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Lord of the Lost – 05.05.2017 – Essigfabrik Köln – Bericht

Bevor die diesjährige Raining Stars-Tour von Lord of the Lost in Hamburg vergangenen Samstag zu Ende ging, hieß es am Freitag zuvor auch in Köln noch einmal: abrocken, bis die Halle auseinander fällt. So zumindest hatten sich die Hamburger mit ihren beiden Vorbands durch die Blume angekündigt. Wer sich am 05. Mai auf den Weg zur Essigfabrik machte, musste darauf achten, früh genug loszukommen. Mehrere Baustellen behinderten nachmittags und nachts leider immer noch den Zugverkehr von und nach Köln und auch mit dem Auto kann man sich in den Kölner Baustellen gerne mal verfahren. Dennoch hatten sich einige frühe Fans pünktlich zum Einlass um 18.00 Uhr vor die Tore der Halle gestellt, die dann nach und nach die ersten Reihen befüllten.

Mehr oder weniger pünktlich begann der Abend dann um 19.00 Uhr mit einem ganz besonderen Einheizer. Chris Harms persönlich kam in in einem pinken Polohemd auf die Bühne und stellte sich Scarlet Dorn-14ganz unscheinbar als Tourmanager Jeff vor, der gerne ein paar Worte zur ersten Band sagen wollte. Mit ernstem Gesicht und trockenem Humor zauberte er den Besuchern ein Grinsen auf die Gesichter. Einige freuten sich wohl auch auf die angekündigte Newcomerband Scarlet Dorn, die im Vorfeld der Tour erst drei Songs und ein dazugehöriges Musikvideo veröffentlicht hatten. Dementsprechend gespannt war man auf die Band, die mit hübscher Frontsängerin punkteten.
Während der ersten Songs wurde schnell klar, dass Scarlet Dorn musikalisch und gesanglich auf jeden Fall Potential haben, aber mit einer Performance auf einer großen Bühne noch so ihre Schwierigkeit hatten. Ruhiger, beinahe zu sanfter, Dark-Rock überschwemmte die Essigfabrik, konnte aber viele Gesprächsfetzen nicht übertönen. Zumindest aus Zuschauerperspektive wurde man immer mal wieder durch lautes Rufen von der Musik abgelenkt. Diese Stimmung änderte sich aber glücklicherweise als im vierten Song Chris Harms für ein einfühlsames Duett auf die Bühne trat. Danach taute auch die Band etwas auf und animierte das Publikum dazu, im Takt zu klatschen und die Arme von links nach rechts zu schwingen. Sobald die Animation endete, endete leider auch die Bereitschaft zum Mitmachen im Publikum. Dafür überraschte man jedoch damit, dass man alle veröffentlichten Songs gratis online auf der Homepage der Band laden könnte! So kann man sich zu Hause zumindest ein paar der Songs nochmal zu Gemüte führen.

Nach einer kurzen Umbaupause trat dann Pausenclown Jeff wieder auf die Bühne und plauderte ausAeverium-3 dem Nähkästchen. So habe er sich während der Tour unsterblich in den Drummer von Aeverium verliebt und müsse nun seine Nächte im Nightliner nicht mehr alleine verbringen. Der Faden dieser Geschichte wurde später von Sänger Chubby wieder aufgenommen, denn Jeff habe ihm den Freund ausgespannt.
Der Abend strotzte von vorne bis hinten nur so von Humor und Freundschaft, sodass auch dem letzten Fan klar wurde, dass da nicht nur ein paar Bands gemeinsam auf Tour waren, sondern Freunde!
Aeverium konnten dann schließlich mit ihrem eindringlichen und alternativen Metal mit zweistimmigem Gesang so richtig punkten. Sie hatten ein wahrlich abwechslungsreiches Set im Gepäck, das sowohl aus Songs ihres Debütalbums als auch aus Song ihrer aktuellen Scheibe Time bestand. So gab es harmonische Duette, Gitarrenriffs, die einem das Schmalz aus den Ohren pressten und Ansagen zwischendurch, die sich gewaschen hatten. Durchgehend wurden Aeverium von den Anwesenden ordentlich gefeiert und zumindest ältere Songs wurden eifrig mitgesungen. Auch die neuen Songs schlugen in der Essigfabrik wie eine musikalische Bombe ein und machten Lust auf mehr. Die Fans schüttelten ihre Köpfe, einige tanzten, andere genossen einfach nur die Atmosphäre, die insgesamt ziemlich aufgeladen schien. Mit dem Song „What about me“, zu dem es seit einem Monat auch ein Musikvideo gibt (-> hier zu sehen) verabschiedeten sich die Musiker aus Viersen von ihrem Publikum.

