen.

Nach dem fordernden Tanzwut-Konzert, kam nun eine deutlich ruhigere und etwas leisere Band auf die Bühne. Doch verstanden auch Faun, das Publikum einzufangen und mitzunehmen. Faun ist eine sehr naturverbundene Band und das zeigten sie anhand ihrer Kleidung, durch die Art ihres Auftritts und natürlich durch ihre Musik. Sie nahmen einen auf eine Reise um diese Welt mit und entführten einen in Träumereien durch nordische Texte oder auch durch arabische Melodien. Die Bühne ist bei Faun immer sehr neblig und diesig, so war es oft schwer auch nur einen Musiker auf der Bühne zu erkennen, doch unterstrich auch das ihre zauberhafte Musik. An diesem Abend spielten Faun einige ihrer alten Lieder, wie „Rad“ oder „Rhiannon“, außerdem passten sie sich dem Line-Up etwas an, indem sie kaum langsame Balladen spielten, sondern eher mit ihren schnelleren Liedern das Publikum zum Tanzen brachten.

Den fulminanten Abschluss bildeten Eluveitie. Die Band startete nach ihren Kollegen Faun mit eingängigen Metal-Klängen und geshoutetem Gesang durch und nahmen so vom ersten Augenblick an ihr Publikum mit. Die Schweizer boten eine tolle masp_66_by_zouberi-dat3qn3Bühnenshow mit viel Bewegung. Doch auch die Gastsängerin Laura konnte über den Wegfall von Anna Murphy nicht ganz hinweg helfen. Die ehemalige Sängerin der Band, Anna, hatte einfach eine Stimme, welche nicht so leicht zu ersetzen ist. Trotzdem lieferten Eluveitie eine tolle und abwechslungsreiche Show. Mitten im Set fand ein kleiner Umbau statt und fortan wurden einige Akustikstücke gespielt. Die Menge nahm den Wechsel freudig an und tanzte noch ausgelassener zur Musik. Außerdem kündigten Eluveitie an, dass im Jahr 2017 ein neues Akustikalbum veröffentlicht wird. Zum Abschluss spielten sie noch einige ihrer verstärkten Metal-Songs und entließen danach ihr Publikum freudig in die Vorweihnachtsnacht.