Lord of the Lost – 27.04.2017 – Szene Wien – Bericht

Donnerstagnachts ist üblicherweise nicht allzu viel los in Wien. Dementsprechend war auch die bekannteste Underground-Location, die Szene in Simmering, nicht ausverkauft und – vor allem bei den Vorbands – bloß etwa halb gefüllt. Und das bei scarlet_dorn_10_by_zouberi-db7j93ediesem Programm! Lord of the Lost gaben ihr einziges Österreich-Konzert auf ihrer „Raining Stars Tour“ und zerlegten den Club, Brett für Brett, Ziegel um Ziegel.
Doch zurück zum Anfang des Abends. Nach dem Einlass um 19:00 Uhr, fing pünktlich um halb acht Uhr die erste Vorband, Scarlet Dorn, an zu spielen. Viele Eindrücke konnte man sich vorab noch nicht von der brandneuen Band machen, haben sie bisher doch lediglich drei Songs über ihre eigene Website veröffentlicht. Was diese Lieder versprachen – schöne elektronische Musik mit klarer, tiefer weiblicher Stimme – ist auch in Wien gehalten worden. Ruhig, aber beschwingt gaben sich die vier Norddeutschen. Dass dies ihr erstes Konzert in Österreich war, ließen sie sich nicht anmerken, bis die Sängerin es verriet. Wie es denn nun klang? Wie die düsteren Songs von Garbage. Die gespielten Songs bauten sich langsam auf, die Intensität stieg, bloß unterbrochen von melodischen Keyboard-Sequenzen, stetig an und schließlich verblieb ein wohlig-warmes, wenn auch melancholisches Gefühl zum Schluss hin. Das Publikum griff diese Emotionen letztendlich auf und schunkelte oder klatsche im Takt sanft mit.

Nach etwa einer halben Stunde und einer kurzen Umbaupause ging es anschließend ganz anders mit Aeverium weiter. Die ruhige Phase war vorbei, denn das Sextett aus Nordrhein-Westfalen haute ordentlich in die Saiten bzw. Tasten. Schneller, lauter Gothic-Metal, der vom Sound und in erster Linie auch mit der doppelt besetzten Front – Bandgründer Marcel aeverium_05_by_zouberi-db7jncvRömer und Sängerin Aeva Maurelle – stark an Lacuna Coil erinnert, drang nun durch die Halle. Aeverium hatten sich in der Wiener Metal-Szene schon einen Namen verschafft, performten sie doch erst vor einem halben Jahr in der Stadt als Vorband von Kamelot. Etwas heftiger fiel also ab nun die Show aus, kaum gedämpft durch die Ballade „Hope“, die als viertes Stück gespielt wurde. Während die Musiker im Nebel und Backlight zu Schatten verschwammen, wurden eingängige Songs wie „What About Me“, „Break Out“ und „Brave New World“ dargebracht. Da funktionierten plötzlich auch die Mitmach-Parts im Publikum schon wesentlich besser.

Nachdem Aeverium nur unwesentlich länger als Scarlet Dorn auftreten durften, war ab etwa 21:20 Uhr bereits die Bühne frei und umgebaut für die verlorenen Herrschaften von Lord of the Lost. Neue Tour, neues Make-up, einen neuen Gitarristen und das aktuelle Album Empyrean (-> hier geht es zu unserer Rezension) im Gepäck, rockte man mit Trommelfelllädierendem die Szene vom Publikum bis zur Security weg. Hatten die Vorbands noch über die abenteuerliche Verkabelung auf und hinter der Bühne gewitzelt – Lord of the Lost rissen sie gleich mit dem Gebäude ab. Während neuere Lieder wie „Drag Me to Hell“ und das titelgebende „Raining Stars“ natürlich im Vordergrund standen, kamen Fans freilich auch in den Genuss altbekannter Songs wie „Dry the Rain“, „Six Feet Underground“ oder „Prison“. Bei „ Blood for Blood“ trafen Tetris und Scooter aufeinander und machten Bummbumm – die strenge Ernsthaftigkeit des Dark Rock wurde wie im Fluge vom Gameboy vernichtet.

Einen wesentlichen Teil der fulminanten Show machte allein die Performance des Lords persönlich – von Chris Harms – aus. Der Lord ist nicht nur Gründer des Projekts und ein äußerst wandlungsfähiger Künstler, wie unter anderem zahlreiche Videoproduktionen der Band bestätigen, er bewies auch seine Sportlichkeit beim wilden Herumklettern über Boxen und Geländer vor der Bühne – ohne dabei unprofessionell zu wirken. Die geballte Aufmerksamkeit der Fans war ihm gewiss, das belegte auch die Abwesenheit ansonsten gerne während Konzerten flimmernder Smartphones – hier war kaum eines zu lotl_07_by_zouberi-db7mf82ehen, wow! Leider konnten wir das Ende der Show und die Zugabe nicht selbst mitverfolgen – vielen Dank an dieser Stelle an die öffentlichen Verkehrsmittel hierzulande, die einen ab etwa 23:30 nicht mehr aus Wien hinauslassen wollen. Zumindest war noch in Erfahrung zu bringen, dass Chris und seine Kollegen im Anschluss an das Konzert noch Autogramme am Merchstand vergaben. Wir hoffen auch eine baldige Rückkehr der Band nach Österreich, nicht zuletzt, um die versäumten Minuten nachzuholen!
Die Fotos des gesamten Abends gibt es auch in unserer Galerie (-> hier).

Weitere Tour-Termine in Deutschland:

04.05.2017 OSNABRÜCK – Rosenhof
05.05.2017 KÖLN – Essigfabrik
06.05.2017 HAMBURG – Große Freiheit 36

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