Lord of the Lost – Empyrean – CD-Rezension

Bei den Hamburger Dark-Rockern von Lord of the Lost kommt es Schlag auf Schlag. Erst im letzten Jahr erschien ihr Akustik-Album „Swan Songs“ (-> wir berichteten) und in diesem Jahr dann die Single „The Love of God“ (-> wir berichteten), die einen harten Kontrast zu den besinnlichen Klängen des letzten Albums darstellte. Nun setzt die Formatio um Chris Harms ihren Weg fort und hat am 29.07. ihr neues Werk „Empyrean“ via Out of Line auf den Markt gebracht. Darauf darf natürlich auch die vorher ausgekoppelte Single nicht fehlen. Diese versprach schon, dass der neue Silberling wieder eine härtere und dreckigere Richtung einschlagen würde. Auch die Bühnenoutfits beispielsweise auf dem Castle Rock Festival (-> wir berichteten) erzählten davon. Wie das Album nun tatsächlich geworden ist und ob sich die Platte lohnt, lest ihr in unserer Rezension.

„Empyrean“ kommt als Deluxe-Edition mit zwei CDs, die eine volle Wagenladung neuer Songs zu bieten haben. Das Ganze beginnt mit „Miss Machine“, einem Song, der rockig und futuristisch zugleich klingt. Das folgende „Drag me to hell“ ist schon vorab als Musikvideo erschienen und wirkt ähnlich wie der gleichnamige Film düster und gefährlich.
„Raining Stars“ beginnt ruhig und mit elektronischen Klängen. Harte Gitarrenriffs stehen hier eher im Hintergrund, aber das Thema wird dennoch deutlich. In einem tanzbaren Disco-Sound erzählt die Band vom Ende der Welt, wenn die Sterne vom Himmel fallen. Wenn die Gitarren dann im Refrain einsetzen, hat der Song und die Thematik aber nichts bedrohliches, sondern es scheint eher so, als würde man die Apokalypse sehnLOTL_2016_NEU3_Gruppe_FotografFranzSchepers_Smlsüchtig erwarten.
Mit „In Silence“ kommt man dann, wie der Name schon sagt, ein wenig zur Ruhe. Die Rockballade bietet zwischen all den dreckig-rockigen Songs einen Ruhepol, der aber durch „Black Oxide“ schnell wieder zunichte gemacht wird. Das Duett mit Scarlet Dorn ist zwar längst nicht so hart, wie andere Tracks und klingt teilweise tatsächlich etwas poppig, aber zeitgleich auch geheimnisvoll. „Interstellar Wars“ bleibt dann auch poppig, bis es mit „Doomsday Disco“ sowohl elektronischer, als auch wieder härter wird. Tanzbar ist der Song allemal, dafür aber nicht so ‚klinisch rein‘, wie andere Elektro-Sounds. „Death Panalty“ lädt dann wieder zum schnelleren abrocken ein, während „No Gods No War“ musikalisch wieder ein Endzeit-Szenario heraufbeschwört. Harte Gitarrenriffs und beißende Elektronik reißen einen völlig aus der Realität und nehmen einen mit nach Empyrean, der fiktionalen Welt am Ende der Zeit.
„The Interplay of life and death“ regt dann in balladeskem Gewand zum Nachdenken ein. Zurücklehnen und über den Sinn des Lebens zu sinnieren, erscheint bei diesem Song durchaus passend. Und wer wünscht sich dann nicht nach „Utopya“?
Lord of the Lost zeigen mit dem Song dann allerdings, dass auch Utopia nicht immer das hält, was es verspricht und dass es für jeden sein ganz eigenes Paradies gibt. Mit „Where ist all the Love“ endet dann die erste CD düster und geheimnisvoll. Die sanften Klavier-Klänge ergänzen sich mit dem elektronisch verzerrten Gesang ganz wunderbar und der Rhythmus tut ein Übriges, um die Scheibe zu einem würdigen Abschluss zu verhelfen.

Im Anschluss an die Frage, wo denn die ganze Liebe hin ist, steht der erst Track der zweiten CD. Mit „Adonai“ präsentieren die Musiker ein beinahe 9-minütiges episches Stück Musik, das gänzlich ohne Gesang auskommt und dennoch seine eigene Geschichte erzählt. Musikalisch würde dieser Track auch auf ein Akustik-Konzert passen, aber es ist weder besinnlich noch beruhigend, sondern eher berauschend und aufbrausend. Das hat was!
„Lament for the condemned“ leitet die CD dann ruhig, aber bedrohlich weiter. Vor dem inneren Auge erscheint ein Bild von Ödnis. So stellt man sich die musikalische Umsetzung vor, wie es nach der Apokalypse auf der Welt aussehen mag. Überall kann sich etwas verstecken und irgendwo lauert sicherlich noch Gefahr. So überzeugt auch thematisch und musikalisch „Now we are the aliens“ auf voller Linie, weil es diese Endzeit-Vorstellung wunderbar weiterführt. Die Frage bleibt dann auch, wer von den Überlebenden erzählt, wenn es kaum noch Menschen gibt. Man wird selbst zum Alien, der nirgendwo hingehört und jede Geschichte danach wird unerzählt bleiben, sodass „Lost in Oblivion“ das Thema weiter in die Zukunft spinnt. Musikalisch beginnt der Track mit einem Schlagzeugsolo, das dann von epischer Hintergrundmusik unterstützt wird. Mit „Traveller’s Wounds“ wird das Album dann noch mal etwas härter und epischer. Der Sound erinnert an eine Mischung aus Herr der Ringe und Phantom der Oper mit futuristischen Science-Fiction-Elementen. Der letzte Track „Wishing on a scar“ rundet die Geschichte dann sanft ab. Ein neuer Morgen, die Wunden sind verheilt, die Sonne geht auf als wäre nichts gewesen. Und man selbst bleibt noch ein wenig benommen sitzen.

Fazit: Alles in allem ist „Empyrean“ ein wirklich gelungenes Konzeptalbum. Die Endzeit-Vorstellungen gepaart mit typischen Apokalypse-Elementen wie die fallenden Sterne haben durchaus semaeinen Charme. Auch musikalisch ist das Album insgesamt ein Fortschritt für die Band. Man merkt deutlich, dass sie sich Gedanken gemacht haben und dass in dem Werk eine Menge Herzblut steckt. Die Sounds werden zwar dreckiger und härter, aber das passt gerade zu diesem futuristischen Thema ganz wunderbar. Durch die Elektronik, die dieses Mal eine wirklich wichtige Rolle spielt, wird das Ganze aufgelockert und tanzbar gemacht. Lord of the Lost haben hier zwar vielleicht etwas erschaffen, an das sich die Fans erst ein wenig gewöhnen müssen, aber hörenswert ist es allemal. Wir sind gespannt, wie die Songs auf Tour live präsentiert werden, da das Album eine zusammenhängende Geschichte erzählt, die auf einem Konzert eigentlich nicht von Anfang bis Ende erzählt werden kann.
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