Die Erlanger Musiker von J.B.O. sind vor allem durch ihren Spaß-Metal bekannt. Bereits seit 1989 sind Hannes und Veit mit zwei weiteren Kollegen spaßig und (vor)laut in Deutschland unterwegs. Während sie sich zunächst noch durch alberne Coverversionen von bekannten Songs auszeichneten, wie beispielsweise „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana (bei J.B.O.: „Ejaculatio praecox“) oder „Ace of Spades“ von Motörhead (bei J.B.O.: Ace of Spades (umgepflügt)), haben sie im Laufe der Jahre längst auch eigenes Songmaterial geliefert. Die lustigen Cover sind aber immer noch die wohl beliebtesten Songs der Band. Trotzdem darf man die anderen Tracks nicht außer Acht lassen, denn schließlich hat J.B.O. mit ihrem neuesten Album „11“, das am 08.07. via AFM Records erschienen ist, ihr (oh Wunder!) elftes Studioalbum herausgebracht. Ob der Silberling etwas taugt, lest ihr nun hier in unserer Rezension.

Der erste Track ist eigentlich kaum der Rede wert, denn der „Einzähler“ ist genau das, was der Titel sagt: ein Einzähler, der in ganzen 5 Sekunden das Album einleitet. Der erste richtige Song ist dann „Wir lassen uns das Blödeln nicht verbieten“ und schreit den Protest allen Kritikern geradewegs ins Gesicht. In der heutigen Zeit kann der Song aber auch als Statement gesehen werden, das sich gegen den Verbot von Satire aller Art richtet. Musikalisch lässt sich hier nichts an dem J.B.O.-Stil der letzten Jahre vermissen. Rockig und metal-lastig kommt der Song daher und enttäuscht kein bisschen.

Schon die nächsten zwei Songs sind hingegen wieder Coverversionen. Die Originale werden jedem Musikliebhaber bekannt sein, doch die Umsetzung in den Fun-Metall sind ein echter Knaller und können als eigene Kunstwerke gelten. Der „Panzer Dance“ ist ein Cover des marokkanischen Volksliedes „A Ram Sam Sam“ und parodiert textlich auch DJ-Ötzis „Burger Dance“. Der Track „Metaller“ dürfte bekannter sein, denn dieser ist ein Cover von „Mädchen“ der Berliner Band Lucilectric, die sich bereits 1999 aufgelöst hat.
Mit „Ich hätt gern mehr“ ist dann wieder eine Eigenkomposition am Start, die zwar mit unter drei Minuten recht kurz ist, es dafür aber in sich hat. Der Spaß und die Albereien stehen zunächst eher im Hintergrund und es scheint wie eine Kritik an der Konsumgesellschaft, denn man hat ja alles. Im Refrain wird dann aber deutlich, dass es gerade diese Kritik auf den Arm zu nehmen scheint, denn man hätte nicht gern mehr Hab und Gut, sondern mehr Sex. Der Zwischentrack „Autowerkstatt“ disst in Hörspiel-Manier den Gangster-Rap, sodass es mit „Wacken ist nur einmal im Jahr“ anständig im Metal-Stil weiter gehen kann. Der Song parodiert „Malle ist nur einmal im Jahr“ von Peter Wackel und ergibt viel mehr Sinn als das Original, das auch schon ein Cover ist. Etwas sanfter geht es dann mit „Verliebt“ weiter, das teilweise textlich doch sehr an „Ich liebe dir“ aus dem Jahr 1998 erinnert. Allerdings wirkt der Track auch sehr selbstironisch, da Liebe doch auch eigentlich etwas Albernes ist.

Oft hört man, dass früher alles besser war, doch J.B.O. widmet mit „Jetzt ist halt heut“ eine Ode an das Jetzt und Hier. Alles ist in stetiger Entwicklung und das heißt ja nicht unbedingt, dass es schlechter wird. Haben sich die Erlanger etwa in eine ernsthaftere Richtung entwickelt? Ja, vielleicht, aber das 01_JBO_hochkantmacht das Album nicht weniger hörenswert. So erzählt der „alte“ Vito dem kleinen Hannes in einem Zwischentrack, warum Marylin Manson eigentlich so heißt wie er heißt, um dann bei „Fünf Minuten“ wieder ordentlich abzurocken. Auch wenn der Song keine fünf Minuten dauert, geht es um das Phänomen, das eigentlich jeder Erwachsene kennt: Morgens, wenn der Wecker klingelt ein, zwei oder zehn Mal auf ‚Schlummern‘ zu drücken.

Mit „Har har har“ gibt es dann auch gleich ein weiteres humorvolles Cover. Das Original stammt von ZZ Top und trägt ursprünglich den Titel „La Grange“. Ebenfalls gecovert wurde mit „Nürnberg Groove“ der „New York Groove“ von Hello, denn warum soll nur die amerikanische Großstadt den Groove für sich beanspruchen? Und wie könnte es anders sein, wird im Kurztrack „Rapper“ noch einmal kurz der Hip Hop durch den Kakao gezogen.
Auf „Söderla!“ muss man sich dann etwas intensiver einlassen, da es teilweise auf bayerisch gesungen wird und musikalisch ein Zusammenspiel aus Hip Hop, Rap und Rock vorliegt. J.B.O. kann halt nicht nur laut und rockig! Der letzte Song „M.F.N. for J.B.O.“ beschließt dann daher im rockigen Rap-Stil das Album.

Fazit: Insgesamt ist „11“ ein Album, das hauptsächlich durch Selbstkritik und Humor besticht, denn das allerwichtigste im Leben ist es doch, dass man auch mal über sich selbst lachen kann und das Leben nicht immer so bierernst nehmen sollte. Musikalisch bleibt sich J.B.O. weitestgehend treu und beweist dann auch, dass sie mehr als nur Spaß-Metal können. Ganz klar ist die Truppe aus Erlangen aber immer noch etwas für eher eingefleischte Fans, da sich für Viele Metal und Albernheiten zumindest musikalisch nicht so recht vereinbaren lassen dürften. Für neue Fans könnte „11“ aber auch ein guter Einstieg sein, um an den Fun-Metal herangeführt zu werden, da das Album nicht mehr so viel übertriebenen Quatsch bereithält, wie beispielsweise noch „Meister der Musik“ aus dem Jahr 1998 oder „Rosa Armee Fraktion“ von 2002. Reinhören lohnt sich aber auf jeden Fall. Bestellen könnt ihr direkt hier: 11