Nun gab es eine etwas längere Umbaupause, denn schließlich musste das gesamte Drumset von Aeverium von der Bühne verschwinden. Auch eine weitere Jeff-Einlage gab es nicht. Dafür ertönte das Star Wars Theme, das von den Meisten mitgesummt wurde. Als der letzte Ton verklang, dauerte es noch ein wenig, bis sich im Dunkeln auf der Bühne etwas regte. Mit dem Song „Drag me to hell“ ging das Konzert von Lord of the Lost schließlich so hart und dreckig los, wie man es von den vergangenen Auftritten schon gewohnt war. Ebenfalls neu war die Aufmachung der Lords, die sich wieder einmal durch extravagantes Make-Up auszeichnete. Zumindest optisch wird es bei den Hamburgern nie langweilig, da sie zu jeder Show sich anders zu schminken pflegen, auch wenn man sich manches Mal fLord of the Lost-5ragt, was genau denn da eigentlich dargestellt werden soll.
Musikalisch hingegen punkteten Lord of the Lost mit Dauerbrennern wie „Blood for Blood“ oder „Black Lolita“. Zwei Songs, die im Prinzip nie in einem Set fehlen dürfen. Damit war ihnen die gute Stimmung auf jeden Fall garantiert, aber auch Songs wie „The Interplay of Life and Death“ oder „Interstellar Wars“, die erst auf dem neuen Album „Empyrean“ (-> hier geht es zur Rezension) erschienen sind, überzeugten das Kölner Publikum. Auch Neuzugang Pi konnte erneut mit seinem Auftritt überzeugen, obwohl alteingesessene Fans wohl noch immer Bo Six hinterher weinen werden, der die Band im letzten Jahr verließ. Nach ihrer regulären Show ließen es sich Chris Harms und seine Kollegen nicht nehmen für Köln auch eine (geplante) Zugabe zu spielen und so wurde der Abend vergleichsweise früh mit „Raining Stars“ und „Doomsday Disco“ beendet.

Fazit: An diesem Abend in Köln spielten drei Bands, die wahrlich unterschiedlicher kaum sein konnten. Man steigerte sich quasi von schüchtern über selbstbewusst bis hin zu völlig überzeugend. Musikalisch war jede Band eine Klasse für sich, die man mögen kann, aber nicht muss. In Köln wird Scarlet Dorn jedenfalls nicht all zu viele neue Fans hinzugewonnen haben. Außer diese ließen es sich kaum anmerken. Die Band hat aber dennoch das Potential so richtig durchzustarten, sofern sie den Mut dazu haben.
Aeverium hingegen trat schon um einiges selbstbewusster auf und wusste die Menge sowohl mit ihrer Musik als auch mit ihrer gesamten Performance zu rocken. Die Kölner hatten praktisch nur darauf gewartet von der Aeverium-Welle erfasst zu werden und das merkte man der Stimmung definitiv an. Lord of the Lost rissen dann schlussendlich beinahe buchstäblich die Hütte ab. Obwohl sie mit dem letzten Album eher in die NDH-Richtung gegangen sind, hat sich ihre Fangemeinde nur noch vergrößert und das merkte man auch daran, dass die Halle am Ende doch sehr gut gefüllt war. Bei Scarlet Dorn war die Essigfabrik kaum halb voll gewesen. Doch die Hamburger wissen scheinbar einfach, was ihre Fans wollen und das schien eine Prise von Sex, Drugs und richtig hartem, dreckigen Rock’n’Roll zu sein.

Die Fotos des Abends gibt es in unserer Galerie (-> hier).

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